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Holzfeuchte richtig messen

08.06.2020

Holz- und Materialfeuchte sind wichtige Einflussfaktoren für die Weiterverarbeitung und die Qualität des Endprodukts. Was Sie bei der Verwendung von Holzfeuchtemessgeräten beachten müssen. 

Messgeräte-Anbieter

Gann www.gann.de
Trotec – de.trotec.com
Laserliner www.umarex-laserliner.de
Testo – www. testo.com
Merlin www.merlin-technology.com

Jeder, der mit Holz arbeitet, sollte wissen, welchen großen Einfluss die Holzfeuchtigkeit auf die Qualität unserer Produkte hat. Spalte, Risse und Knarrgeräusche durch übermäßiges Quellen und Schwinden gilt es zu vermeiden. Zum Messen der Holzfeuchtigkeit sind verschiedenste Messgeräte erhältlich. Diese unterscheiden sich nicht nur in Form und Design. Jeder Hersteller setzt hier seinen Fokus auf ganz bestimmte Anwendungen, die je nach Anbieter auch Einsatzmöglichkeiten zusätzlich zur Holzfeuchtigkeit zulassen. 

Holzfeuchte: Grundlagen

Holz ist ein hygroskopischer Werkstoff. Für uns Tischler heißt das, dass wir unseren Werkstoff so verarbeiten müssen, dass unser Endprodukt möglichst der am Einsatzort zu erwartenden Holzfeuchtigkeit entspricht. Als Richtwerte für den Innenbereich wird ein Feuchtegehalt von acht bis zehn Prozent und für den Außenbereich von 14 bis 17 Prozent empfohlen. Allerdings sind diese Angaben Richtwerte, die je nach Raum- bzw. Gebäudenutzung unterschiedlich stark abweichen können. Es gibt immer Extreme – wie eine Vertäfelung unter einer Decke, eine Sauna, den Ausbau eines Schwimmbades, eine nur in den Wintermonaten genutzte Skihütte, einen Raum mit Ofenheizung oder eine Stadltür. Hier ist man gut beraten, mit vergleichbaren Werten zu arbeiten und gegebenenfalls vor Ort oder bei ähnlichen Anwendungen zu messen. 

Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass von Tischlern verarbeitetes Holz oft auch mit anderen Werkstoffen kombiniert bzw. beschichtet wird. Glas, Kunststoff, Holzwerkstoffe, Metall, aber auch Leim und Oberflächenbehandlungen werden in direktem Kontakt mit Holz verarbeitet und reagieren ganz unterschiedlich auf das Naturmaterial, dessen Feuchtigkeitsgehalt und deren Schwankungen. 

Rahmenbedingungen bei Endmontage beachten

Eine weitere wichtige Rolle spielen die bei der Endmontage vorherrschenden Bedingungen. Ist das Gebäude ein Neu- oder Altbau? Wurden Wände neu verputzt und ein Estrichsystem mit vielen Litern Wasser verbaut? Oder ist ein Umbau im Trockenbauverfahren durchgeführt worden? Welche Feuchtigkeit sollte der Estrich haben, um darauf einen Parkettboden oder Ähnliches zu verlegen? Das alles sind Fragen, die im Zuge einer gründlichen Arbeitsvorbereitung in die Planung eines Auftrages einfließen müssen. Durch zu nass verbaute Baustoffe und Materialien oder einen zu zeitig begonnenen Innenausbau kann der Grundstein für einen späteren Schimmelbefall und damit verbundene aufwendige Sanierungsmaßnahmen gelegt werden. Besteht für einen Auftrag Dokumentationspflicht, bei der die Materialparameter dokumentiert werden müssen? Für solche Aufgaben ist solide Messtechnik gefragt, mit der sich möglichst viele Mess­aufgaben präzise durchführen und dokumentieren lassen. 

Holzfeuchte-Messmethoden

Die Grundlage für die heutige elektronische Messung der Holzfeuchte ist die Darrprobe. Dazu ist eine aufwendige und zeitraubende Prozedur im Labor erforderlich. Ein Stück Holz wird bei 105 °C so lange getrocknet, bis sein Gewicht nicht mehr abnimmt. Die Differenz zwischen beiden Gewichten dient als Grundlage für das Errechnen der prozentuellen Holzfeuchtigkeit. 
Mittlerweile bietet der Markt eine große Bandbreite von Messgeräten. Wobei Messgerät nicht gleich Messgerät ist. Erst die hochwertigeren Geräte liefern präzise Ergebnisse, weil sie den für das Messergebnis wichtigen Faktor der Holztemperatur berücksichtigen. Einfachere Geräte verzichten auf diesen Faktor und können somit nur in einem sehr bedingten Rahmen brauchbare Ergebnisse liefern. Um in kürzester Zeit belastbare Messergebnisse zu generieren, kommen zwei unterschiedliche Messverfahren zum Einsatz.

Resistive Messung

Bei der resistiven Messung werden zwei Elektroden im definierten Abstand möglichst tief, circa ein Drittel bis maximal zur Hälfte in das Holz eingeschlagen. Das Messgerät berechnet anhand des Widerstandes die Holzfeuchtigkeit. Je trockener das Holz, desto geringer ist die Leitfähigkeit des Materials und umso höher ist der Widerstand. Natürlich hat jede Holzart ihren spezifischen Widerstand. Auch dieser muss bei den Messgeräten zuvor eingestellt werden. Was bei einigen Messgeräten über die Angabe der Holzart im Display hinterlegt wird, erfolgt bei anderen über eine spezifische Kennlinie vor der Messung. Je nach Gerät und Anbieter sind unterschiedlich viele Kennlinien bzw. Holzarten einstellbar. Der große Nachteil dieser Messmethode ist, dass sichtbare Spuren der Messung auf der Oberfläche verbleiben. So führt man diese Messung möglichst zeitnah nach dem Zuschnitt am besten auf Materialresten oder Abschnitten durch. 

Kapazitive Messung

Die kapazitive Messung ist eine zerstörungsfreie Messmethode, bei der die Feuchtigkeit über das elektrische Feld unterhalb des Messgerätes gemessen wird. Bei einigen Geräten kann man die Messtiefen durch entsprechende Voreinstellungen der Materialdicke anpassen. Der Vorteil ist, dass diese Messgeräte vollkommen zerstörungsfrei arbeiten. Auch bei Messungen an bereits montierten Werkstücken, Bauteilen im Bestand oder an vorgefertigten Zukaufteilen kann diese Methode ihre unsichtbaren Vorteile zeigen. 

Durch eine Kombination beider Messmethoden bieten einige Messgeräte die Möglichkeit, auf das jeweilig gewünschte Messverfahren zugreifen zu können. Man kann sowohl zerstörungsfrei als auch über Einschlagelek­troden messen. So kann man gegebenenfalls auch die Messwerte mit dem jeweils anderen Verfahren überprüfen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einem kann zerstörungsfrei bei vorhandenen Einrichtungsgegenständen beim Kunden gemessen werden. Zum anderen kann man wie gewohnt über Einschlagelektroden am Rohmaterial arbeiten. 

Zubehör und Zusatzfunktionen von Holzfeuchte-Messgeräten

Zu beachten ist, dass die Holzfeuchte quer zum Faserverlauf gemessen wird. Legen Sie die Messpunkte nicht zu dicht an den Rand oder an das Hirnholz. Da Holz von innen nach außen trocknet, könnten die Werte in diesen Bereichen stark abweichen.  
Einige Messgeräte können durch Zubehör und Zusatzfunktionen aufgewertet werden. So ist es möglich, die Feuchtigkeit von unterschiedlichen Baumaterialien wie Dämmstoffe, Ziegel und dergleichen sowie der Raumluft zu bestimmen. Einige der zusätzlich erfassten Messwerte können allerdings nur als Indikator dienen. So gibt es zum Beispiel für einige Baustoffe, wie zum Beispiel einen Estrichboden, spezielle Messverfahren. Jedoch kann man so die Fläche überprüfen und Problemzonen für die finale Messung erkennen und festlegen. Für die verschiedenen Einsatzgebiete gibt es unterschiedliche Messelektroden. Die bekannten Einschlagelektroden sind bei einigen Geräten durch Einsteckelektroden oder Tiefenelektroden in diversen Ausführungen, flach, rund oder als Bürste, unisoliert oder isoliert austauschbar. 
Eine Datenübertragung der Messwerte ist möglich. Um die Werte zu erfassen und abzuspeichern, bieten die unterschiedlichen Geräte verschiedene Möglichkeiten. Einige Geräte nutzen Apps über das Smartphone. So können Messwerte und sogar Bilder der Messung abgelegt und gespeicherte werden. Andere verfügen über eine Bluetooth-Schnittstelle zum Übertragen und späteren Abspeichern der Messdaten.

Fazit

Der Markt bietet eine Vielzahl an Messgeräten, um die Holzfeuchtigkeit zu bestimmen. Durch die Vielfalt an Materialien und deren Einsatzgebieten, ist dies nicht nur der einzige Messwert, der bei der täglichen Arbeit für den Tischler eine Rolle spielt. Je nachdem, welche Aufgaben Sie mit Ihrem Betrieb übernehmen, können weitere unterschiedliche Messaufgaben anfallen. Diese sollten Sie vor der Anschaffung eines geeigneten Messgerätes eingrenzen, um das für die eigenen Ansprüche am besten geeignete Gerät aus der breiten Masse des Marktes herauszufiltern. Um langfristig das gute Image ihrer Produkte zu erhalten und ausbauen zu können, reicht es nicht aus, das beste Messgerät im Schrank zu haben. Viel wichtiger ist es, die Geräte regelmäßig und fachgerecht einzusetzen. 

Autor/in:
Stefan Böning
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