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Ausdrucksstarke Stücke: Wie bei Holzart Stoffl Massivholzmöbel entstehen

02.06.2020

Bei Holzart Stoffl in St. Anton am Arlberg entstehen ­Einzelmöbel, komplette Küchen und sogar Fertigteilhäuser. Die Spezialität der Tiroler sind aber großformatige Tische aus edlen Naturhölzern – für deren Bearbeitung setzt man auf Maschinen von der Felder Group.

Im Überblick

Unternehmen: Holzart Stoffl, St. Anton am Arlberg
Mitarbeiter: 5
Ausrichtung: Massivholzmöbel, komplette Einrichtungskonzepte, Planung, Holzbau
Maschinenlieferant: Felder Group
Maschinen: Formatkreissäge Format-4 kappa 550, Abrichthobelmaschine Format-4 plan 51, Dickenhobelmaschine Format-4 ­exact 63, Breitbandschleifmaschine Format-4 finish 1353R, Langbandschleifmaschine Felder FS 722, Bandsäge Felder FB 840 

Das vergangene Jahr stand für ­Christoph Schneider ganz im Zeichen seines Firmenneubaus: Sechs Monate nahm er sich mit seinen fünf Mitarbeitern Zeit, um komplett in Eigenregie die neue Firmenhalle für sein Unternehmen Holzart Stoffl zu errichten. Alle anderen Aufträge lagen in dieser Zeit auf Eis. Entstanden ist dabei ein sehenswerter Holzbau mit 1400 m² Nutzfläche und vielen nachhaltigen und ökologischen Ansätzen. Die Holzspäne aus der Werkstatt werden etwa zu Pellets weiterverarbeitet, und in die Ab­saugungsanlage ist eine Wärmerückgewinnung integriert. „So kommen wir das ganze Jahr über ohne zusätzliche Heizung aus“, erzählt Schneider. Der Tischlereibetrieb verfügt auch über eine Holzbau-Befugnis und konnte so alle Arbeiten selbst ausführen – bis hin zur selbst entwickelten Dachfensterkonstruktion.

Massivholz und mehr

Im neuen Gebäude am Rande von St. Anton am Arlberg fertigt Schneider mit seinem Team Einzelmöbel bis hin zu kompletten Küchen. Dabei kommt nicht nur Massivholz als bevorzugter Werkstoff zum Einsatz, auch Materialien wie Metall, Stoff oder Stein werden immer häufiger verarbeitet. Auf Wunsch übernimmt das Unternehmen auch die Planungsleistung für Einrichtungsprojekte. 
Als nächsten großen Entwicklungsschritt will der Unternehmer auch exklusive Holz-Fertigteilhäuser bauen – das erste Musterhaus ist gerade erst fertig geworden. Eine Spezialität von Holzart Stoffl sind aber seit einigen Jahren Tische aus großformatigen Massivholzbrettern, die schon einmal bis zu zweieinhalb Meter breit und bis zu sechs Meter lang sein können. Dazu verwendet der Betrieb ausschließlich heimische Hölzer: Platane, Eiche oder Nussbaumholz, aber auch Briccolestämme – Pfähle aus Eichenholz aus den Lagunen von Venedig, die sich zu Platten mit besonders ausdrucksstarken Holzmaserungen verarbeiten lassen. „Tropenholz gibt es bei mir keines, auch wenn es immer wieder Kunden gibt, die danach fragen“, erklärt Schneider.

Kontinuierliches Wachstum

Begonnen hat der Tiroler vor acht Jahren im kleineren Maßstab: Zuhause in der 18-m²-Garage begann er mit einer kleinen Felder-Bandsäge und der Fertigung von Dekorationsobjekten. Das Geschäft wuchs, er baute seine Kontakte aus und übersiedelte ein paar Jahre später in eine leerstehende Fertigungshalle. Schließlich ergab sich die Möglichkeit, ein eigenes Firmengrundstück zu kaufen – im vergangenen Jahr folgte dann das Neubauprojekt. 
Dass St. Anton zur Eindämmung des Coronavirus zwei Monate lang als Quarantänegebiet eingestuft und komplett abgeriegelt war, sorgte im Betrieb nur für einen kurzen Dämpfer. Nach einer anfänglichen Pause konnte Schneider mit seinem Team bald wieder weiterarbeiten – auch die Nachfrage zog rasch wieder ordentlich an. 

Internationale Kundschaft

Mit seinen Möbeln beliefert Holzart Stoffl praktisch ausschließlich Privatkunden, viele davon in Ländern wie Deutschland, der Schweiz oder Frankreich. „Wir sind ein junges Team, alle meine Mitarbeiter sind Facharbeiter“, erzählt der 37-Jährige. Egal ob Tischlerei oder Zimmerei: Schneider achtet darauf, dass jeder in allen Bereichen zum Einsatz kommt. „Jeder soll von allem eine Ahnung haben. Und wir möchten das auch nicht wie zwei getrennte Unternehmen betrachten – es gibt nur eine Firma Holzart Stoffl.“  

Massivholztische mit Charakter

Bei der Beschaffung des Materials für seine großformatigen Tische arbeitet Schneider eng mit seinem Holzlieferanten zusammen, der Firma Malta-Holz in Kärnten. „Wenn der Chef ein spezielles Stück findet, schickt er mir ein Foto, und wenn es passt, kaufe ich es“, erzählt Schneider. Aufgrund der langen Trocknungsdauer dauert es dann oft bis zu drei Jahren, bis das Holz im Tiroler Betrieb landet. „Die Trocknung ist für die Weiterverarbeitung das Um und Auf“, sagt Schneider. Je nach Kundenwunsch werden die Bretter geölt und mit verschiedenen Verfahren weiterveredelt, beispielsweise mit Epoxidharz ausgegossen oder auch mit Beton kombiniert. 

Oberflächen im Fokus 

Für die Arbeit mit dem Naturwerkstoff Holz setzt Schneider auf zahlreiche Maschinen des Tiroler Herstellers Felder. Zur Ausstattung gehört neben einer Bandsäge FB 840 unter anderem eine Format-4-Abrichthobelmaschine des Typs plan 51 und die Dickenhobelmaschine exact 63, ebenfalls von Format-4. Der Zuschnitt erfolgt auf der Formatkreissäge, einer Format-4 kappa 550. Ein besonderes Augenmerk liegt bei den edlen Tischplatten auf der Oberflächenflächenbearbeitung, die auf einer Breitbandschleifmaschine, einer Format-4 finish 1353R, erledigt wird. Die Maschine arbeitet mit drei Schleif­aggregaten, ermöglicht eine Bearbeitung von Werkstücken bis zu 170 mm Höhe und einer Breite bis zu 1350 mm. Besonders angetan ist Christoph Schneider von der integrierten zusätzlichen Hobelwelle, die für ihn und sein Team eine enorme Arbeitsersparnis bedeutet: „Damit ist jetzt in zwei Stunden erledigt, wofür früher eine ganze Woche händischer Arbeit notwendig war.“ 

Vor dem Kauf des guten Stücks wollte der Tischler allerdings sichergehen, dass die Bearbeitung des oft sehr teuren Rohmaterials für die Tischplatten auch wirklich einwandfrei klappt. In einem Probelauf in der Felder-Zentrale in Hall sollte deshalb ein noch nicht abgerichtetes Brett mithilfe einer Unterkonstruktion durch die Maschine geschickt werden. Schneider ließ für den Versuch ein massives, rund 18.000 Euro teures  Rohelement anliefern. Alles funktionierte reibungslos. „Die anderen haben schon etwas geschwitzt, aber ich war mir ganz sicher, dass das hinhaut“, sagt Schneider cool. 

Der richtige Schliff

Mittlerweile läuft die Maschine im Dauerbetrieb. Auch Leimbinder für den Holzbaubereich bekommen darauf den passenden Schliff. Erst letztens habe man einen zwölf Meter langen Träger durch die Maschine laufen lassen, erzählt Schneider. Für die Oberflächenbearbeitung von Möbelteilen kommt im Betrieb auch gelegentlich die Langbandschleifmaschine FS 722 von Felder zum Einsatz. Damit lassen sich etwa Rundungen schleifen, wie das kürzlich bei Rückenelementen für eine Massivholz-Eckbank notwendig war. 
Seit seinen Anfängen als Garagentischler ist der Tischler bis heute dem Tiroler Maschinenhersteller treu geblieben: „Was mich damals schon beeindruckt hat: Ich habe nur eine kleine Bandsäge gebraucht. Trotzdem ist der Vertreter zwei Tage später persönlich vorbeigekommen. Das gefällt mir: Es macht bei Felder einfach keinen Unterschied, ob man 100 Mitarbeiter hat oder ein Ein-Mann-Betrieb ist.“

Motto: klein, fein, nachhaltig

Auch über eine CNC hat Schneider schon nachgedacht, sich aber letztendlich gegen eine Anschaffung entschieden – diese sei für seine Zwecke einfach nicht notwendig. Ohnehin legt er Wert auf einen großen handwerklichen Anteil an der Arbeit und wolle künftig noch stärker nach dem Motto „zurück zum Ursprung, klein, fein und nachhaltig“ arbeiten: „Unserer Kundschaft gefällt dieser Ansatz gut.“ Nachhaltig ist dabei auch Schneiders Umgang mit dem wertvollen Rohmaterial: Die Kunden bezahlen zwar die kompletten Massivholzplatten, naturgemäß fällt bei deren Bearbeitung aber auch einiges an Verschnitt an. Auch diese Reststücke werden noch verwertet und daraus Dekoelemente, Holzuhren oder Kugelschreiber gefertigt – eine schöne Aufmerksamkeit für den Kunden und ein Zeichen der Wertschätzung des edlen Naturwerkstoffes. 
 

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