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Bereit für die nächste Generation

24.06.2019

Die Architektinnen Nina Mair und Michaela Mair bekamen von ihrem Auftraggeber, der Tischlerei Gabriel Forcher in Lienz, „die Freiheit, etwas Außergewöhnliches zu schaffen.“

 

Produktdesignerin und Architektin Nina Mair entwarf in Kooperation mit Architektin Michaela Mair das neue Firmengebäude der Gabriel Forcher Tischlerei in Lienz. Die offizielle Eröffnung fand Ende April statt, die Produktionshalle ist seit letztem Herbst im Vollbetrieb. Das neue Erscheinungsbild soll die Marke des 95 Mitarbeiter zählenden Familienbetriebs stärken und auch nach außen qualitätsvoll repräsentieren. In der Umsetzung stehen Mensch und Handwerk im Vordergrund. „Das Tischlerhandwerk ist einer der schönsten Berufe. Mit derselben Virtuosität, mit der bei Forcher Möbelstücke gefertigt werden, wollten wir eine zeitgenössische und außergewöhnliche Architektur erschaffen“, erklärt Nina Mair die Gestaltungsphilosophie.

Klare Ziele

Der Familienbetrieb in Lienz in Osttirol ist erfolgreich im Segment der Möbelproduktion für den Handel aktiv, der Mitarbeiterstand hat sich in den letzten 30 Jahren beinahe verdoppelt. Die letzte Erweiterung liegt lange zurück, die Büros wurden beispielsweise 1993 zum letzten Mal adaptiert. „Das Erscheinungsbild des Standortes war nicht mehr zeitgemäß. Auch platzmäßig waren wir im Bestand an unsere Grenzen gelangt“, erklärt Prokurist Andreas Wolsegger, der gemeinsam mit der Geschäftsleitung der Tischlerei für das Bauprojekt verantwortlich zeichnet. So waren die Ziele des Neu- und Umbaus – der durch den Erwerb eines 2000 Quadratmeter großen Nachbargrundstücks möglich wurde – klar definiert: „Mit dem Neubau sollten Produktion und Verwaltung mehr Platz bekommen, ein modernes Arbeiten möglich und unser Außenauftritt professionell und repräsentativ gestaltet werden“, erzählt Wolsegger weiter.

Lösungsorientiert und harmonisch

Zum ersten Mal in der 90-jährigen Firmengeschichte entschied man sich aufgrund des Anspruchs, die Firma auch mit dem Gebäude adäquat nach außen zu präsentieren, für die Zusammenarbeit mit Architektinnen. Nina Mair erwies sich mit ihrer Kollegin Michaela Mair, die sie in einer Kooperation mit an Bord holte, als die passende Partnerin: Man kannte einander und verstand sich von Anfang an gut. Denn Nina Mair und die Firma Forcher verbindet eine mehr als 15-jährige Zusammenarbeit. Das über die Jahre aufgebaute, beiderseitige Vertrauen war ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Abwicklung des Bauprojekts, das mit einjährigem Planungsvorlauf innerhalb eines Jahres komplett fertiggestellt wurde. „Die Tischlerei Forcher hat meine ersten Möbelentwürfe realisiert, mich mit ihrem Know-how unterstützt und auch manche verrückte Idee in die Tat umgesetzt. Diese Firma setzt auf Fortschritt, sie ist mutig und zukunftsorientiert. So durften wir eine außergewöhnliche Architektur kreieren und damit den Grundstein für das Arbeiten der nächsten Generationen legen“, sagt Nina Mair. „Wir haben gemeinsam etwas Besonderes geschaffen“, zeigt sich auch Andreas Wolsegger mit der Zusammenarbeit und dem Ergebnis äußerst zufrieden.

Hell, offen und praktikabel

Bei der Gestaltung der neuen Büros, für die nun statt vorher 200 insgesamt 800 Quadratmeter im Obergeschoß zur Verfügung stehen, und der zusätzlichen 1200 Quadratmeter Produktionsfläche standen mehrere Vorgaben im Zentrum: zum einen die Praktikabilität der Arbeitsabläufe, zum anderen, keinen Unterschied in der Arbeitsqualität zwischen Büro und Werkstatt zu machen. 

Aufbauend auf dieser Zielsetzung entwickelten die Gestalterinnen ein Konzept, das in die Erweiterung die gewachsenen Strukturen einbindet und in seinem Gesamterscheinungsbild langfristig funktionieren wird. „Wir haben das Bestandsgebäude ergänzt und den ganzen Komplex in eine gemeinsame Hülle gepackt“, so Nina Mair. 

Dem Anspruch der Förderung des Teamgeistes trägt man mit einem vollverglasten Innenhof als verbindendes Element Rechnung. Diesen platzierten die Architektinnen zwischen das Bestandsgebäude, die neue Werkhalle und die Büros. Er bringt Tageslicht in das Gebäudeinnere und schafft Sichtbeziehungen zwischen der Produktion, den Büroarbeitsplätzen und dem Schauraum. Außerdem dient er als Treffpunkt für die Mitarbeiter in ihren Pausen. Ein zen­tral platzierter Ahornbaum spendet Schatten und steht als Symbol für den Werkstoff, mit dem hier täglich gearbeitet wird. 

Optimierte Strukturen

Im Zuge der Bauarbeiten – die übrigens bei laufendem Betrieb stattfanden – wurden Bestandsteile abgerissen, auch das alte Dach wurde abgetragen. In der Folge wurden Alt- und Neubau mit einem gemeinsamen Dach versehen. „Wir haben die vorhandene Struktur sanft verändert, die Schnittstellen und die Wegführung optimiert. Dabei wurden wir perfekt durch die Mitarbeiter und ihr Know-how unterstützt“, berichtet Nina Mair. So wurde die rund 30 Meter breite neue Produktionshalle stützenfrei mit einem asymmetrischen Satteldach überspannt, um die Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. „Damit ist auch für die Zukunft ein problemloses Manövrieren von Maschinen bzw. eine Umstrukturierung der Werkstatt möglich.“

Viel Holz im Innenraum

Für die Fassade entschied man sich für ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) mit Besenzugstruktur, das einen sehr handwerklichen Charakter besitzt. Bei der Innenarchitektur hingegen ist Holz das dominierende Material. Hier legte die Tischlerei selbst Hand an und produzierte die gesamte Möblierung: „Es war uns wichtig, im Innenausbau bis in die kleinsten Details unsere Kompetenz zu zeigen“, sagt Andreas Wolsegger. Durch den Fokus auf Holz in Kombination mit viel Glas entsteht eine helle, offene, wohnliche Arbeitsatmosphäre ohne „den typischen Bürocharakter. Und dafür bekommen wir viel Lob.“ Die Wände und Akustikdecken sind in Weißtanne ausgeführt, die Massivholztüren und die Möbel sind aus Eichenholz. Ein vier Meter langer, massiver Eichentisch im Herzen des Gebäudes dient als Treffpunkt für Mitarbeiter und Gäste. Er ist ein Symbol für den Zusammenhalt und den Teamgeist der Firma. Die Trennwände sind als raumhohe Schränke ausgeführt, die restlichen Wände sind verglast. Die Schreibtische sind höhenverstellbar und machen so ein flexibles Arbeiten möglich. „Mit dem Umbau und der zeitgemäßen Ausstattung investieren wir in gesunde und zufriedene Mitarbeiter – und damit in eine sicherlich erfolgreiche Zukunft des Unternehmens“, resümiert Andreas Wolsegger.

Autor/in:
Gudrun Haigermoser
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