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Frischluftzone: Welches Terrassenholz ist das Richtige?

02.06.2020

Pflege, Wartung, Langlebigkeit oder Farbstabilität – je nach Einsatzgebiet ist bei der Auswahl von Hölzern für die Terrassengestaltung vieles zu beachten.

Als Terrassenbelag voll im Trend, weil extrem beständig und lang­lebig: Bambus
Robuster Barfußschmeichler auf der Terrasse: Thermoesche
Nach wie vor im Trend: Dielen aus Wood Plastic Composite, kurz WPC.

Holz steht als beliebter Baustoff bei der Errichtung oder Renovierung von Terrasse oder Balkon noch immer hoch im Trend. Die Möglichkeiten der Holzauswahl werden dabei immer vielseitiger, neben dem seit vielen Jahren beliebten Bangkirai oder WPC, also den Holz-Kunststoffverbund-Dielen, stehen Endkunden eine Vielzahl an Hölzern zur Verfügung. Der Weg zum Profi lohnt sich dabei doppelt – denn nicht nur die Qualität, sondern auch die Herkunfts- und Servicegarantie können nur dort mit Sicherheit zu mehr Kundenbindung führen. Und in Sachen Planung, Beratung und Umsetzung können Betriebe vom Know-how der Holzfachhändler profitieren, die neben einer vollen Materialvielfalt auch moderne Schauräume zur Verfügung stellen. 

Holz im Freien: Was wünscht sich der Kunde?

„In Beratung und Verkauf geht es in erster Linie darum, ganz klar herauszufiltern, was sich der Kunde wünscht“, erläutert Markus Thurnhofer, Abteilungsleiter im Bereich Holz im Garten beim Holzpartner-Mitglied Keplinger. „Nur so kann man ermitteln, welches Holz am besten geeignet ist.“ Der erste Schritt ist also die Klärung der aktuellen Situation im Freibereich von Haus oder Wohnung. Was ist dem Endkunden wichtig, wo liegen seine Bedürfnisse? Gibt es Bereiche, die überdacht sind, oder liegt die Fläche komplett im Freien? Ist ein Barfußbereich gewünscht? Und wie hoch darf der Pflegeaufwand sein? „Ein umfassender Fragenkatalog führt uns in der Beratung meist sehr schnell ans Ziel und zeigt auf, welche Holzarten für den neuen Outdoor-Lieblingsplatz geeignet sind“, so Thurnhofer weiter. Auch die Langlebigkeit spielt natürlich eine Rolle – denn es macht einen wesentlichen Unterschied, ob die neue Holzterrasse für die nächsten 15 oder 20 Jahre eine gute Figur machen soll – und wirkt sich dementsprechend auf die Wahl der Holzklasse aus. Im Echtholzbereich sind hier bei einer hohen Lebensdauer und geringer Schiefergefahr Hölzer in der Resistenz- und Haltbarkeitsklasse 1 die erste Wahl. Bei Keplinger werden hier vor allem die Hölzer Accoya, Ipe, das kirschrote Massaranduba oder Bambus nachgefragt, wenn es um europäische Hölzer geht, hat die Thermoesche gute Eigenschaften. „Vielen Kunden, denen der Nachhaltigkeitsgedanke wichtig ist, greifen gerne zu FSC-zertifizierten Produkten, also Hölzern aus nachhaltiger Holzwirtschaft.“  

Holzarten: Stabilität und Langlebigkeit wichtig

Eine Holzart, die unter den europäischen, naturbelassenen Dielen eine hohe Stabilität aufweist, ist die Lärche. „Darüber hinaus hat das Produkt gute Eigenschaften zu einem moderaten Preis“, erläutert Dominik Füreder, Produktmanager Terrasse bei J. u. A. Frischeis (JAF). „Durch die europäische Herkunft ist sie zudem auch ökologisch von Vorteil, da der Überseetransport wegfällt“, so der Experte. Exotische Hölzer punkten vor allem durch ihr Wuchsgebilde, das sehr dicht und damit enorm stabil ist. „Wir achten dabei sehr genau auf die Herkunft der exotischen Hölzer und haben bei uns im Haus eine eigene Abteilung, die die Einhaltung der strengen gesetzlichen Vorgaben prüft – denn auch wir bemerken: Der Endkunde achtet immer mehr auf die Nachhaltigkeit der Produkte.“ 
Auch behandelte Thermohölzer können zu großen Teilen mit exotischen Hölzern mithalten, darunter fällt beispielsweise Thermo­esche und Thermokiefer. Durch die geringe Rissbildung, eine hohe Dimensionsstabilität und die gute Fäulnisresistenz ist thermobehandeltes Holz sowohl in Sachen Verarbeitung und Langlebigkeit ein optimales Produkt – Gesetz dem Fall, die Pflege wird regelmäßig durchgeführt. Denn sowohl europäische und exotische Holzarten, thermoveredelt oder nicht, müssen von Schmutz und Laub befreit werden, damit die Barfußschmeichler auch optisch möglichst lange etwas hermachen. Die jährliche Pflege durch geeignete Öle und Lasuren natürlich inklusive. 

Pflegeleichte Alternative: WPC

WPC gilt dabei seit vielen Jahren als pflegeleichte Alternative, die garantiert bis zu 25 Jahre mit Farbstabilität punktet – vorausgesetzt, die Qualität stimmt. „Erhältlich in allen möglichen Farbvarianten, muss man hier auf Farbstabilität, Bruchfestigkeit und Fleckenbeständigkeit achten – denn hier unterscheidet sich das Billigprodukt definitiv von der hochwertigen Diele.“ In Sachen Aufbau und Verarbeitung müssen bei sämtlichen Holzarten die Verlegehinweise beachtet werden, dann ist man als Verarbeiter auf der sicheren Seite. Apropos auf der sicheren Seite sein: Bei JAF wird im Werk in St. ­Marein übrigens auch geliefertes Holz aus europäischen Wuchsgebieten direkt gehobelt, um bestmöglich auf unterschiedliche Kundenwünsche Rücksicht nehmen zu können. Im Bereich der Profile hätten sich laut Füreder Standardprofile durchgesetzt. „Aber auch hier kann man natürlich individuell anpassen – denn die Trends können regional in den Märkten sehr unterschiedlich sein.“ 

Unterschiedliche Entwicklungen gibt es auch, wenn natürliche Hölzer der Witterung ausgesetzt werden. Um zu ermitteln, wie sich der natürliche Werkstoff im Laufe der Zeit verändert, betreibt das Stockerauer Handelsunternehmen für Holz und Holzwerkstoffe gemeinsam mit der Holzforschung Aus­tria eine Forschungsterrasse. Zusätzlich sind die unterschiedlichen Holzarten auch auf der hauseigenen Musterterrasse zu besichtigen. Im Trend liegen laut Füreder chemisch modifizierte Hölzer wie Kebony oder Accoya – immer öfter greifen Kunden aber auch zu Bambus. „Bambus wird ebenfalls thermobehandelt und überzeugt mit sehr guten Eigenschaften in Sachen Dichte sowie einer sehr spannenden Optik.“ Abseits vom klassischen Holz – ob behandelt oder nicht – werden mittlerweile aber auch seit einigen Jahren unterschiedliche Stoffe aus dem Bereich Feinsteinzeug angeboten. Für die Herstellung werden verschiedene mineralische Rohstoffe wie Quarz, Tonerde und Feldspat gemischt, unter hohem Druck gepresst und bei 1.300 Grad gebrannt – obwohl der Grundwerkstoff ein komplett anderer ist, lassen sich die Dielen auch in Holzoptik produzieren. 

Als neues Produkt am Markt wird auch mit Mineral Plastic Composite experimentiert. „Bei MPC handelt es sich um eine neue Technologie, die eine spannende Weiterentwicklung am Terrassenmarkt darstellt“, erklärt Füreder. Das Produkt wird zu 50 Prozent aus Kalziumkarbonat und zu 50 Prozent aus Polypropylen gefertigt, ist extrem robust, leicht sowie rutschfest und dehnt sich in der Länge nicht aus. Wird durch die Neuentwicklungen das klassische Terrassenholz künftig abgelöst? Laut Füreder nicht: „Es wird auch in Zukunft für alle Materialien am Markt einen Platz geben – das gilt auch für natürliche oder modifizierte Holzdielen“. 

Beratung im Fokus

Ganz egal, für welches Holz man sich entscheidet, fest steht für Markus ­Thurnhofer, dass gerade im Bereich der Terrassenplanung die persönliche Beratung unumgänglich ist. „All die Feinheiten und Zwischentöne, die sich in einem persönlichen Gespräch ermitteln lassen, kann ein Online-Portal niemals erfassen.“ Als Holzpartner bietet das Unternehmen deshalb seinen Terrassenschauraum auch seinen Kunden zur Beratung an. „Hier haben Verarbeiter die Möglichkeit, den Endkunden über Farbe, Form und Haptik der Hölzer in natürlichem, geöltem oder im bewitterten Zustand zu informieren.“ Auf den hohen Informationsbedarf beim Einsatz von WPC-Dielen weist auch Thurnhofer hin. Gerade durch das Fehlen von Normen in diesem Produktsektor kann es im Nachgang zu negativen Folgen führen – vom fehlenden Service bis hin zur mangelhaften Produktionsweise. „Verarbeiter sollten deshalb ihre Kunden auch darüber informieren, woher das WPC-Produkt kommt und an welchen Hersteller man sich im Servicefall wenden kann“, rät Thurnhofer. „Die Entscheidung vieler Endkunden wird in diesem Bereich oftmals auf Basis eines Preisvergleichs gefällt – hier gilt es, ganz klar und transparent über Vor- und Nachteile zu informieren.“ 

Autor/in:
Christina Mothwurf
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