Direkt zum Inhalt
 © IHD © IHD © IHD © IHD © IHD © IHD © IHD © IHD

Holztüren als Hochwasserschutz?

14.09.2020

Ein Forschungsprojekt am Institut für Holztechnologie Dresden beschäftigt sich derzeit mit der Frage, ob eine Hauseingangstür aus Holz auch vor Hochwasser schützen kann.

Die Klimaforschung prognostiziert für die Zukunft eine Zunahme von extremen Wetterereignissen, die zu Hochwasser und Überschwemmungen führen. Problematisch ist die oft fehlende Vorwarnzeit bei lokalen Starkregenereignissen, was zeigt, dass in gefährdeten Gebieten eine Hochwasserschutzfunktion permanent vorhanden sein sollte. Im Bereich des permanenten Hochwasserschutzes für den Hauseingangsbereich sind derzeit zwar einige wenige Lösungen bekannt, jedoch sind diese funktional und gestalterisch teils nur bedingt für den Privatbereich geeignet. Oftmals handelt es sich um metallbasierte Türkonstruktionen, die den statischen Erfordernissen angepasst werden können, sowie um spezielle Sonderabdichtungen zwischen Flügel und Blendrahmen.

Werkstoff-Eigenschaften als Herausforderung

Kann eine Hauseingangstür aus Holz auch vor Hochwasser schützen? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit Mitarbeiter des Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) in einem Forschungsprojekt.

Die Herausforderungen bei der Entwicklung einer Hauseingangstür aus Holz mit nutzerunabhängiger und damit permanent vorhandener Hochwasserschutzfunktion liegen im werkstoffbedingten Verhalten gegenüber Wasser und Feuchtigkeit (Quellen und Schwinden) sowie in der Gewährleistung eines hohen Anpressdrucks zur Erzielung der Wasserdichtheit unter Erhalt der Basiseigenschaften.

Konstruktive Ansätze

Lösungsansätze gibt es u. a. in den Bereichen der Öffnungsrichtung und Falzgeometrie, dem Türband sowie der Türschwelle. Bei anstehendem Hochwasser werden durch die Gewichtskraft des Wassers enorme Drücke hervorgerufen. Um der von derartigen Bedingungen ausgehenden Gefahr des Versagens von Schließteilen zu begegnen und den anliegenden Wasserdruck für eine Erhöhung des Dichtschlusses zu nutzen, wurde statt der typischerweise nach innen öffnenden Ausführung eine nach außen öffnende Türkonstruktion favorisiert. Diese Konstruktion hält erhöhten mechanischen Belastungen stand und gewährleistet durch doppelfalzige Türmuster mit hohen Profildicken eine ausreichende Stabilität bzw. Steifigkeit. Die ausgewählte Türschwelle verfügt über einen variablen Anschlag, der durch Adapter-Profile die Einstellung einer definierten Falzluft erlaubt. Somit kann ein ausreichender Anpressdruck zwischen Türschwelle und Anschlagdichtung erzielt werden.

Wasserdichtheit am Prüfstand

Bei Untersuchungen zur Wasserdichtheit in einem eigens für das Projekt gebauten Hochwasserprüfstand konnte u. a. festgestellt werden, dass die üblicherweise harten verklebten Silikondichtungsecken keine gleichmäßige Auflagefläche aufweisen, sodass Wasser von der Außenseite in den Falz eindringen kann. Durch den Einsatz weicher Silikondichtungsecken konnte die Menge eindringenden Wassers erheblich reduziert werden. Die ersten Ergebnisse zur Wasserdichtheit der finalen Mustertüren sind vielversprechend und werden derzeit noch abschließend ausgewertet. (red/ihd) 

www.ihd-dresden.de

Werbung
Werbung