Direkt zum Inhalt

Optimierte Prozessabwicklung

06.08.2010

Unterstützte Konstruktion, perfekte Visualisierung mit optimierter Fertigung in der CNC-Werkstatt ohne notwendige Postprozessoren lassen ein Aufleben des Produktdesigns erwarten.

Von Jürgen Fragner

Der Einstieg in eine optimale CAD/CAM-Fertigung bringt durch die Analyse der Ist-Situation meist viele Fragen mit sich. Dabei spielen viele Faktoren wie Ausnutzungsgrad, Engpässe und Verwaltungsstrukturen eine entscheidende Rolle für die Stärken und Schwächen eines Betriebes. Einige Produktionen haben in den letzten Jahren eine radikale Umstellung ihrer EDV-Systeme durchgeführt, um schlafendes Einsparungspotenzial durch optimale Schnittstellenanbindung zu erwecken. Mit dieser Veränderung nimmt die Gewinnung von CNC-Fertigungsdaten die wichtigste Rolle bei der Rationalisierung von Fertigungsprozessen ein.

Mit einer strikten Durchführung dieses Denkkonzepts ist damit weiterführend möglich, dass bei Abänderung der Auftragsbestätigung die Grundzeichnungen entsprechend der Notwendigkeiten automatisch verändert werden. Um diesen Status zu erreichen, ist es jedoch unentbehrlich, die notwendigen Daten im erforderlichen Ausmaß zu hinterlegen. Die Softwareentwicklung läuft auf diese Thematik zu, wobei beispielsweise WOP-Zwischenschritte für die Fertigung bereits während der Erstellung automatisch erledigt werden. Die Auswahl einer auch für die Zukunft geeigneten Konstruktionssoftwarelösung kann nicht mit allgemeinen Funktionsbeschreibungen oder Checklisten gefunden werden. In diesen Beschreibungen der Hersteller kann weder abgelesen werden, wie nahe der gewünschte Realisierungsgrad erreicht wird, noch mit welchem Aufwand dieser möglich ist. Da jedoch das Motto gilt: optimale Resultate mit geringstmöglichem Aufwand, können wesentlich bessere Erfahrungswerte durch Umsetzung anhand konkreter Problemstellungen erhalten werden. Eine kurze Beschreibung einiger gängiger Systeme:

Cad+T
Die Herangehensweise der Konstruktionssoftware erfolgt einerseits aus Kundensicht mit einer Überleitung aus der Verkaufsplanung oder andererseits durch direkte Kons­truktion. Die erste Variante erfolgt mit AutoCAD 2011 und einem entwickelten Konstruktionsmodul. Dabei werden mit einfachen Befehlen die Objekte schnell manipuliert. Einzelne Teile oder komplette Konstruktionen können in Katalogen abgelegt werden und das Setzen von Bearbeitungen und Beschlägen kann wahlweise auch automatisch erfolgen. Die Informationen aus der Erstellung werden auf die entsprechenden Elemente vererbt und als weitere Grundfunktion stehen unter anderem automatisch erstellte Ansichten zur Verfügung.

Die zweite Variante besteht aus einer 3D-parametrischen Konstruktion mit Inventor 2011. Dazu wird als Konstruktionshilfe unter anderem ein Modul für den Holzbereich angeboten. Damit steht ein Konfigurator zur Verfügung, der die Konstruktion in Hinblick auf Material und Zusammenbau steuert. Mit Änderung von Kopfdaten können andere Modelle automatisiert herbeigeführt werden und dadurch die Datenmenge und Konstruktionszeit verringert werden. Speziell für den Schrankbau steht ein Assistent zur Verfügung und für die Definition von Bohrungen, Nuten und Fälze sind Konstruktionshilfen implementiert.

Nach erfolgter Konstruktion, unabhängig von der Variante, erfolgt die Übergabe der Stückliste an die Branchenlösung und ein entwickeltes CAM-Interface. Mit der Schnittstelle steht ein CNC-Steuerungssystem zur Verfügung, das alle Informationen der Kons­truktion unter Berücksichtigung von Material und Fertigungsablauf automatisch analysiert und ein optimiertes Maschinenprogramm ausgibt. Damit ist keine detaillierte CNC-Kenntnis mehr nötig, da die erforderlichen spezifischen Betriebskennwerte in einer Datenbank hinterlegt sind.

OSD Spirit
In der Version 2010 können direkt aus der Zeichnung maßhaltige und für die Produktion geeignete Stücklisten automatisch generiert werden. Mit einem Korpusgenerator und einem Renderingprogramm ist die Erstellung von Entwürfen und Präsentationen von kurzer Hand möglich. Die Generierung der CNC-Programme kann durch eine individuelle Einzelteilbearbeitung aus den CAD-Basisdaten oder über den Korpusgenerator erfolgen. Auch komplexe Anforderungen können mit wenig Aufwand erstellt werden und die eingeplanten Beschläge aus der Datenbank werden automatisch eingearbeitet. Der Fertigungsprozess im handwerklichen Betrieb wird dadurch bestmöglich rationalisiert, wobei die Schaltzentrale für die Erstellung ein CNC-Generator ist.

Pascam
Mit Erweiterungen zu SolidWorks werden vollintegrierte Lösungen für die CAD/CAM-Prozesskette der holzbearbeitenden Branche geschaffen. Das Grundprogramm hat in der aktuellen Version viele neue kundenorientierte Funktionen erhalten. Ein Baugruppengenerator unterstützt nicht nur die Korpusproduktion, sondern ist auch im Fenster- sowie für den Ladenbau zu verwenden. Damit ist ein schnelles Konfigurieren von Baugruppen mit den gewünschten Verbindungen und Bearbeitungen möglich. Zu den Datenbanken und Konstruktionsbibliotheken sind die Beschläge aller Hersteller sowie eine Verbindungsdatenbank für einen schnellen automatisierten Zusammenbau von Baugruppen hinzugekommen. Für den CAM-Bereich können alle notwendigen CNC-Bearbeitungsdaten in einem Arbeitsschritt erzeugt werden.

Phyta
Mit der vorherigen Version wurde das Modul Werkstatt eingeführt, welche ein automatisches Aufbereiten von Möbelstücken für die Produktion durch CNC-Maschinen ermöglicht. Wenn den Bauteilen logische Namen zugeordnet sind, ist eine automatische Zuweisung der Verbindungslösung inklusive der CNC-Bearbeitung möglich. Die Regeln dazu sind keine festen Standards und können mit eigenen Lösungen erweitert werden. Für die CAM-Anbindung weist die Software die gewünschten Werkzeugeigenschaften der Maschine zu und exportiert die Maschinendaten nach Kundenregeln. Damit können die Rotation zur Holzfaserausrichtung und das Schema der Dateiablage nach Wunsch erfolgen. Die geschriebenen Daten werden von vielen Systemen unterstützt, wobei eine direkte Verlinkung zu WoodWop, NC Hops, Cobus NCAD und AlphaCam besteht. Dadurch ist eine  Ausgabe via Stapelverarbeitung möglich und passende Etiketten können bei Bedarf gleich miterstellt werden. Die Zuschnittoptimierung berücksichtigt wahlweise auch die Materialeigenschaften sowie Plattenstärken und kann direkt aus der 3D-Konstruktion extrahiert werden. Der Bereich Planung und Präsentation bietet in jeder Planungsphase eine realistische Darstellung mit Licht-/Schatteneffekten.

TischlerCAD
Das Paket für MAC und PC umfasst das verbreitete Archicad mit einer umfangreichen Bibliothek und der Möglichkeit für fotorealistische Visualisierungen. Die Planung erfolgt in 3D, wobei Tausende erweiterbare Texturen hinterlegt sind. Änderungen in einer beliebigen Darstellung werden automatisch in andere Ansichten übernommen (editierbare Hotspots) und umschaltbare Ebenen ermöglichen eine Schnelloption zur Ansicht zwischen Fertigungszeichnung und Entwurf. Als neues Feature funktioniert die integrierte Massenermittlung, welche auf Knopfdruck die eingesetzten Objekte auflistet und sich nach Kriterien filtern lässt. Damit können im Auftragsfall alle notwendigen Fertigungsdaten ohne weitere CAD-Module erstellt werden. Als weitere Neuerung wird ein Wartungsvertrag für den aktuellen Stand der Bibliothek angeboten. Neben einer Neustrukturierung der Ordner Umgebung wurde die grafische Benutzerschnittstelle überarbeitet und mit weiteren Vorlagen erweitert.

Vectorworks Interiorcad

Mit einem integrierten Korpusgenerator wird die parametrische Planung unterstützt und damit auch für schräge Möbel mit beliebigen Fronten einsetzbar. Nicht parametrische Entwürfe sind durch ein de­sign­orientiertes 3D-Werkzeug einfach modellierbar. Die mitgelieferte Zubehörbibliothek enthält vielfältige Lösungen für beispielsweise Beschläge, Texturen und Symbole. Mit allen 3D-Modellen ist die Stücklisteninformation bereits hinterlegt und kann in einem frei konfigurierbaren Layout für jede Branchensoftware ausgegeben werden. Die Ausgabe von CNC-Programmen für Korpus- und Freiteile ist ähnlich dazu und kann einfach per Mausklick erfolgen. Mit einem integrierten Rendering steht ein Präsentationswerkzeug zur Verfügung, das auch für Teilausschnitte und Fotomontagen geeignet ist. Dieses wurde mit einem neuen Zubehörpaket ergänzt, um eine noch detailgetreuere Vorstellung zu erzielen. Bei der konstruktiven Seite wurden ein neues Arbeitsplattenwerkzeug, eine Unterstützung für Drehstangenschlösser und eine neue Beschlagsverwaltung im System ergänzt.

Adressen

CAD+T Consulting GmbH
Gewerbepark 16, 4052 Ansfelden
07229 83100-0, www.cadt.at  

extragroup GmbH
Pottkamp 19, D-48149 Münster
+49 251 39089-0,
www.extragroup.de  

imos AG
Planckstraße 24, D-32052 Herford, +49 5221 976-0
www.imos3d.com  

www.osd.de, Vertriebspartner:
Holzcluster Steiermark GmbH
Holzinnovationszentrum 1a
8470 Zeltweg, 03577 22225-313
www.holzcluster-steiermark.at/osd  

Pascam
Danziger Straße 16
D-74366 Kirchheim,
+49 7143 961327
www.pascam.de  

www.pytha.de, Vertriebspartner:
Reumüller 3D CAD Systeme
Gustermairberg 58
4550 Kremsmünster
07583 77290
www.reucad.at  

Tischlercad®, Siegfried Frass
Reichenauerstraße 8/2
2640 Gloggnitz,
0664/350 65 70
www.tischlercad.at

Autor/in:
Redaktion Tischler Journal
Werbung

Weiterführende Themen

Bernhard Dettelbacher an der neuen Tempora 60.12 von Format-4: Die  Kante ist an einem Möbel ein Zeichen für Perfektion, sagt der Tischlermeister.
Themen
09.01.2018

Die Tischlerei Dettelbacher fertigt als drei-Personen-Unternehmen dank einer Hightechausstattung fast wie ein Industriebetrieb.

Wichtige Gesetze 2018
Aushangpflichtige Gesetze
01.01.2018

Als Arbeitgeber sollten Sie unbedingt eine aktuelle Version von „ArbeitnehmerInnenschutz: Wichtigen Gesetze“ in ihrem Betrieb bereitstellen. Sparen Sie sich Stress mit der Behörde und erledigen ...

Wie sich massives Gebrauchtholz im Möbel- und Holzbau wiederverwerten lässt, wird im Rahmen eines EU-Projekts untersucht.
Themen
19.12.2017

Upcyling statt Downcycling: Ein EU-Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Mehrfachnutzung von Holz. Denn zum Verheizen ist der wertvolle Rohstoff nach nur einmaligem Gebrauch meistens zu ...

Die Einreichfrist für den Designpreis startet mit Februar 2018.
Aktuelles
19.12.2017

Mit dem Preis sollen 2018 erstmals innovative Innenarchitekturprojekte und Produkte aus dem Interiorbereich ausgezeichnet werden.   

Werbung