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Möbelmesse: Der Trend heißt Vielfalt

07.03.2018

Die Natur als Vorbild und neu interpretierte Klassiker waren zwei der zentralen Themen auf der heurigen Kölner Möbelmesse imm cologne. 

Vom 15. bis zum 21. Jänner beeindruckte die Kölner Möbelmesse wieder mit den neuesten Interior- und Möbel-Designs. Neben den gezeigten Produkten und Wohnkonzepten zählte „Das Haus“ zu den Highlights der imm cologne, die rund 125.000 Gäste aus 138 Ländern besuchten. In dieser heuer von Lucie Koldova gestalteten begehbaren Wohnhaus-Simulation spielte das Thema Licht die Hauptrolle. Auch Smart Home stand in der Konzepthalle Pure Architects im Focus. 

Zurück zur Natur

In Sachen Möbeldesign suchte man den alles beherrschenden Trend vergeblich. Dafür gab es viel Bekanntes in neuer Interpretation zu sehen. Die Überraschung war oft in den Details zu finden. Stark präsent sind die Botschaften „zurück zur Natur, zum Ursprung, zur Tradition“, die gerne auch mit neuen Materialien-Kombinationen vermittelt werden. Abgesehen von ein paar bunten „Ausreißern“ sind die Farben sanft, natürlich und gedeckt. Vor allem Rosé ist omnipräsent, daneben sieht man helle Grau- und Blautöne und Naturfarben in allen Schattierungen. Als kleiner, neuer Farbtrend ist noch Gelb bzw. Bernstein auszumachen. So ist Amber neben Jade, Silber und Smokey Quarz eine der neuen, kräftigen Stofffarben, die Raf Simons für den deutschen Hersteller Walter Knoll designte. 

Immer wieder Retro

Weitere – zum Teil sehr konträre – Gestaltungsvorbilder sind Afrika und Japan ebenso wie „die gute alte Zeit“. Vor allem die Design-Entwürfe aus den 1950er, -60er und -70er Jahren sind starke Leitbilder für die heutige Gestaltergeneration. So sieht man sehr freie 50er-Neuinterpretationen wie das filigrane Sideboard von Zanat oder die Tisch-Oberflächen aus pastelligem Li­noleum der Serie Rail Solo von Zeitraum. Zudem werden historische Entwürfe in modernen Materialien ausgeführt, das nennt sich dann Re-Edition. So gesehen bei Vitra: 1968 wurde der berühmte Panton Chair aus Vollkunststoff in Köln erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. 50 Jahre später legen die Schweizer zwei limitierte Editionen neu auf: den Panton Chrome und den Panton Glow, der im Dunkeln leuchtet. Auch der klassische Bauhaus-Stil liegt im Trend. Diesem widmen zum Beispiel die Tapetenfabrik Rasch und Akzo Nobel Deco eine eigene Tapeten- und Farbkollektion. Ein weiteres starkes Thema sind Textilien in grober Strickoptik als Bezug für Sofas und Stühle.

Flexibel bleiben

Wohnraum wird immer knapper, die Reaktion darauf sind flexible, multifunktionale Möbel. Vor allem bei den Tischen ist die vielfältige Nutzung ein breit bespieltes Feld. Es beginnt bei wandelbaren Beistelltischen (siehe Zusatzbericht), führt über ausziehbare Esstische zu erweiterbaren Arbeitstischen. Dabei kann jeder Tisch auch alles in einem sein. So wie Helku, die Co-Working-Tische der baskischen Manufaktur Alki. Hier werden verschiedene Platten-Module miteinander verbunden, um variable Längen zu erzielen. Mobile Trennwände schaffen rasch einen neuen Arbeitsplatz, Tischlampen werden je nach Gebrauch eingesetzt. Genauso rasch, wie man Teilung schafft, wird der Arbeitsplatz dann auch wieder zu einem Essplatz für die Wohn- oder Arbeitsgemeinschaft. 

Eiche wohin man schaut

Beim ungebrochen beliebten Material Holz dominiert die Eiche, in vielfältigen Bearbeitungsvarianten, in Kombination mit anderen Werkstoffen wie Metall, Glas, Leder, Keramik und mit modernen Beschichtungen. Weitere stark präsente Hölzer sind Nuss, Esche, Buche, Ahorn und auch wieder Fichte. Diese wird als Bergfichte grau, gebürstet oder gebeizt zum Beispiel beim österreichischen Möbelbauer Anrei verarbeitet. 
Damit die gute alte Eiche nicht immer gleich aussieht, lassen sich die Designer so einiges einfallen. „Wir möchten mit unseren Stücken eine eigene Handschrift eta­blieren. Das tun wir zum Beispiel dadurch, indem wir die Eichenoberflächen unserer Tische in ausgefallener Weise behandeln“, erklärt Designer Ivo Hlavac vom Design Studio Zürich. Konkret meint Hlavac damit den Einsatz des Nanotech-Materials Fenix. Diese Beschichtung aus Nanopartikeln und Acrylharz verleiht der Oberfläche eine besondere Beständigkeit und erhält dabei die warme Eigenschaft des Holzes. 
Dennoch bleiben es Massivholzmöbel, denn das Design des Massivholzes bleibt erhalten.

Made in Vorarlberg

Hubert Feldkircher, Tischler und Designer aus Vorarlberg, setzt weiterhin erfolgreich auf Zirbenholz, das seine Liebhaber bereits weit über den Alpenraum hinaus gefunden hat. Neu im Programm hat Feldkircher heuer das metallfreie Bett La Natura, eine Gemeinschaftsarbeit Vorarlberger Handwerker. Der massive Bettrahmen wird rein von Holzschrauben zusammengehalten. Erhältlich ist er in verschiedenen Holzvarianten, u. a. in Ahorn, Eiche, Zirbe, Kirsche, Ulme oder Nuss oder mit Stoff überzogen. Das Kopfteil ist mit wärmendem Rosshaar gefüttert und mit bio-zertifiziertem Halbleinen überzogen.

Treffpunkt Tisch

Neben flexibel und neu kombiniert präsentieren sich die gezeigten Tische als idealer Ort der Zusammenkunft. Handwerkskunst und Qualität stehen im Zentrum, ebenso wie die schon erwähnten Hommagen an frühere Designer und Künstler. Eine solche – und zwar an den Maler Fikret Moualla (1903–1967) – ist auch der Moualla Table, von Architekt und Designer Neptun Ozis für Walter Knoll entworfen. Der Tisch ist in massiver Eiche oder Nussbaum erhältlich und wirkt wie von Hand gezeichnet. „Die Platte erscheint wie entrückt vom Gestell und wirkt so trotz ihrer Massivität leicht und luftig“, kommentieren die Produzenten. 
Bei den passenden Sitzmöbeln sieht man zwar nach wie vor die cleanen Bänke ohne Lehnen. Allerdings werden diese zusehends von der – wohl gemütlicheren – Eckbank in modernem Design und dem omnipräsenten Dining-Chair – einer Mischung aus Lounge- und Sitzmöbel – abgelöst. 

Schwarz und weiß

Hat man beim Rundgang durch die Messe gerade für sich im Kopf notiert, dass sehr dunkles Holz gnadenlos out ist, kommen einem plötzlich permanent schwarze Tische bzw. -platten und Stühle unter. In der Büroausstattung sowieso, aber auch in den ausgestellten Wohnwelten. Dennoch ist ganz dunkel ein Nischentrend. Zum Großteil sind die Möbel hell und leicht und das nicht nur bei Skandinaviern. Der österreichische Hersteller Team 7 zum Beispiel hat seine im Vorjahr präsentierte Serie Mokka heuer nicht mehr mit dabei: „Dafür haben wir als Kontrast eine ganz helle Neuerung im Programm, wir präsentieren Stühle, Tische und Wandverbauten aus Eiche Weißöl, sprich aus einem mit weiß pigmentierten Öl behandeltes Eichenholz. Das kommt sehr gut an“, sagt Designer ­Sebastian Desch. 

Gemütlich und großzügig

Bei den Polstermöbeln sind behutsame Veränderungen zu bemerken. Die dominierenden Themen sind auch hier Gemütlichkeit, Gemeinsamkeit und Flexibilität, das alles umgesetzt in sanften Farben und weichen Formen. Viele – vor allem die italienischen – Aussteller setzen wieder auf Ledersofas, gerne auch in Weiß. Sonst ist alles rosa, grau und blau. Diesem Trend trägt zum Beispiel auch Joka mit der neuen Laguna-Linie Rechnung. Bereits mit dem German Design Award ausgezeichnet ist das flexible Sofa Free Motion der Designerin Tamara Härty für Koinor. Je nach Modell sind die Komponenten einzeln per „Touch it“-Funktion zu verstellen, es gibt Zwischentische mit Soundsystem, Liegen mit Massagefunktion und eine integrierte LED-Beleuchtung. Das neue Indoor-Sofa Okome von Alki – von dem es auch eine Bettvariante gibt – vereint ebenso viele der auffälligen Trends: sanfte Farben und Formen, kombinierbare Komponenten und die Anlehnung an die japanische Wohnkultur durch wieder niedriger werdende Möbel. 
www.imm-cologne.de 

Autor/in:
Gudrun Haigermoser
Original erschienen am 07.03.2018: Tischler Journal.
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