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imm cologne: Frische Ideen gefragt

03.03.2020

Auf der Kölner Möbelmesse imm cologne zeigten vor allem kleinere Aussteller und Manufakturen, wie die Fusion von traditioneller Handwerkskunst und aktuellem Design zu ganz neuen Gestaltungsideen führen kann.

Eine große Einrichtungsmesse wie die imm cologne ist immer auch ein Barometer für gesellschaftliche Megatrends. Und so ist es nur naheliegend, dass auf der diesjährigen Ausgabe der Kölner Möbelmesse im vergangenen Jänner eine eigene Sonderschau dem Thema Smart Home gewidmet war. In der breiten Masse der Aussteller finden sich solche aktuellen Themen – wie etwa auch flexible und platzsparende Nutzungskonzepte für kleine Wohnungen – allerdings eher am Rande wieder. Für echte Innovationen muss man als Besucher deshalb mitunter schon etwas genauer hinsehen – wobei gerade kleinere Manufakturen oft überraschende und frische Impulse liefern und spannende Ansätze im Spagat zwischen traditionellem Handwerk und zeitgemäßem Design liefern.
Omnipräsent auf der Messe waren allerdings auch diesmal wieder die Schlagworte Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und grüner Wohnen – in Zeiten der Klimakrise und von ­„Fridays For Future“ auch kein Wunder –, mit denen viele Aussteller ihre Produkte bewerben. Das geht bis hin zu Visitenkarten mit eingearbeiteten Pflanzensamen, die man gießen und daraus Blumen wachsen lassen kann (den darauf abgedruckten Link zu den Presseunterlagen sollte man sich allerdings rechtzeitig woanders notieren). Als natürlicher Werkstoff entsprechend beliebt ist Massivholz in seinen unterschiedlichsten Anmutungen (es muss nicht immer Eiche sein – ist es aber oft).

Omnipräsent: Naturwerkstoff Holz

Beim italienischen Hersteller Riva1920 gibt es den Naturwerkstoff in vielfältigen gestalterischen Ausformungen zu sehen – vom kurvigen, wie aus einem massiven Zedernholzblock herausgeschälten Sessel Maui 100 oder einer Sitzbank in Form einer Wäscheklammer über moderne, elegante Sideboards und Regalsysteme bis hin zu  Möbeln aus expressivem, neuseeländischen Kauri-Holz. Gestalterisch reduzierte Massivholzmöbel mit schönen Details findet man bei den Tischen, Bänken und Hockern von Vitamin Design, etwa bei der Möbelreihe Una, bei der die Verbindung der Beine mit dem Gestell als markantes Designelement eingesetzt wird.

Leichtes Metall, massives Holz

Als Kontrast und Ergänzung zu massiven Hölzern beliebt ist derzeit auch der Einsatz von elegantem, schwarzem Metall für Tisch- oder Stuhlbeine. Der Hersteller Janua etwa kombiniert beim Tisch Stilt von ­Günter Neunzig auf diese Weise optisch leichte und schwere Elemente, die dünnen Metallbeine in Schieflage sorgen für ein „harmonisches Durcheinander“. Auch beim modularen Regalsystem Room68 setzt man auf eine schicke Kombination von Massivholz und Metall – in diesem Fall schwarzes Aluminium.

Kompaktes Format

Neue Designideen kombiniert mit klassischer Handwerkskunst – in Form von Bugholzelementen – findet man bei der Schweizer Möbelmanufaktur Horgenglarus. Der Desi­gner Frédéric Dedelley hat hier bei der Möbelfamilie seley die Gestaltungselemente eines größeren Sessels auf kompakte Bänke, Stühle und Hocker übertragen. Große Sitzdurchmesser, breite Rückenlehnen und gepolsterte Auflagen sorgen hier bei einer niedrigen Sitzhöhe von 41 Zentimetern für viel Sitzkomfort. 

Tradition meets Moderne

Dass die Fusion von altem Handwerk und aktuellem Design zu ganz neuen Gestaltungsansätzen führen kann, ist auch beim bosnischen Unternehmen Zanat zu sehen. Dieses arbeitet mit namhaften internationalen Designern wie dem Deutschen ­Sebastian ­Herkner zusammen und beschäftigt als Kreativdirektorin die schwedische Gestalterin Monica Förster. Als eine Besonderheit kommt bei vielen Entwürfen der Möbelmanufaktur traditionelle bosnische Holzschnitzkunst zum Einsatz, die seit 2017 sogar auf der Unseco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit geführt wird. Entwürfe wie etwa ­Försters „Sana“-Stühle kombinieren so skandinavische Elemente mit einer ganz eigenen handwerklichen Charakteristik. Die „Tatoo“-Barhocker von Gert Wingårdh und Sara Helder wirken auf diese Weise fast orientalisch.

Bugholzmöbel aus Schweden

Dass auch skandinavisches Design nicht immer typisch skandinavisch aussehen muss, sieht man wiederum bei Gemla. Die nach eigenen Angaben älteste schwedische Möbelmanufaktur (gegründet 1861) fertigt seit dem 19. Jahrhundert Bugholzmöbel. Böhmische Handwerker brachten damals ihr Wissen aus den Thonetschen Möbelfabriken ins Unternehmen. Nicht von ungefähr erinnern manche Entwürfe von Gemla deshalb an die klassischen Wiener Kaffeehausstühle. Natürlich hat man aber auch zeitgenössisches Design im Programm – wie etwa den Sessel Humble von Pierre Sindre, ein „übergroßer“, großzügiger und gemütlicher Entwurf mit Bugholzlehne und gepolsterten Sitz- und Rückenelementen. 

Wiener Geflecht

Auch Thonet stellte in Köln neben seinen Möbelklassikern neue Produktentwürfe vor – der derzeit offenbar viel gebuchte ­Designer Sebastian Herkner fasste den Messestand des Möbelherstellers in einer Hülle aus Wiener Geflecht ein. 
Dieses scheint derzeit ein Revival in kleinem Rahmen zu erleben und wird von einzelnen Herstellern als Werkstoff einem neuen Einsatzbereich zugeführt: Beim dänischen Hersteller Umage beispielsweise findet sich das Wiener Geflecht nicht als Sitzauflage oder Rückenlehnenbezug von Stühlen, sondern es wird stattdessen als Seitenwandelement von Sideboards eingesetzt. 

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