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Einfallsreich in Eiche

05.07.2016

Tischlermeister Gerald Fuss ist Kleinstunternehmer und trotzdem Komplettanbieter. In seiner Heimatgemeinde Absdorf zeigt er mit einem beeindruckenden Einrichtungskonzept für eine Essküche und ein Stüberl sein ganzes Können.

Gerald Fuss ist als Tischlermeister ein sprichwörtlicher Möbel-Nahversorger: Nach vielen Jahren als Angestellter in verschiedenen Betrieben hat er sich vor vier Jahren selbstständig gemacht und fertigt nun vor allem Einrichtungslösungen für Kundschaft in der näheren Umgebung. Angefangen hat alles mit einigen Entwürfen für Nachbarn in seiner Heimatgemeinde Absdorf in Niederösterreich. Vor allem über Mundpropaganda hat sich Fuss mittlerweile einen ansehnlichen Kundenstock – vor allem im Privatbereich – erarbeitet und auch schon für Gewerbekunden und im öffentlichen Bereich Projekte umgesetzt. Und das alles als, wie Gerald Fuss es formuliert, „Eineinhalbpersonenunternehmen“.

Diese eineinhalb Personen, das ist neben Tischlermeister Fuss noch seine Frau Martina, die ihn in vielen Belangen unterstützt und auch auf Montage mitfährt. Obwohl Kleinstunternehmer, legt Fuss großen Wert darauf, seinen Kunden die komplette Projektabwicklung anbieten zu können: Von der Planung bis zur Fertigung kommt alles aus seiner Hand. Bei Bedarf liefert er auch den passenden Fußboden für Küche oder Wohnzimmer und kümmert sich auch um die Stoffe fürs Tapezieren. „Ich bin ein Kompletteinrichter“, sagt Fuss, der sich die Werkstatt praktischerweise mit seinem Schwager Franz Sprengnagl teilen darf, der ebenfalls Tischlermeister ist und ihn bei diversen Projekten unterstützt. So kann er sich große Investitionen ersparen und trotzdem mit einem hohen Eigenfertigungsgrad bei den Kunden punkten. Diese nehmen dafür sogar in Kauf, mitunter viele Monate auf ihre neuen Möbel zu warten: Derzeit betrage die Wartezeit rund ein Dreivierteljahr, sagt Fuss, der trotz der guten Auslastung lieber als Betrieb klein bleiben will: Die für die Beschäftigung mehrerer Mitarbeiter notwendigen Investitionen seien ihm einfach zu hoch.

Klein, aber fein

Dass man auch als Ein(einhalb)personenunternehmer planerisch und handwerklich aufwendige Projekte umsetzen kann, konnte Fuss gerade erst bei einer jungen Familie im Ort unter Beweis stellen: Diese errichtet gerade in einem Zubau zum elterlichen Bauernhof ihr eigenes Heim und wollte vom Absdorfer Tischler-Nahversorger ein Konzept für einen großen Teil des Erdgeschoßausbaus. Neben einer Küche samt Essbereich entwickelte Fuss auch die Einrichtung für ein „Stüberl“ nebenan.

Der Vater des Bauherrn, ein passionierter Jäger, sollte dort auch größere Jagdgesellschaften in gemütlichem Rahmen bewirten können. Die Auftraggeber wünschten sich als bevorzugtes Material Eiche und die Farbe Weiß und wollten vor allem viel Stauraum haben. Die Anordnung der einzelnen Elemente in der Küche war dabei zum Teil durch die Installationsanschlüsse und den Auslass für den Dunstabzug an der Decke vorgegeben.  Der Tischler entwickelte für den Küchenbereich deshalb eine U-förmige Anordnung. „Ich wollte keinen frei stehenden Küchenblock, dafür wäre der Raum auch zu schmal gewesen“, so Fuss. Nebst jeder Menge Arbeitsfläche befinden sich auf der einen Seite der Küche nun die Spüle, Hoch- und Unterschränke sowie Kühlschrank und Backofen, dem gegenüber befindet sich ein Bereich mit dem Kochfeld sowie einem vorgelagerten, erhöhten Barelement. Am Ende der Küchenzeile liegt dazwischen eine etwas tiefer angeordnete Arbeitsplatte, an der die Auftraggeberin auch im Sitzen arbeiten kann. Links und rechts davon hat Fuss zwei schmale, per Antippen öffenbare Schubladen eingepasst, die sich oberhalb der Arbeitsfläche ausziehen lassen. Ein schönes Beispiel für tischlermäßige Maßarbeit und dafür, wie man auch vermeintliche „Restflächen“ noch clever ausnützen kann.

Massarbeit

Auf der Vorderseite des an einem Ende abgerundeten Arbeitsbereichs hat der Tischler auf Wunsch der Kunden eine verglaste Vitrine untergebracht – gleichermaßen als Stauraum für Gläser und Geschirr sowie als Präsentationsmöbel. Sämtliche Flächen und Fronten hat Fuss selbst in Eiche furniert – selbstredend mit durchlaufendem Furnierbild – und mit Klarlack lackiert, auch sämtliche Kanten wurden bei ihm in der eigenen Werkstatt verleimt. Alle Arbeitsflächen, die Auflageflächen des Barelements sowie einige Rückwände bestehen aus braunem Mineralwerkstoff. Auch dieser wird bei ihm in der Regel selbst verarbeitet, geschliffen und poliert. Als optischen Kontrast zur Eiche hat der Tischler weiße Reliefplatten als Wandelemente und als rückversetzten, hinterleuchteten Streifen in der Barfront eingebaut. Auch an der großformatigen Schiebetür, die die Küche zur „Speis“ hin abtrennt, hat Fuss die weiß lackierten Reliefplatten als Gestaltungselement eingesetzt.

Speisen und Liegen

Gegenüber der Küche befindet sich der großzügige Essbereich. Neben dem massiven Esstisch und dem gemütlichen Sitzeck ist dabei besonders das angrenzende Kanapee aus braunem Kunstleder ein Blickfang. Eine Liegegelegenheit im Esszimmer? Der Auftraggeber habe sich so eine Ruhemöglichkeit extra gewünscht, erzählt Gerald Fuss. Im Salzburger Land beispielsweise, erzählt der Tischlermeister weiter, seien derartige Liegestätten in den Küchen keine Seltenheit. Hier wurde die Idee zeitgemäß neu interpretiert.

Staunen im Stüberl

Die Möblierung im Stüberl folgt in den Grundsätzen dem Gestaltungskonzept in der Essküche. Zentrales Element bilden hier wieder zwei Massivholtische, die Fuss mit bündig an den Zargen anschlagenden Platten allerdings etwas anders als die Variante in der Küche ausgeführt hat. Für die Bewirtung der Gäste ist in diesem Raum ein eigenes Küchenelement vorgesehen – diesmal allerdings horizontal furniert, und wieder mit hinterleuchteter Reliefplatte umrahmt, in dieser Ausführung jedoch in Massivholz statt lackiertem MDF. In einem Eck des Raums befindet sich noch eine Art verschiebbarer Beistelltisch – der zum Beispiel nach einem langen Abend für einen letzten „Absacker“ im Stehen genutzt werden kann.

Die nicht ganz raumhohe Trennwand – im Bereich dahinter präsentiert der Vater des Bauherrn seine Jagdtrophäen – hat der Tischlermeister als Rahmenkonstruktion gefertigt. Auch hier wiederholt sich die Reliefplatte als Gestaltungselement. Übrigens stammen in dem Raum sogar die Beleuchtungskörper aus der Werkstatt des Tischlermeisters: Das habe sich auf der Suche nach der passenden Leuchte fürs Stüberl spontan noch so ergeben. In den massiven Korpus hat Gerald Fuss innen dimmbare LED-Lichtleisten sowie fünf runde Spots eingebaut – eine ebenso einfache wie formschöne Lösung, bei der der Tischler nochmals seinen Einfallsreichtum unter Beweis stellen konnte. www.holzfuss.at

In Kürze 

Projekt: Küche, Essbereich und Stüberl für einen Privatkunden
Umsetzung: Tischlerei Fuss, 
3462 Absdorf
Projektdauer: 3 Monate

Autor/in:
Thomas Prlic
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