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In der Adler-Wasserlackfabrik können bis zu 30.000 Tonnen Wasserlacke pro Jahr hergestellt werden.

Farbe bekennen

03.07.2019

Der Tiroler Lackhersteller Adler eröffnete kürzlich seine Wasserlackfabrik samt Logistikzentrum. Das Tischler Journal war vor Ort und hat mit Forschungsleiter Albert Rössler gesprochen.

Albert Rössler, Leiter Forschung und Entwicklung bei Adler.
Jede Charge wird auf Herz und Nieren geprüft.

Der Tiroler Lackhersteller Adler feierte kürzlich die offizielle Eröffnung der Wasserlackfabrik und des neuen Logistikzentrums mit 200 geladenen Gästen. Für die Inhaberfamilie Berghofer ist es nach der Firmengründung und dem Bau der Lackfabrik in den 1970er-Jahren der dritte große Meilenstein in der Geschichte des Familienunternehmens. In das Projekt wurden 60 Millionen Euro investiert. Die Anlagen laufen stabil und reibungslos, wie man bei den Feierlichkeiten in Schwaz betonte. Die Herstellerkapazität der 70 Edelstahltanks beträgt 30.000 Tonnen pro Jahr.

Täglich produziert das Facharbeiterteam zehn bis 15 Produktionschargen mit Wasserlacken, Holzschutzprodukten und Wandfarben. Sie werden in der Abfüllanlage in die Verkaufsgebinde abgefüllt und über ein vollautomatisches Fördersystem in das Hochregallager transportiert. Die Paletten werden von zehn – ebenfalls vollautomatischen – Regalbediengeräten aus einem der 15.200 Lagerplätzen entnommen und in die Kommissionierung transportiert. Pro Stunde lassen sich 480 Paletten aus- und wieder einlagern. Eine Photovoltaikanlage und eine Grundwasserwärmepumpe versorgen das Gebäude mit sauberer Energie. An sechs Stellen werden rund 700 Lieferungen pro Tag kommissioniert und für die Abholung an den Lkw-Rampen bereitgestellt. Pro Woche verlassen 85 Tonnen an Farben, Lacken und Holzschutzmitteln das Lager.

Das Tischler Journal nahm die Eröffnung zum Anlass für ein Interview mit dem Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung bei Adler, Albert Rössler.

Interview mit Albert Rössler

Tischler Journal: Auf welche Herausforderungen stößt man heutzutage bei der Entwicklung von Farben und Lacken?

Albert Rössler: Das Wichtigste ist noch immer, die Produkte nach den Kundenbedürfnissen zu entwickeln. Kürzer als früher sind heute aber die Produktlebenszyklen – neue Produkte werden in immer kürzeren Abständen gewünscht. Gleichzeitig sind die Anforderungen an Wohngesundheit, Natürlichkeit und Farbbeständigkeit gestiegen. Die verschärften Umweltstandards können wir aufgrund unserer langjährigen Erfahrung – Adler setzt ja seit den 1970er-Jahren auf wasserbasierte Systeme – gut umsetzen. Die Inhaltsstoffe selbst sind aber ein großes Thema, da der Rahmen, mit welchen Rohstoffen man aufgrund der gesetzlichen Limitationen noch arbeiten kann, immer kleiner wird. Auch der Einsatz nachwachsender Rohstoffe stellt heute eine Herausforderung dar, der wir uns gern stellen. Innovationen sind aber heute wie früher zum großen Teil durch kreative Lösungsfindungen getrieben.

Woher bezieht Adler die Rohstoffe?

Hauptsächlich von europäischen Lieferanten aus nachhaltigen Partnerschaften. Die Rohstoffpreise schwanken leider stark und sind in den letzten Jahren laufend gestiegen. Das liegt nicht nur am Erdölpreis, sondern auch an der Verfügbarkeit von Spezialchemikalien. Versorgungsengpässe und die Verlagerung von Firmen aus der Basis­chemie nach Asien machen die Situation nicht einfacher.

Das heißt, es besteht eine Rohstoffknappheit?

Es ist jetzt nicht so kritisch wie bei den aus den Medien bekannten seltenen Erden, aber es gibt durchaus Rohstoffe wo es nur einen einzelnen Lieferanten gibt – bei speziellen Farbpigmenten zum Beispiel. Wenn es ein individuelles Kundenprodukt sein soll, kann die Beschaffung schon eine Herausforderung sein. Durch unsere langfristig angelegten Lieferantenbeziehungen haben wir die Situation gut im Griff.

Wie sieht der Produktionsablauf aus?

Lack besteht immer aus Bindemitteln, Lösemitteln, Pigmenten, Füllstoffen und Additiven. Was unsere Branche betrifft, ist die neue Fertigung sicherlich einzigartig derzeit in Europa. Durch das modulare Produktionsverfahren haben unsere Verarbeiter zwei wesentliche Vorteile: Dazu gehört die gleichbleibend hohe Qualität. Wir produzieren automatisierter und prozessstabiler. Zudem sind wir schneller: Der Kunde profitiert von kürzeren Durchlaufzeiten und einer dementsprechend kürzeren Wiederbeschaffungszeit für sein Produkt. Es gibt Module, die man hinzufügen kann, um aus einem Produktstamm heraus eine entsprechende Vielfalt zu generieren. Das kann ein Glanzgrad sein, das können Farbtöne sein oder das kann die Viskosität betreffen. Eigenschaften lassen sich durch das modulare Verfahren intelligent kombinieren, ohne jedes Produkt von Grund auf neu fertigen zu müssen.

Wasserbasierte Lacke sind ja umweltfreundlicher …

Grundsätzlich ja, aufgrund der Tatsache, dass weniger Lösemittel emittiert werden. Letzten Endes muss man sich aber immer die gesamte Prozesskette und den Produktlebenszyklus ansehen. Je mehr Kreisläufe geschlossen werden, desto umweltfreundlicher und v. a. nachhaltiger wird ein Produkt. Adler bietet entsprechende Produkte an.

Was muss man bei der Verarbeitung von Wasserlacken beachten?

Moderne Wasserlacke sind den lösemittelhaltigen Lacken auf jeden Fall ebenbürtig: Sie sind genauso beständig, lichtecht und kratzfest. Grenzen gibt es bei einzelnen Verarbeitungsbedingungen wie bei einer Temperatur von unter zehn Grad und auch bei einzelnen Hölzern, wo Lösemittellacke unter Umständen noch Vorteile haben. Entscheidend ist, einige Anpassung in der Möbelfertigung vorzunehmen. Der Tischler muss sich mit der Verarbeitung von Wasserlacken auseinandersetzen, dann erzielt er sehr gute Ergebnisse. Unsere Seminare „Arbeitsrichtlinien zur Verarbeitung“ oder die Beratung durch unsere Techniker helfen da weiter. Es geht hauptsächlich um das korrekte Verleimen (z. B. von Furnieren oder Kanten), die richtigen korrosionsbeständigen Arbeitsgeräte und Verarbeitungen bei Temperaturen über 15 °C und ein trockenes Klima in der Werkstätte.

Welches Verbesserungspotenzial sehen Sie für die Zukunft?

Perfektion ist eine Straße, die nie endet. Es gibt immer neue Technologien und Ansätze. In Zukunft werden aber sicher zwei Themen beherrschend sein: Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Zudem ist bei Lacken die Funktionalität wichtig, d. h. Themen wie Brandschutz oder Antistatik. Als aktuelle Forschungsschwerpunkte beschäftigen wir uns heute bereits damit und stellen somit sicher, dass unsere Kunden auch in Zukunft perfekte Lösungen erhalten werden.

www.adler-lacke.com

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