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5-Achs-Bearbeitung und Nesting: Von null auf CNC

07.10.2020

Ohne einschlägige Erfahrung wagten zwei oberösterreichische Tischlerbetriebe den Einstieg in die Welt der CNC-Bearbeitung. 

Im Überblick

Zwei Betriebe – zwei Konzepte
Betrieb 1: Tischlerei Ornezeder, 
4151 Oepping
Mitarbeiter: 8
Produkte: Innenausbau, Möbel
Maschine: Format4 profit H10 (Nesting)

Betrieb 2: Tischlerei Minihuber, 
4674 Altenhof
Mitarbeiter: 18
Produkte: Inneneinrichtung, Möbel, Türen
Maschine: Format4 profit H350 (CNC-Bearbeitungszentrum)

Im oberen Mühlviertel in Oepping, etwas außerhalb der Stadt Rohrbach, fertigt die Tischlerei Ornezeder individuelle Möbel für Küchen, Esszimmer, Schlaf- und Kinderzimmer sowie Wohnzimmer. Vor fünfzig Jahren wurde sie gegründet, damals als Einzelunternehmen mit einem Gesellen und einem Lehrling. Der Sohn und heutige Firmenchef Fritz Ornezeder erlernte nach der Matura im elterlichen Betrieb das Tischlerhandwerk und übernahm nach absolvierter Meisterprüfung Anfang 2000 den Betrieb. 

„Bis 2004 haben wir den Großteil einem Küchenhersteller zugeliefert, ich sehe mich vorrangig als Zulieferer. Die Aufträge kommen aus der Region und gehen bis nach Tirol und Wien. Wir fertigen seit jeher zu 80 Prozent für andere Tischler, der Rest für private Kundschaft“, sagt Ornezeder. Mit acht Mitarbeitern beliefert der Betrieb etwa 15 gewerbliche Stammkunden, vom Ein-Mann-Tischler bis zum 150 Mann-Unternehmen. „Die Größe des Betriebes soll so bleiben.“ 

Bis vor zwei Jahren war eine CNC-Bearbeitung noch kein Thema bei Ornezeder: „Ich habe gesagt, eine CNC kommt mir nicht ins Haus, ich habe den Sinn nicht gesehen. Da steht ein Mitarbeiter und schaut der Maschine beim Arbeiten zu. Da war ich skeptisch, dass sich das rechnen soll.“

Nesting-Maschine profit H10: Zuschnitt und CNC-Bearbeitung in einem

Doch der sich anbahnende Facharbeitermangel und die kurzfristigen Liefertermine erforderten eine rationellere Arbeitsweise. Die Vorgabe war seitens Ornezeder eine kostengünstige Automatisierungslösung: „Nicht mehr Umsatz damit machen, sondern unsere aktuellen Teile damit zu fertigen.“ Die erste Überlegung war eine liegende Plattensäge, um die 700 bis 800 Platten (zumeist Halbformate mit 2800 x 2070  mm) pro Jahr zu schneiden und ein zusätzliches CNC-Bearbeitungszentrum anzuschaffen. Doch die Felder Group, aufgrund einer Formatkreissäge (Format4 kappa 400) und Kantenanleimmaschine (Format4 perfect 710) bereits im Betrieb bekannt, fand für die oberösterreichischen Tischler eine elegantere Lösung mit der Format4 profit H10: Plattenzuschnitt und CNC-Bearbeitung auf einer einzigen Maschine, also schneiden, bohren, fräsen in nur einem Arbeitsgang. Und mit der Nesting-Technlogie, gesteuert über die Verschachtelungs-Software F4Nest, bleibt der Materialverschnitt minimal. Mit den präzisen Schnittkanten kann man ohne Nachbearbeitung sofort auf die Kantenanleimmaschine gehen. Das Handling, Beladen und Abstapeln der fertigen Teile erfolgt automatisch und materialschonend per Manipulator.

CNC-Maschine erspart Arbeitsaufwand

Fritz Ornezeder ist mittlerweile begeistert: „Wir ersparen uns jetzt enorm viel Arbeitsaufwand. Vor allem die einfachen Standardaufgaben, wie Formatierung, Flächenbearbeitungen und Reihenlochbohrungen, bekommt die CNC-Maschine.“ Die fachlich gut ausgebildeten Mitarbeiter sollen ihr Hirnschmalz in knifflige Sonderaufgaben stecken. Und die Strategie, ein klein strukturierter Betrieb zu bleiben, der kurzfristige Aufträge abarbeitet, half enorm, um schnell rund 75 Prozent der Produktion auf die profit H10 umstellen zu können. 

"Wir ersparen uns jetzt enorm viel Arbeitsaufwand. Vor allem die einfachen Standardaufgaben, wie Formatierung, Flächenbearbeitungen und Reihenlochbohrungen, bekommt die CNC-Maschine."
Fritz Ornezeder, Tischlerei Ornezeder

Ornezeder: „Es ist eine sehr gute, durchgängige Lösung – von der Arbeitsvorbereitung bis an die Maschine. Damit sind wir sehr zufrieden.“ Seit einem Jahr arbeitet die profit H10 in der Tischlerei zuverlässig, gut ausgelastet mit den vom Firmenchef gewünschten rund 300 „Spindelstunden“, die „gerne noch mehr werden sollen“. Die Amortisationszeit hat Ornezeder mit zehn Jahren recht „konservativ“ angesetzt.

Tischlerei Minihuber: Mit Vollgas in die CNC-­Bearbeitung

Ein anderer Betrieb, eine andere Ausrichtung: Die Tischlerei Minihuber in Altenhof am Hausruck (OÖ) wird seit 2001 von ­Andreas Minihuber geführt, der schon kurze Zeit nach Gründung durch seinen Vater vor zwanzig Jahren in das Unternehmen eingestiegen ist. Heute fertigen 18 Mitarbeiter (davon drei Lehrlinge) hochwertige Inneneinrichtungen sowie ausgefeilte Türsysteme für den Brandschutz, Schallschutz und Sonderkonstruktionen. Letzteres wurde erst mit der CNC-Einführung im Betrieb vor zwei Jahren möglich. Für Andreas Minihuber war damals klar: „Ohne eine leistungsfähige CNC-Maschine verpassen wir den Anschluss an die moderne Technik.“

Profit H350 von Format4: Allrounder mit geringem Platzbedarf

Der Unternehmer ging strategisch an das Projekt „Handwerk 4.0“ heran: Nach einer gründlichen Analyse des Teilespektrums und nachfolgender Marktrecherche fiel dann die Wahl auf die profit H350, ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum von Format4, der Premiummarke der Felder Group. „Die passt mit ihrem geringen Platzbedarf, der Bearbeitungsgröße und den Leistungsdaten genau zu uns“, sagt Minihuber. 
Seit dem Einstieg in die CNC-Bearbeitung hat Andreas Minihuber mit seinem Team die betrieblichen Abläufe radikal umgestellt und an die neue Maschine angepasst. Minihuber im Rückblick: „Niemand von uns hatte vorher CNC-Erfahrung. In den vier Tagen Basisschulung bei Felder haben wir Grundwissen erlernt, später auch bei Kollegen nachgefragt, die schon mit CNC arbeiten.“ Neben dem Tages­geschäft brauchte es dann rund ein Jahr, bis alles reibungslos lief. Zwei Mitarbeiter stehen in der Werkstatt am Bearbeitungszentrum, der Chef selbst und ein Mitarbeiter verantworten die Programmierung und Arbeitsvorbereitung. Die Konstruk­tionen ent­stehen in 3D mit Fertigungs­realismus, einer neuen, fertigungsbasierten CAD-­Planungsmethode.

"Die H350 bietet uns enorm viele Möglichkeiten, wir können jetzt Produkte fertigen, die vorher nicht möglich waren."
Andreas Minihuber, Tischlerei Minihuber

Individuell konfigurierte 5-Achs-CNC

Bei Minihuber ist eine profit H350 mit fast allen Optionen im Einsatz. Felder positioniert das Bearbeitungszentrum als Allrounder für jene Tischler, die viele variable Standard- und Sonderaufträge im Platten- und Massivholzbereich ausführen. Jürgen Rakuschan, Spezialmaschinenverkäufer bei der Felder Group, erklärt: „Bei uns gibt es keine Standardmaschine, wir konfigurieren aus rund 100 Optionen eine individuelle Maschine, genau darauf abgestimmt, was der Kunde braucht.“ In diesem Fall etwa die stärkere 15 Kilowatt-Spindel, weil die speziellen Türen, Trennwände und Massivholzbearbeitungen mehr Kraft erfordern. Minihuber bearbeitet jeweils zur Hälfte Platten und Massivholz: „Die H350 bietet uns dafür enorm viele Möglichkeiten, wir können jetzt Produkte fertigen, die vorher nicht möglich waren.“ 

Neben den Privatkunden sind rund die Hälfte gewerbliche Aufträge, die von Baufirmen oder Architekten kommen. Da entstehen für den Industrie- und Wohnbau Türen mit Feuerschutz, Schallschutz und Strahlenschutz. „Solche Aufträge kommen regelmäßig, seitdem bekannt ist, dass wir das können“, freut sich Minihuber, der allerdings, seit das Bearbeitungszentrum im Betrieb läuft, sehr gezielt und aktiv solche Aufträge lukriert hat. Um kurzfristige Nachbestellungen schnell und genau abwickeln zu können, wird bei diesen jährlich 700 bis 800 gefertigten Spezialtüren das jeweilige Programm mit einer eigenen Türnummer abgespeichert. Eines der aktuell spannenden Projekte sind Spezialtüren für den neuen Reinraum eines ­Elektronikherstellers. Mini­huber: „Die Anforderungen an den Schall- und Feuerschutz sowie die Zutrittskontrolle sind da sehr speziell, die doppelflügeligen Türen messen 2,8 x 2,7 Meter und müssen hermetisch dicht schließen.“

Und in welchem Zeitraum soll sich die CNC-Maschine amortisieren? „Ich muss vorausschicken, wir haben ordentlich Gas gegeben, nichts nebenbei laufen lassen. Aber ich war dann doch erstaunt, dass wir die Maschine bereits nach nur einem Jahr praktisch verdient hatten“, freut sich Minihuber. „Ich habe von Anfang an klar im Betrieb gesagt, ab sofort laufen die Aufträge über die CNC, damit wir die Investition schnell zurückverdienen. Vorher mussten wir vieles außer Haus geben, jetzt bleibt die volle Wertschöpfung im Betrieb.“ 

Autor/in:
Gernot Wagner
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