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„Die Zahlungsmoral ist ein Dauerthema“

01.09.2014

INTERVIEW Seit zwei Jahren befasst sich Dr. Stephan Trautmann im Tischler Journal mit unterschiedlichen Rechtsfragen. Zeit für eine Standortbestimmung.

Der Anwalt Dr. Stephan Trautmann führt eine Kanzlei in Wien und ist insbesondere auf die Rechtsberatung und die gerichtliche Vertretung von Klein- und Mittelbetrieben spezialisiert. Seit zwei Jahren ist er als regelmäßiger Kolumnist für das Tischler Journal tätig und befasst sich in seinen Beiträgen mit unterschiedlichsten rechtlichen Fragestellungen. Zeit für eine kleine Standortbestimmung.

Tischler Journal: Was sind die häufigsten Fragen, die von Unternehmern an Ihre Kanzlei herangetragen werden?
Dr. Stephan Trautmann: Ein Dauerthema ist etwa die schlechte Zahlungsmoral der Kunden. Wie reagiert man? Da gibt es mannigfaltige Möglichkeiten: die Überarbeitung und Adaptierung der Geschäftspapiere, die Straffung des Mahnlaufs oder alleine schon eine bessere Reaktion auf die Geltendmachung von Gewährleistungsansprüchen. 
Ein Thema, das immer wieder auftaucht, sind veraltete Firmenverträge. GmbH-Verträge gehören von Zeit zu Zeit überarbeitet, teilweise sind sie aus den 1960er- oder 1970er-Jahren! Gründe für eine Überarbeitung sind sich ändernde private Lebensumstände, zum Beispiel Heirat oder Nachwuchs – das führt oft zu Diskrepanzen in den Bestimmungen des Gesellschaftsvertrags und/oder auch dem Testament.

Viele Handwerksbetriebe sind gleichzeitig Familienunternehmen. Vermischen sich da oft berufliche und private Rechtsfragen?
Mit dieser Frage sprechen Sie ein sehr wichtiges Thema an. Gerade in der Vermischung zwischen Unternehmen und Familie entstehen oft emotionale Reaktionen und Defizite, die negative Auswirkungen haben können. Ich sehe mich hier als ausgleichendes Bindeglied, um die oft ineinander verflochtenen Bereiche entsprechend sowohl auf der persönlichen als auch auf der rechtlichen Ebene einer klar strukturierten Lösung zuzuführen.
Hierfür ist ein großes Vertrauen – natürlich wechselseitig – notwendig, da man auch die internen familiären Gegebenheiten kennenlernt. Mein Bestreben ist diesbezüglich, in ruhiger und sachlicher Form einen Ausgleich zu finden und dessen Auswirkungen rechtlich und persönlich zu begleiten.

Hat die schlechte wirtschaftliche Konjunktur einen Einfluss auf die Art der Anfragen und Fälle, mit denen Sie derzeit befasst sind?
Ja, es wird nunmehr vermehrt die Frage der Gewährleistung und des Schadenersatzes diskutiert, andererseits natürlich auch die Frage der arbeitsrechtlichen Gestaltung der Unternehmen. Da wie erwähnt die Zahlungsmoral auch nicht besser geworden ist, ist das Mahnwesen (Kurrentien) ein immer wichtigerer Bestandteil unserer Kanzleitätigkeit.

In den nächsten Ausgaben werden Sie der ÖNorm B 2110 einen kleinen Schwerpunkt widmen. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Warum ist diese für Handwerksbetriebe – wie zum Beispiel Tischler – wichtig?
In dieser sehr zentralen ÖNorm sind eigentlich alle wesentlichen Punkte, die jeder Handwerker und jeder Gewerbetreibende beachten sollte, aufgelistet und beschrieben. Es handelt sich dabei weit über den Tellerrand der ÖNorm hinaus um Grundsatzfragen, die jedem Gewerbetreibenden in Fleisch und Blut übergehen müssen. Deshalb möchte ich die Bestimmungen der ÖNorm und darüber hinausgehend die Konsequenzen daraus wieder in Erinnerung rufen.

Einmal zu Ihnen. Welche Unterschiede sehen Sie, wenn sich ein Mandant an Sie oder andere kleinere Kanzleien und nicht an eine Großkanzlei wendet?
Weil hier nach meiner Meinung die persönliche Betreuung im Sinne der Kontinuität noch besser gewährleistet ist. Die Befassung eines Rechtsanwalts ist oft mit einem emotionalen Ereignis verbunden, sodass die kleineren, übersichtlicheren Strukturen von vielen Mandanten bevorzugt werden. (red)


Kontakt

Dr. Stephan Trautmann ist auf die Rechtsberatung von Klein- und Mittel­betrieben spezialisiert.

Rechtsanwalt Dr. Stephan Trautmann 
1030 Wien, Ungargasse 4/2/10 
Tel.: 01/713 42 72
Mobil: 0664/326 5258 
E-Mail: trautmann@advocat.cc

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