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Der SONN-Tags Tischler

04.05.2012

Dass sich ein Handwerksbetrieb energieautark selbst versorgt ist neu im Salzburger Land. So geschieht es im Tischlereibetrieb Schwab in Schleedorf, der für sein Umweltengagement sogar ausgezeichnet wurde.

Schleedorf ist ein beschaulicher Ort nördlich von Salzburg mit rund 1000 Einwohnern. Einer davon ist der Tischlermeister Fritz Schwab. Ein kerniger Unternehmer mit Energie, Humor und nachhaltigen Ideen.

Schon sein Büro zeigt seinen Hang, der Natur nahe zu sein und mit ihr zu arbeiten. So trennt nur eine großflächige Glasscheibe das Innere von den satten Wiesen und dem eindrucksvollen Gebirgspanorama der Alpen. In seinem Äußeren ähnelt Fritz Schwab aber weder einem typischen Sparmeister noch kommt er dem Bild des klischeehaften Planetenretters nahe. Ihm geht es vorrangig um Wertschöpfung und die bestmögliche Nutzung der nahe liegenden Ressourcen seiner Umgebung.

Früher wurde der Betrieb zur Gänze mit Heizöl geheizt und der gesamte Strombedarf musste zugekauft werden. Eines Tages bemerkte Fritz Schwab, dass die vorhandenen Holzabfälle – wenn man sie in einer Hackschnitzelanlage verbrennt – als hervorragender Wärmelieferant dienen können und der Standort seines Betriebs prä­des­tiniert für eine Photovoltaikanlage ist. Der leichte Wind im Flachgau hält die Luft klar und garantiert ausreichend Sonnenstunden. „Natürlich haben wir es da am Land besser als die Leute in der Stadt, weil wir den Platz für solche Projekte haben.“

Von Photovoltaikanlagen in der Sahara, Windanlagen in Nordeutschland und Hackschnitzel aus Polen hält er aber nicht viel, weil diese Ressourcen Tausende Kilometer transportiert werden müssen, um zum Verbraucher zu gelangen. Seiner Meinung nach sollten autonome Kreise in unmittelbarer Nähe geschaffen werden, die Sonne, Wind, Wasser und Feststoffe direkt vor Ort nutzen.

Schritt für Schritt
Wie so oft sind Tischlereien, insbesondere Familienbetriebe, gewachsene Strukturen. Was zu Großvaters Zeiten eine kleine Werkstatt mit angeschlossenem Wohnhaus war, wird über die Jahre, bedingt durch die betrieblichen Anforderung, baulich Stück für Stück erweitert. Um dem Gedanken einer nachhaltigen Wirtschaft gerecht zu werden, muss man nicht das Alte schleifen, ein Null­energiehaus und eine neue CO2-freie Werkhalle bauen lassen. „Man kann so ein bestehendes System auch schrittweise anpassen.“ Als grundlegende Maßnahme für ein effizienteres Energiemanagement sieht der Tischlermeister die Dämmung. „Es bringt nichts, wenn ich mit meiner Hackschnitzelanlage den Garten heize.“

Genaue Analysen
Als nächsten Schritt hat er mithilfe der Organisation „Umweltservice Salzburg“ gemessen, welche die großen Energiefresser im Betrieb sind. Über mehrere Monate wurden Durchgangsmesser an den einzelnen stromverbrauchenden Geräten angebracht. Über einen Monitor wurden dabei die Daten beobachtet. Mitterweile wird eine genaue Energiebuchhaltung geführt, um den Verbrauch im Überblick zu behalten. „Wir haben uns erst bewusst machen müssen, wie viel Strom wir wo verbrauchen. Dabei vergisst man gerne die Kleinigkeiten wie undichte Kompressorschläuche, Leuchtstoffröhren oder die leistungsstarke Absauganlage, die wegen jeder kleinen Schleifarbeit anspringt.“ Die Absauganlage wurde dann auf drei Kreise mit einem ausreichend großen Motor pro Kreislauf aufgeteilt. Ein weiteres Beispiel ist der Hacker, ein großer Trichter mit Zerkleinerer für die Holzabfälle.

Das geschredderte Material wird in den Silo hinter der Werkstätte gefördert. Früher wurde der Hacker pro Tag mehrmals wegen kleiner Holzmengen eingeschaltet, gleichzeitig mit anderen stromfressenden Maschinen. Das führte zu hohen Stromverbrauchsspitzen, die teilweise wieder durch Zukauf über einen Energielieferanten ausgeglichen werden mussten. Heute wird der Hacker beispielsweise am Wochenende in Betrieb genommen, wenn die Photovoltaik­anlage überschüssigen Strom produziert, der ins öffentliche Netz eingespeist werden würde. Damit werden einerseits die Verbrauchsspitzen unter der Woche gesenkt und andererseits der Strom der Photovoltaik­anlage bestens genutzt. Fritz Schwabs Nachhaltigkeitsgedanke endet aber nicht an der Tür seiner Werkstatt. Er muss mobil sein.

Günstig unterwegs
„Ganz früher hatte ich wegen den harten Wintern einen Allrad-Jeep, der – sparsam gefahren – schon zehn Liter braucht. Auf der Suche nach einem günstigeren Auto habe ich mich danach für einen Fiat 500 entschieden mit einem Verbrauch von nur drei bis vier Litern Diesel. Jetzt hab ich mit dem Mercedes 220 CDI zwar wieder ein 170-PS-Auto, aber ich kann damit trotzdem unter fünf Litern fahren.“

Seit einenhalb Jahren testet er auch diverse Elektroautos, die ihm von der Wirtschaftskammer oder Importeuren zur Verfügung gestellt werden. Besonders interessant findet er das Konzept von Batterieleasing wie bei dem reinen Elektro­fahrzeug ZOË von Renault, das ab Herbst am Markt erhältlich sein soll. Alles andere sei ihm zu teuer und zu risikoreich. „Ich bin immer auf der Suche nach dem verbrauchsgünstigsten Auto am Markt.“

Förderdschungel Österreich
Viele Betriebe aus der Umgebung holen sich mittlerweile bei ihm Rat in Sachen Förderungen. Aus Erfahrung weiß er, dass die österreichischen Förderungskonzepte für erneuerbare Energie noch nicht ausgereift sind, weil die bürokratischen Hürden groß sind. Zwar soll das Ansuchen an sich gerade noch bewältigbar sein, aber an den Hürden der weiteren Abwicklung scheitern viele Interessenten. Auch die Fördergelder sollten breiter verteilt werden. „Kleinere Summen, dafür aber weiter gestreut und unabhängig von einem Energieanbieter“, lauten seine Worte dazu.

Eingespart
Durch die umgesetzten Maßnahmen konnte der jährliche Stromverbrauch von 37.250 kWh/a um rund 44 Prozent auf 21.000 kWh/a gesenkt werden: Bei der Beleuchtung, der Gebläsesteuerung und der Druckluftsteuerung konnten circa 8146 kWh/a eingespart werden. Dazu kommen noch 8104 kWh/a durch die Minimierung von Stand-by-Verlusten. Der Ertrag der Photovoltaikanlagen beträgt 21.000 kWh/a.

„Natürlich muss sich die ganze Umrüstung auch rechnen. Ich denke allerdings nicht in Amortisationszeiten von vier bis fünf Jahren für die Anlagen, so wie Großbetriebe es tun müssen, bei mir sind zehn oder zwölf Jahre noch im Rahmen der Möglichkeiten.“
www.tischlerei-schwab.at

Text: Cecile M. Lederer

Autor/in:
Redaktion Tischler Journal
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