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Gute Luft in dichten Räumen

03.05.2013

Aktuelle Forschungsprojekte zum Thema Innenluftqualität zeigen: VOC-Emissionen von Holz und Holzwerkstoffen sind unproblematisch.

Energieeffizientes Bauen erfordert heute dichte Gebäudehüllen. Fenster und Türen, die besonders luftdicht abschließen, sind zwar nützlich in Sachen Energiesparen, haben allerdings auch einen geringeren Luftaustausch in Innenräumen zur Folge. Wenn dann zu wenig händisch gelüftet wird, steigt der Schadstoffanteil in der Raumluft an.

In Forschung und Industrie beschäftigt man sich schon länger mit der Frage, welche Rolle dabei die Emissionen diverser Baustoffe spielen. Aktuelle Studien zum Thema „VOC und Innenraumemissionen“ standen Mitte April auch im Mittelpunkt des „Josef Umdasch Forschungsdialogs“ auf der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien, der vom Kompetenzzentrum Wood K plus, dem Fachverband der Holzindustrie Österreichs und der Umdasch Group veranstaltet wurde. 

VOC ist die Abkürzung für „Volatile Organic Compounds“, also flüchtige organische Verbindungen, die auch von Baumaterialien abgesondert werden und oft für gesundheitliche Beschwerden verantwortlich gemacht werden. Besonders intensiv wurde im Rahmen der Veranstaltung die Frage diskutiert, welchen Einfluss Holz und Holzwerkstoffe auf diese Problematik haben.

Hohe Werte, wenig Effekte
Der deutsche Umweltmediziner Volker H. Mersch-Sundermann präsentierte dabei die Ergebnisse einer Studie, die das Universitätsklinikum Freiburg von 2005 bis 2009 zusammen mit dem Fraunhofer-Institut (WKI) Braunschweig durchgeführt hat. Dabei wurden in einer Laborsituation klinische Einflüsse der Emissionen von Kiefernholz und OSB-Platten auf insgesamt 24 Probanden unter die Lupe genommen und in den Versuchskammern unter anderem die Konzentrationen von Terpenen, Formaldehyd und anderen Substanzen gemessen.

Interessant am Ergebnis ist vor allem, dass dabei zwar teils hohe Werte bei VOC-Wirkstoffen gemessen wurden, aber für die Forscher keine klinischen Effekte bei den Probanden feststellbar waren – und zwar weder beim Kiefernholz noch bei den OSB-Platten. Es seien also auf Basis der Untersuchung keine gesundheitlichen Risiken für die Bewohner zu erkennen, fasste Mersch-Sundermann zusammen, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit der sachgerechten Verbauung der Materialien.

Erwünschte Gerüche
Das Kiefernholz wurde von den Teilnehmern der Studie  überwiegend als „duftend“, also neutral bis angenehm wahrgenommen, bei OSB war die Geruchswahrnehmung immer noch neutral. Gerade der Faktor Geruchswahrnehmung ist in der Diskussion um Luftschadstoffe in Innenräumen dabei durchaus ambivalent zu betrachten: Allzu intensive Gerüche können für Bewohner naturgemäß unangenehm sein. Umgekehrt kann in manchen Fällen ein bestimmter Duft aber auch erwünscht sein. „Eine Zirbenstube, die nicht nach Zirbe riecht, wäre für den Kunden wohl ein Reklamationsgrund“, meinte etwa Martin Steinwender, Leiter der Competence Center beim Holzwerkstoffhersteller Egger.

Gute Werte für MDF
Eine noch größere Bandbreite an Baustoffen wird derzeit im Rahmen eines noch bis 2014  laufenden Forschungsprojektes von der Holzforschung Austria (HFA) unter die Lupe genommen. Dabei wurde nicht nur das Emissionsverhalten unterschiedlicher Materialien wie Gipsplatten, Dämmungen oder Klebstoffen untersucht, sondern auch Holzwerkstoffe wie OSB, Spanplatten oder MDF. OSB erbrachte dabei jeweils relativ hohe Werte, die Spanplatten schnitten je nach Art sehr unterschiedlich ab. Ebenfalls untersucht wurde das Absorptionsverhalten, das darüber etwas aussagt, wie gut ein Material Schadstoffe aufnehmen bzw. binden kann.  Besonders bemerkenswert: MDF schnitt dabei am besten von allen Materialien ab. Allerdings wurde im Rahmen der Studie nur ein MDF-Plattentyp untersucht.

Der Einfluss von Möbeln aus Holz oder Holzwerkstoffen auf die Raumluft wurde in den auf der Tagung präsentierten Studien ansonsten nicht genauer erforscht. Die Emissionswerte hängen dabei jedenfalls stark von der jeweiligen Oberflächenbeschaffenheit – ob furniert, lackiert oder unbehandelt – des verarbeiteten Holzes ab.

Neue Erkenntnisse könnte in diesem Zusammenhang ein Projekt liefern, das die HFA derzeit zusammen mit der Universität Innsbruck durchführt. Dabei sammelt man während der kommenden zwei Jahre Daten, um die Raumluft in Holzcontainermodulen mit jener in Stahlcontainern vergleichen zu können. Auch die Möblierung könne in diesem Projekt noch in die Untersuchung einfließen, erklärt Christina Fürhapter von der HFA.

Einen weiteren neuen Forschungsansatz regte im Rahmen der Tagung auf der Boku der Umweltmediziner Mersch-Sundermann an. Sein Vorschlag: Statt der negativen Auswirkungen von VOC könnte man zur Abwechslung ja auch einmal die positiven Effekte von Holz auf das Raumklima genauer unter die Lupe nehmen.

Text: Thomas Prlic

Autor/in:
Redaktion Tischler Journal
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