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Die Bearbeitung von Magnethaftplatten stellt besondere Ansprüche an die Werkzeuge. Das Diarex Format-Kreissägeblatt DP von Leuco ist für das Auftrennen der Platten geeignet.

Magnethaftplatten richtig bearbeiten: Hartmetall in Tischlerhand

27.02.2019

Magnethaftplatten sind im Innenausbau vielfältig einsetzbar, aber sehr anspruchsvoll in der Bearbeitung. Im Vorfeld sollte man sich deshalb intensiv mit den Anforderungen an die Maschinen und Werkzeuge auseinandersetzen. 

VWH-Schlichtfräser von Leuco zum Formatieren und Fügen von Magnethaftplatten
VHW Spiral-Schlichtoberfräser von Leitz

Magnethaftplatten gehören zu den innovativen Produktneuheiten der vergangenen Jahre und kommen etwa in Büros, Schulen oder in Geschäften zum Einsatz. Platten mit zuverlässigen Hafteigenschaften erlauben eine vielfältige Nutzung im Alltagseinsatz, strapazierfähige Oberflächen in breiter Dekorvielfalt garantieren ein breites Einsatzgebiet. Mit Kreide oder Boardmakern beschreibbare Dekore sind ebenso erhältlich und werten die Einsatzmöglichkeiten der magnetanhaftenden Plattenwerkstoffe weiter auf. Einige Dekore können als Projektionsfläche mit geringer Lichtreflexion eingesetzt werden. Magnethaftplatten sind sowohl als kompakter Schichtstoff aber auch als HPL-Verbundplatten erhältlich. Eine dünne, magnethaftende Einlage sorgt für die „anziehende“ Wirkung auf der Oberfläche von Möbeln, Türen, Verkleidungen, Displays und Tafeln. Magnethaftplatten gelten als schwer entflammbar. In Verbindung mit Trägermaterialien müssen jedoch die verwendeten Klebstoffe und die jeweilig zum Einsatz kommenden Materialien gesondert beurteilt werden.

Metallische Einlage

Im Aufbau werden je nach Hersteller unterschiedliche Systeme angeboten. Als magnet­anhaftende Einlage werden entweder 0,2 mm dicke Eisenfolien oder Metallgittereinlagen verwendet. Die Metalleinlage bewirkt, dass aus einem Schichtstoff ein eisenhaltiger Kombinationswerkstoff wird. 
Jeder neue Werkstoff hat seine spezifischen Eigenschaften. Sie spielen bei der Bearbeitung eine wichtige Rolle. So muss eine Materialkombination bearbeitet werden, die unterschiedlicher kaum sein könnte. Jedoch lässt die Oberfläche keinerlei Bearbeitungsfehler zu. Entstehen bei der Bearbeitung zu hohe Temperaturen, verändern sich nicht nur die Materialeigenschaften. Ein durch falsche Bearbeitung beeinträchtigtes Oberflächenfinish würde das Material letztendlich unbrauchbar machen. Die in der Metallbe- bzw. -verarbeitung üblichen Kühl- bzw. Schmierstoffe können wegen der Trägermaterialien aus Holzwerkstoff nicht eingesetzt werden. Außerdem sind für diese komplexen Anwendungen kaum einem Tischler die Werkzeuge und deren Bearbeitungsparameter geläufig. Dies ist jedoch eine wichtige Voraussetzung. Deshalb sollte man sich vor der Bearbeitung intensiv mit den Anforderungen an die Maschinen und Werkzeuge auseinandersetzen.
So sollte die maschinelle Ausrüstung für dieses metallhaltige Material zugelassen sein. Wird dies im Vorfeld nicht abgeklärt, kann dies bis hin zum Verfall von Garantie- oder Versicherungsansprüchen führen. Den bei der Bearbeitung anfallenden Spänen und Stäuben sollte man ebenfalls große Beachtung schenken. Funkenflug kann zu Bränden führen. Auch eine Vermischung unterschiedlicher Späne kann problematisch sein und einen Glimmbrand auslösen. Hier gilt eine besondere Sorgfaltspflicht, deren Überwachung dem Betreiber der Absauganlage obliegt. Eine Lösung kann sein, das Spänegemisch mit einer kleineren, separat getrennten Absaugung zu erfassen. Bei größeren, wiederkehrenden Aufträgen, sollte mit dem Hersteller der Anlage eine sichere Lösung für den Betrieb gesucht werden. Auf keinen Fall sollte man ohne Absaugung arbeiten. Metallspäne könnten sich in den Führungen der Maschine ablagern und diese beschädigen. Eine geeignete Schutzausrüstung für die Mitarbeiter ist unumgänglich. Dabei ist auf Hand-, Körper- und Augenschutz zu achten.

Sehr abrasiver Werkstoff

Bei der Bearbeitung muss besonders berücksichtigt werden, dass es sich bei diesem Material um einen sehr abrasiven, abstumpfenden Werkstoff handelt. Zudem ist wichtig, vorab zu klären, welches System – Eisenfolie oder Metallgittereinlage – zum Einsatz kommen soll. Denn für beide Varianten sind teils unterschiedliche Werkzeuge, Parameter und Vorgehensweisen sinnvoll. Dabei unterscheiden sich die Aussagen der Werkzeughersteller darüber, welche Art der Einlage in der Bearbeitung problemloser händelbar ist. Im Zweifelsfall sollte man darüber nochmals mit dem Hersteller seines Vertrauens Rücksprache halten.

Sägen

Zum Sägen der Platten werden unterschiedliche Werkzeuge eingesetzt. Der Hersteller Oertli/Leuco empfiehlt beispielsweise für das Trennen der Platten ein diamantbestücktes Sägeblatt mit Hohlrückengeometrie. Für gelegentliche Zuschnitte kann man ein Sägeblatt mit speziellem Hartmetall (Steel 17) einsetzen. Die optimale Schnittgeschwindigkeit wird mit 20–40 m/sec angegeben. Leitz wiederum rät zu einem DryCut-Sägeblatt mit einer Schnittgeschwindigkeit von 10–30 m/sec. Generell sollten einige Probeschnitte durchgeführt werden. Funkenflug kann mit geringeren Schnittgeschwindigkeiten, reduzierten Drehzahlen und einem reduzierten Vorschub entgegengewirkt werden. 
Auf der Baustelle, bei erforderlichen Passschnitten, kann nur mit den vorhandenen Maschinen und Werkzeugen gearbeitet werden. Oft muss hier ein Provisorium helfen. Aber gerade hier dürfen keine Fehler gemacht werden. Es herrscht Termindruck, und die Zeit für einen Transport in die Werkstatt oder eine Neubeschaffung fehlt. Ein Trapez-Flachzahn-Sägeblatt kann hier helfen. Die Zeit für einen Testschnitt sollte man sich auch in dieser Situation immer nehmen, um das entsprechende Schnittgefühl für dieses schwierige Material zu entwickeln. Für Rundungen sind spezielle Stichsägeblätter (z. B. Festool Bimetall) für Metallwerkstoffe erhältlich. Hier gilt es, sowohl die Maschinendrehzahl, den Hub und den manuellen Vorschub entsprechend anzupassen. 

Bohren

Sollen Bohrungen in dem Material ausgeführt werden, sind ebenfalls einige Dinge zu berücksichtigen. Grundsätzlich müssen der Plattenaufbau (Gittereinlage/Metall­folie) und der Bohrdurchmesser beachtet werden. Leitz empfiehlt für Dübellochbohrungen den Leitz-Dübellochbohrer mit Sonderschliff. Hier wird mit n=4500 U/min und vf=0,5–1,5m/min gearbeitet. Oertli/Leuco rät hier zum Dübelbohrer  mit einer Drehzahl von 2500–4000 U/min und einem Vorschub von 0,5–1,5m/min. Auch bei 35 mm-Topfbandbohrungen gilt es, die verwendete Metalleinlage zu berücksichtigen. Das Bohren der Platten mit Metallgittereinlage kann mit dem Zylinderkopfbohrer HW „Light“ mit einer Drehzahl von 3000–4000 U/min und mit einem Vorschub von 0,5–1 m/min ausgeführt werden. Bei Platten mit einer Metallfolie hingegen kann es beim Einsatz eines herkömmlichen Bohrers zu Problemen kommen. Beim Bohren kann eine Blechscheibe entstehen, die nicht zerspant wird und den weiteren Vorschub verhindert. Dies würde zum Brennen in der Bohrung führen. Im Zweifelsfall sollte anstelle einer 35 mm-Bohrung mit einer Frästasche gearbeitet werden, bei der der Fräser sozusagen „fliegend“ eintauchend fräst. Leitz empfiehlt generell, Topfbandbohrungen zu fräsen.

Fräsen

Zum Fräsen mit mechanischem Vorschub (MEC) eignen sich Fräser, die aus einer speziell entwickelten Hartmetallsorte bestehen. Diese ist besonders verschleißfest und sorgt für deutlich längere Standwege im Vergleich zu konventionellen Hartmetallfräsern.  Laut Auskunft von Oertli/Leuco ist ein VHW-Hartmetall-Schaftfräser geeignet. Magnethaftplatten werden mit einer Drehzahl von 3000–4000 U/min bei etwa 2 m/min Vorschub gefräst oder formatiert. Das Fräsen sollte im Gleichlauf erfolgen. Leitz rät zu dem VHW-Spiral-Schlichtfräser mit einer Drehzahl n=5000-16000 U/min und vf=0,5–1,5 m/min. Um die Standzeit der Fräser zu verlängern, ist es von Vorteil, mit einer Oszillation von 5–6 mm zu arbeiten. Nur so wird nicht immer dieselbe Stelle der Schneide beim Fräsen belastet. Dieser Fräser kann nicht nur zum Formatieren, sondern auch zum fliegenden Eintauchen, dem gleichzeitigen Vorschub auf z-, x- oder y-Achse, eingesetzt werden. 

Ein Test bringt Klarheit

Es gilt noch einmal zu betonen: Sämtliche Bearbeitungsparameter sind abhängig vom Trägermaterial und von der Werkstoffdicke. Ein Test bringt Klarheit über die richtige Vorgehensweise. Stimmen die Parameter, stimmt auch das Ergebnis. Es darf zu keinem sichtbaren Funkenflug kommen, die Oberfläche des Schichtstoffes soll unversehrt bleiben, auch am Fräser sollten keinerlei Spuren zu erkennen sein. Dann ist alles optimal eingestellt und die Bearbeitung kann beginnen. 
Wer mit Handoberfräse fräsen möchte, was ohne Oszillation nur bedingt empfehlenswert ist, für den empfiehlt Oertli/Leuco die 8 oder 10 mm VHW-Fräser oder die aus einem konventionellen Hartmetall gefertigten HW-Hartmetall-Fräser. Dieser Fräsertyp wird häufig bei der Bearbeitung von beschichteten Multiplexplatten eingesetzt, bewährt sich aber auch bei Magnethaftplatten. Die Parameter sind ähnlich zu wählen wie beim VHM-Fräser. Es werden aber nicht dieselben Standwege erreicht. 

An der Kante

Müssen Kanten auf die Schmalflächen der mit Magnethaftplatten belegten Teile aufgefahren werden, ist es ratsam, auf das Vorfräsen an der Kantenanleimmaschine zu verzichten. Ein entsprechender Zuschnitt in Bezug auf die Maßhaltigkeit der Teile ist erforderlich. Wer jedoch nach dem Zuschnitt eine Nachbearbeitung vornehmen möchte, sollte dies am Bearbeitungszentrum tun und auf die oben genannten Parameter zurückgreifen. Selbst wenn ein Betrieb über ein geeignetes Vorfräswerkzeug verfügt, ist ohne Drehzahlregelung mit Gleichlauf und Oszillation davon abzuraten. Ein hier fehlerhaft eingesetztes Werkzeug könnte unbrauchbar werden. 

Autor/in:
Stefan Böning
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