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Alte Liebe – neue Flamme

12.09.2013

Liebe ging schon immer durch den Magen. Und zum Kuscheln braucht man ein Sofa. Warum also das trennen, was eigentlich zusammengehört? Jetzt ist Schluss damit: Das Einkochen und Liebeswerben zwischen Küche und Wohnzimmer trägt reife Früchte.

Es ist schon längst kein Geheimnis mehr. Spätestens seit den letzten Messen, bei denen Küchen die Hauptrolle spielten, wissen wir, dass Küche und Wohnzimmer nochmals geheiratet haben. Der Trend zeichnet sich schon seit einiger Zeit ab, sodass die Verwohnzimmerung der Küche oder die Verkochung des Wohnzimmers die logische Konsequenz daraus ist. Aber darüber wundert sich ohnehin niemand – ganz im Gegenteil: Man freut sich. Das, was Schlafzimmer und Badezimmer schon längst für sich beanspruchen, will man nun dem anderen unzertrennlichen Pärchen nicht mehr verweigern.

Wie Pech und Schwefel
Nun ist es ja nicht so, dass man einfach die Wand weglässt und die beiden zu „Mann und Frau“ erklärt. Die zarten Bande sind viel feiner verwoben und manchmal so subtil, dass man sie erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennen kann. Die moderne Wohnküche ist nicht mehr nur ein simpler Großraum, der vom Fliesenboden nahtlos in den Parkett übergeht, in dem die Küchenzeile ein paar Schritte von der Sitzlandschaft entfernt ist. Heute stellt man ganz andere, ja viel höhere Ansprüche. Man verweilt zum Beispiel nach dem Essen mit den Gästen am Tisch, anstatt sich mit vollem Bauch zu einem weichen Sofa „weiterzurollen“. Was für nach dem Essen gilt, kann genauso gut auch für vorher gelten. Es wird gleich direkt am Tisch gekocht – geschnitten, gebraten, gegessen. Die Gastgeber rücken nun noch näher ins Geschehen und sind Teil der illustren Runde, der man sich so voll und ganz widmen kann.

Es gibt aber noch andere technische Neuheiten, die einfach nur staunen lassen. Eine Küche, die durch eine höhenverstellbare Arbeitsfläche multifunktional wird und so nicht nur ergonomisch für das Arbeiten ist, sondern auch sämtliche andere Tätigkeiten zulässt. Man kann sitzen wie beim Tisch, man kann stehen und ein Glas Prosecco trinken, man kann aber auch mit den Kindern die Hausaufgaben machen. Gleichzeitig verschwindet das gesamte Equipment, das die Küche zur Küche macht. Die Spüle schließt sich, die Armatur verschwindet, das Kochfeld ist ohnehin plan in die Arbeitsfläche integriert. Was bleibt, ist ein Monolith, der den Raum bereichert und eine einzige Aufgabe stellt. Aufgeräumt wird gleich, das Verschieben auf später zählt nicht mehr. Nur dann kann die volle Schönheit des Designs bewahrt werden.

Showtime
Wie wäre es also mit einer Kücheneinheit, die beide Räume gleichzeitig bedient? Auch das ist möglich, denn es gibt ein Möbel, das auf der einen Seite die Hausbar, den Flatscreen und die Zeitschriften unterbringt, auf der anderen Seite die komplette Kücheneinrichtung mit ihren Stauräumen ausfährt. Möglich wird das durch ein im Block zentral integriertes Hebeelement, das sich wie ein weiteres Volumen in die Höhe erhebt und die Utensilien für die Benutzer freigibt. Auch hier rücken die beiden Bereiche so nah zusammen, dass sie zu einer harmonischen Einheit verschmelzen. Die Küche wird also zur bespielbaren Bühne und gleicht immer mehr einer Inszenierung, die die unmittelbare Nähe zum Wohnzimmer nicht scheuen muss. Feine mechanische Details finden mehr und mehr Einzug in das Genre der kulinarischen und häuslichen Genüsse. Ganz deutlich zeigt sich das dann, wenn der Küchenstauraum zu einer Art Werkzeugkoffer und die Küchenzeile selbst zu einer echten Werkbank wird. Schließlich ist es doch auch so: Hier wird gearbeitet und das darf man ruhig auch sehen.

Raumschiff Eierspeis
Besonders interessant wird es in der Küche, wenn man die gewissen Extras in der sogenannten „Schublade“ hat. Viele Details können da heute schon zaubern. So zum Beispiel eine Armatur, aus der bereits kochendes Wasser kommt, was Zeit und Energie spart. Oder eine Armatur, die sich nach Bedarf um 360 Grad drehen kann, was ein wesentlicher Vorteil bei modernen Küchenblöcken ist. Letztere sind ohnehin schon in den letzten Jahren zum Maß aller Dinge geworden: Neben einer wesentlich angenehmeren Arbeitsweise, angelehnt an den früheren zentralen Arbeitstisch, kann man gerade hier viele Dinge unterbringen, die sonst nur dezentral zu finden wären und nicht direkt am Geschehen sind. Damit sind nicht nur versenkbare Steckdosen gemeint, sondern auch Aufbewahrungselemente für Gewürze, Messer oder sonstiges Zubehör, die stets mit einem Knopfdruck griffbereit sind. Wenn dann auch noch der Dampf an Ort und Stelle abgezogen wird, weil der Abzug in das Induktionsfeld integriert ist und die Oberfläche mit ihrer Poren- und Fugenlosigkeit für leichtes Reinigen sorgt, vielleicht sogar noch durch die Integrierung von Silberionen verhindert, dass Mikroben und Bakterien sich vermehren, die Kaffeetassen in der Lade bereits vorgewärmt werden und sich das Backrohr per iPhone schon vom Büro aus aktivieren lässt, dann ist die Küche so gut wie perfekt.

Die Küche hat sich also emanzipiert und wird zum integrierten Bestandteil des Wohnzimmers. Das Geheimnis ist dabei, dass die Küche verschwinden kann und sich damit noch viel mehr in das Wohnambiente integrieren kann. An die strikte Trennung von einst will niemand mehr denken. Umso schöner ist es, dass dadurch nun ein echtes Miteinander möglich wird, das der Kommunikation huldigt und das Gesellschaftsleben noch besser in Schwung hält. Und das an einem Ort, an dem man fast alles machen kann.

Text: Barbara Jahn

Autor/in:
Redaktion Tischler Journal
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