Direkt zum Inhalt
Um die Küchenplanung im Onlinekonfigurator übersichtlich zu halten, sollte man die Variationsmöglichkeiten für den Endkunden eingrenzen.

Möbel im Onlineshop verkaufen: Das müssen Tischler beachten

06.11.2020

Zahlt sich ein Webshop auch für Tischlereien aus? Thomas Rößl vom Softwarehersteller RSO über Chancen sowie technische und rechtliche Grundlagen.

Aus dem Web-Konfigurator per Knopfdruck und ohne Mehraufwand auf die Maschine – auch das ist machbar.
Thomas Rößl, RSO-Entwicklungschef

Thomas Rößl, Entwicklungschef des Software-Herstellers RSO, im Gespräch über Chancen und Möglichkeiten von Online-Shoplösungen im Tischler- und Schreiner-Handwerk.

TISCHLER JOURNAL: Im Möbelhandel wächst der Anteil am Onlinegeschäft stetig. Wie können Tischler mit ihren individuell gefertigten Produkten hier mithalten?

Thomas Rößl: Zum einen wird die gute Betreuung der Kunden künftig eine noch größere Rolle spielen. Es gibt Untersuchungen, die einen massiven Anstieg der Handwerker-Stundensätze in den nächsten fünf bis zehn Jahren voraussagen, weil es immer weniger „gute“ Handwerker gibt, aber die Anzahl der Kunden, die sich ein hochqualitatives Produkt leisten können, zunimmt. Zum anderen gibt es immer mehr technisch gut ausgestattete Betriebe. Diese können mit einem Online-Möbelkonfigurator eine ordentliche Zusatzauslastung ihres Maschinenparks erreichen.

Oft heißt es: Ein Onlineshop ist viel Aufwand und nur etwas für „große“. Wie sehen Sie das?

Das stimmt zum Teil. Online-Konfiguratoren gibt es ja schon länger und oft war es dabei tatsächlich so, dass eine Investition nur für große Unternehmen leistbar war. Wir bieten einen Konfigurator mit Echtzeit-3D-Darstellung an, bei dem man nicht gleich zum Start ein Gesamtpaket bezahlt, sondern zunächst nur die Ersteinrichtung – das sind fünf bis sechs Projekttage – und dann einen leistbaren, monatlichen Fixpreis, der auch alle Wartungs- und Serverkosten beinhaltet. Auf diese Weise gibt es nicht so eine steile Investitionskurve. Das System ist auch jederzeit kündbar.

Welche Möbel und Produkte eignen sich überhaupt für einen Onlineshop?

Man muss sich im Vorfeld überlegen, was man online verkaufen will und auch die Auswahl und das Angebot für den Kunden entsprechend einschränken. Die Palette geht aber prinzipiell vom individuell gestalteten Schrankraum über Wohnmöbel bis zur Tischlerküche – für diese Segmente gibt es viel Potenzial. Die Leute wollen sich zwar ihre Möbel online konfigurieren können, aber dabei immer häufiger auch nicht auf die Qualität verzichten. Es ist deshalb längst an der Zeit, dass es im Onlinehandel ordentliche Tischlerqualität gibt.

Wie kann man maßgeschneiderte Lösungen wie Küchen für einen Webshop adaptieren?

Man kann bei unserem System ein einzelnes Element mit so viel Funktionalität ausstatten, wie man will. Aber es sollte für den Kunden übersichtlich und einfach zu bedienen bleiben. Wenn man Unterschränke anbieten will, kann man diese zum Beispiel auf fünf bis zehn Varianten mit Laden und Türen einschränken, mit parametrisch millimetergenau veränderbaren Maßen. Aber es kommt natürlich auch auf die Zielgruppe an. Bedient man etwa das B2B-Segment, kann man viel mehr Fachwissen voraussetzen und entsprechend mehr Konfigurationsmöglichkeiten vorgeben. Einem Endkunden wird es egal sein, welchen Verbinder man verwendet. Für einen anderen Tischler hingegen kann das schon ein Kriterium sein. 

In welchem Bereich kann ein Onlineshop für das B2B-Geschäft interessant sein?

Wir starten gerade mit der Vermarktung unseres Online-Konfigurators, haben aber bereits zehn Testkunden, die schon jetzt damit arbeiten. Darunter sind auch solche, die etwa Zuschnittteile anbieten und das jetzt auf Korpusse ausweiten. Im Wesentlichen sehen wir drei Marktsegmente: Den Endkunden, das B2B-Geschäft und dann noch den Zuliefermarkt als eigenen Bereich. Wobei der Zuliefermarkt besonders umkämpft ist, der B2B-Bereich – wo man dem Kunden auch komplette Produkte wie eine Küche liefert – aber stark im Wachsen ist. Hier können neue Formen der Zusammenarbeit entstehen mit Tischlern, die gar keinen eigenen Maschinenpark mehr haben. Produzierende Tischlereien können sich hier also neue Geschäftsfelder erschließen.

Welche Voraussetzungen braucht man softwareseitig?

Für den Online-Konfigurator reicht ein aktueller Webbrowser. Wenn eine Produktion auf Knopfdruck ohne Mehraufwand gefordert wird, wäre es in unserem Fall ideal, wenn für unseren Online-Konfigurator auch unser CAD-System RSOCAD eingesetzt wird. Natürlich ist eine Anbindung an andere CAD-Systeme möglich, aber es ist besser, wenn die Systeme von der Logik her gleich aufgebaut sind. Denn Schnittstellen sind häufig Fehlerquellen, und wenn die Daten nicht fehlerfrei in der Produktion ankommen, wird Ausschuss produziert. 

Wie viel „händische“ Nacharbeit ist bei Onlinebestellungen nötig?

Der Onlineauftrag wird in der Regel von einem AV-Mitarbeiter auf offensichtliche Fehleingaben überprüft und danach in die Produktion übergeben. Im Idealfall reden wir hier von wenigen Minuten.

Können nach der Bestellung noch zusätzliche Bearbeitungen vorgenommen werden?

Ja, nachdem der Auftrag komplett im RSOCAD aufgebaut ist und die Teile nicht bis auf die Maschine programmiert sind, ist das kein Problem. Es stehen dann immer noch alle Bearbeitungsfunktionen zur Verfügung. 

Was bedeutet ein Onlineshop-System für den Vertrieb und auch für die Kundenbetreuung nach dem Verkauf? 

Der Onlineshop ist der billigste Verkäufer, wenn er richtig eingesetzt wird. Das Verkaufsgebiet sollte online aber auf alle Fälle auf einen Aktionsradius eingeschränkt werden, der bedienbar ist. Die Angst ist oft vorhanden, dass Kunden bestellen, beim Aufbauen einen Fehler machen und dann reklamieren. Unsere Erfahrungen haben aber gezeigt, dass diese Fälle eher selten sind. Und wenn doch etwas passiert, wird meist der beschädigte Teil ohne großes Nachfragen nachgeliefert. 

Darf das Liefergebiet im Onlinegeschäft überhaupt eingeschränkt werden, und wie verhält es sich mit dem Rücktrittsrecht?

Die EU-Verordnung 2018/302 regelt, dass der Kauf in der EU möglich sein muss. Es gibt aber keine Verpflichtung, ins Ausland zu liefern. Man könnte hier also im Shop die Einschränkung einbauen, dass EU-Kunden eine Lieferadresse in Österreich angeben müssen. Und das Rücktrittsrecht im Onlinehandel gilt laut § 18 Fernabsatz- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz nicht für „Waren, die nach Kundenspezifikation angefertigt wurden oder auf die persönlichen Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind“ – ein Konfigurator bildet hier also eine Ausnahme. Wir empfehlen aber trotzdem immer, die rechtliche Situation –auch im Hinblick auf die Zahlungsabwicklung – mit einem Rechtsanwalt zu besprechen und nicht einfach ins Blaue hinein loszustarten. 

Link: RSO-Website

Autor/in:
Thomas Prlic
Werbung
Werbung