Direkt zum Inhalt
Die Tischlerei Claus Schwarzmann fertigt im Bregenzerwald hochwertige Massivholzfenster – eckig, scharfkantig und nobel wie ein Möbel.

Das Fenster als Möbel

21.03.2018

Die Tischlerei Claus Schwarzmann fertigt im Bregenzerwald hochwertige Massivholzfenster und verbindet dabei traditionelles Handwerk mit modernen Maschinen und Werkzeugen. 

Ganz ohne Dübel: Schwarzmann setzt auf die Leitz PlugTec eine klassische, sehr stabile Fenstereckverbindung.
V.l.n.r.: Gründer Felix Schwarzmann, Tischlereichef Claus Schwarzmann und Thomas Berchtold, technischer Berater von Leitz in Vorarlberg

Die Ankunft in der Tischlerei Schwarzmann könnte nicht idyllischer sein. Die Sonnenstrahlen lassen den herrlich weißen Schnee in Schoppernau glänzen. Die Vorarlberger Gemeinde im hinteren Bregenzerwald zählt knapp tausend Einwohner und liegt 852 Meter hoch. Ein Viertel der Gemeindefläche ist bewaldet, ein gutes Drittel ist Teil der Alpen. In fast greifbarer Sichtweite liegt die aus Jurakalk bestehende 2044 Meter hohe Kanisfluh, eines der bekannten Wahrzeichen des Bregenzerwalds.

Sternzeichen und Mondphasen

„Den Betrieb habe ich aus dem Nichts aufgebaut, ich komme ursprünglich aus Schröcken und habe hier in Schoppernau 1971 praktisch auf der grünen Wiese angefangen“, erzählt Felix Schwarzmann, der mit seinen heute 78 Jahren zwar schon vor gut 15 Jahren an Sohn Claus den Betrieb übergeben hat, aber immer noch aktiv in der Werkstatt mitarbeitet. 
An die Anfangsjahre erinnert sich der Firmengründer freilich noch lebhaft: „Es gab damals langjährig ortsansässige Tischler, die Fenster gemacht haben und natürlich keine Freude hatten, dass da von woanders noch einer kommt. Das war ein harter Konkurrenzkampf.“ Doch mit absoluter Termintreue, die damals bei anderen noch nicht so selbstverständlich war, baute sich Schwarzmann seinen Kundenkreis auf.

Die Qualität musste ohnehin stimmen. Claus Schwarzmann führt mit seinem zehnköpfigen Team, in dem auch schon der Junior „als dritte Generation“ mitarbeitet, diese Philosophie nahtlos weiter: „Wir haben keine speziellen Saisonhöhepunkte, wie etwa vor Weihnachten, bei unseren Kunden richten sich die Liefertermine sehr oft nach ihren spirituellen Vorstellungen, wie etwa nach den Sternzeichen oder Mondphasen. Da achten viele Häuselbauer drauf, und dann gilt es, genau zu diesen Zeiten verlässlich zu liefern. Das ist für uns aber auch von Vorteil, weil wir diese Zeitpunkte kennen und daher längerfristig planen können.“

Und da der Großteil der Kundschaft großen Wert auf Tradition legt, gelten auch für den Tischlerbetrieb bei den Fenstern nach wie vor die altbewährten tradierten „Holzregeln“, dass feinjähriges, wintergeschlagenes Holz, fallweise auch auf Kundenwunsch während der optimalen Mondphase gesägt, eben besondere Eigenschaften aufweist: Es trocknet schneller, schwindet weniger, ist härter, steifer und stabiler, es reißt weniger und ist resistenter gegen Insekten und Pilzbefall sowie gegen Feuer. Fast 90 Prozent des Holzes, das Schwarzmann verarbeitet – vornehmlich Tanne und Fichte – stammt aus den alpinen Wäldern Vorarlbergs und kommt von einem nahegelegenen Sägewerk.
Regionale Lieferanten sind Schwarzmann ein Anliegen, die Zusammenarbeit dauert mit den meisten schon viele Jahrzehnte. So stammen Fensterglas, Beschläge, Dichtungen aus Vorarlberg, die Werkzeuge seit vierzig Jahren von Leitz. Die sind bekanntlich aus Riedau in Oberösterreich, „aber wir liefern ja von Feldkirch aus“, ergänzt Thomas Berchtold, technischer Berater von Leitz in Vorarlberg, ein wenig schmunzelnd.

Natur pur – ohne Lack

Seit den ersten Tagen war klar, dass bei den Fensterkanteln nur Massivholz zum Einsatz kommt, keine verleimten Kanteln, damit man das Holz ordentlich so nutzen kann, wie es gewachsen ist. „Wir machen noble Handwerksfenster“, so der Vorarlberger Tischler. „Ich gehe gerne mit den Kunden durch den Betrieb und zeige ihnen genau, wie wir arbeiten, das schafft Vertrauen.“

Die Kunden, zumeist private Häuselbauer, die auch vorwiegend im Ländle wohnen, setzen auf die hochwertigen nobel anmutenden Fenster aus naturbelassenem Holz, die bei Schwarzmann nur geseift, geölt oder bestenfalls mit einer ganz dünnflüssigen Lasur imprägniert werden. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass der Lack die Haltbarkeit des Holzes nicht unbedingt verlängert. Wir tauschen nach wie vor in vielen Häusern die alten unlackierten Holzfenster aus, die der Vater seinerzeit gemacht hat und die vom Holz her noch vollkommen in Ordnung sind, aber neue Bewohner wollen eben aktuelle Fenster“, sagt Schwarzmann und ergänzt: „Wir bieten auch das Zubehör zum Fenster an, wie Verkleidungen und Fensterläden.“

Eine Spezialität der Schoppernauer Tischler sind Fenster, die bis aus fünf langen, durchgehenden Hölzern bestehen – „ohne zu koppeln, wie es die Industrie macht – da unterstützen uns die neue Anlagentechnik und die Werkzeuge sehr. Falzwechsel vom Rahmen auf Flügel machen wir ganz klassisch, wie man sie früher gemacht hat.“ Eckig, scharfkantig – so müsse ein Holzfenster sein, wie ein Möbelstück. „Einfach nobel, das schätzen die Kunden an unseren Fenstern.“

Tradition und Moderne

Mit Sonderanfertigungen ist das Unternehmen auch außerhalb der Landesgrenzen tätig. Der gute Ruf sorgt für volle Auftragsbücher, gute handwerkliche Leistung wird eben auch heute noch hoch geschätzt. 
Die computergestützte Konstruktion mit CAD ist seit vielen Jahren Standard in Tischlereibetrieben, aber „als der Vater anfing, war das noch nicht so. Aber er war damals schon ein Vorreiter und wollte eine Software haben, die wir dann eher zufällig bei einer Messe an einem ganz kleinen Stand gefunden haben. Die hat uns gut gefallen, und wir haben sie gleich gekauft“, sagt sich Schwarzmann über die Entscheidung, auf die CAD-Software von Klaes gesetzt zu haben. 

Seit knapp drei Jahren kombiniert Schwarzmann in der Werkstatt das traditionelle Handwerk mit neuen modernen Maschinen und Werkzeugen. Von Weinig hat man, nachdem die Vorgängeranlage Unicontrol zehn Jahre lang gute Dienste geleistet hatte, eine neue Conturex gekauft. Mit dieser Hightech-Fensterbearbeitungsanlage können die Vorarlberg Tischler die vielfältigen Varianten und individuellen Kundenwünsche erfüllen.

Passgenaue Eckverbindung

Das Werkzeug dazu liefert auch diesmal, wie bereits seit vierzig Jahren, der Spezialist Leitz. „Wir haben uns lange gegen eine CNC-Fertigung gesträubt, weil alle, die bereits eine Anlage hatten, ihre Fenster dübeln, und das wollte ich keinesfalls. Ich möchte ein Fenster mit einer ordentlichen klassischen Eckverbindung fertigen.“ Und da kam dann wieder Leitz ins Spiel mit PlugTec. Diese Fenstereckverbindung ist sehr stabil und lässt sich auf der CNC-Anlage wirtschaftlich fertigen. „Das war mir ganz wichtig, damit fertigen wir unsere Holzfenster mit einer absolut passgenauen Eckverbindung ohne Dübellochbohrungen und Dübel“, sagt Schwarzmann. 

Bei PlugTec werden am Fensterkantel Zapfen auf CNC-Maschinen angefräst und gerundet. Langlöcher am Gegenstück ergeben eine exakte, stabile und formschlüssige Verbindung. Die Stabilität dieser Verbindung wurde auch nach ausführlichen Tests des renommierten ift Rosenheim „amtlich“ bestätigt. Flügelgewichte bis zu 180 kg ab Holzdicke 78 mm sind mit PlugTec möglich. Das gab den Vorarlberger Tischlern zusätzliche Sicherheit für die Entscheidung und „damit sind alle unsere Erwartungen erfüllt“, sagt Schwarzmann.

Hohe Flexibilität für die Fensterfertigung bietet auch das Schnellwechselmagazin an der Conturex, das mit bis zu 50 Werkzeugen bestückt werden kann. Darunter das ProfilCut Q Premium, ein besonders schnelles Profilwerkzeugsystem: Zugelassen für Schnittgeschwindigkeiten von bis zu 120 Metern pro Sekunden sorgt es für saubere Oberflächen. Und wenn nach zahlreichen rasanten Werkzeugfahrten die Schneidmesser stumpf sind, tauscht einer der Mitarbeiter sie mit wenigen Handgriffen schnell und einfach aus, ohne den Werkzeugsatz demontieren zu müssen. Solcherart technologisch ausgerüstet kann Claus Schwarzmann seine massiven Holzfenster rasch und wirtschaftlich fertigen.  
www.leitz.org, www.dasfenster.net

Autor/in:
Gernot Wagner
Werbung

Weiterführende Themen

Die Auflösung der Ecken durch Nurglasecken erlaubt einen umfassenden Panoramablick. 
Fenster und Türen
03.04.2018

Nicht nur der achtsam eingesetzte Baustoff, sondern auch die feinfühlige Einbettung in die unberührte Natur machen dieses Wohnhaus zu einem besonderen architektonischen Statement.

Die Nachfrage erhöhte sich im Vorjahr bei nahezu allen Rahmenmaterialien.
Aktuelles
14.03.2018

Der österreichische Markt für Fenster und Hebeschiebetüren wuchs auch im Jahr 2017 robust. Bei Holz/Alu-Fenstern stieg die Nachfrage um 2,1 Prozent.

Möbelserie „the loft“: Massive Eiche in Kombination mit Schwarzstahl schafft einen unverwechselbaren Industrielook – ohne ungemütlich zu wirken.
Themen
02.03.2018

Der Designer Eduard Nopp hat mit der Tischlerei Hartl eine Möbellinie umgesetzt – dabei trifft traditionelles Holz auf ein industrielles Design.

Termine
15.02.2018

Das Bundesdenkmalamt, Informations- und Weiterbildungszentrum Baudenkmalpflege, veranstaltet in der Kartause Mauerbach folgende Kurse zum Thema Instandsetzung historischer Fenster: ...

Die Besonderheiten von Vakuumglas machen auch eine spezielle konstruktive Gestaltung und Detaillierung erforderlich.
Themen
14.02.2018

Vakuumglas bietet neue Möglichkeiten in Sachen Energieeffizienz im Fensterbau. Aber welche Fensterkonstruktion passt dafür? Die Holzforschung Austria hat mit der TU-Wien und Partnern aus der ...

Werbung