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Für die Bearbeitung auf CNC-Maschinen bietet die Firma Benz ein spezielles Schlosskastenaggregat an.

Passgenaue Schlosstaschen für Holztüren

02.10.2020

Maßgefertigte Türen aus Massivholz können für Tischler ein lukratives Betätigungsfeld sein. Dazu gehört auch die passgenaue Ausführung der Schlosstaschen – je nach Ausstattung gibt es dazu unterschiedliche Möglichkeiten. 

Die mobile Fräslehre kann auch für gefälzte Türen zum Einsatz kommen.
Mafell bietet einen speziellen Kettenstemmer für das Erstellen von Schlosskästen an.

In Sachen Stabilität, Individualität, Haltbarkeit, Falzluft, Öko-Bilanz und Nachhaltigkeit gibt es keine Alternative zur Holztür. Gerade für kleinere Betriebe, die auf Einzelanfertigungen spezialisiert sind, kann die Anfertigung von Türen aus Massivholz ein lukratives Betätigungsfeld sein. Die Industrie ist in der breiten Masse nicht zu schlagen. Jedoch sind viele Maße und auch die Kundenwünsche oft vielfältiger, als die Industrie sie umsetzen kann und möchte. Sei es der denkmalgerechte Nachbau einer Eingangstür oder die dem Kundenwunsch entsprechend gestaltete oder der speziellen Raumsituation – etwa unter einer Dachschräge – angepasste Zimmertür. Auch das Umrüsten einer Tür auf einen höheren Sicherheitsstandard könnte vom Kunden gewünscht werden. Hier sind das Tischlerhandwerk und individuelle Lösungskompetenz gefragt. 

Passgenaue Fräsungen für Holztüren erstellen

Passgenau, so fertigt der Tischler Holzt­üren. Und so sollte auch das für die Tür erforderliche Schloss montiert sein. Um die notwendigen Fräsungen für die Schlosstasche – bei Mehrfachverriegelungen für mehrere Taschen – ausführen zu können, sind spezielle Werkzeuge und Hilfsmittel erforderlich. Ob große Tischlerei mit einem hohen Automatisierungsgrad und Serienfertigung oder Kleinstbetrieb, der individuell ganz nach Kundenwunsch arbeitet: Hier gibt es je nach Betriebsgröße und Ausstattung unterschiedliche Möglichkeiten, die im Folgenden vorgestellt werden sollen.

Schlosstaschen fräsen auf dem Bearbeitungszentrum

Betriebe mit einem hohen Technologisierungsgrad setzten auf das Bearbeitungszentrum. Mit fünf Achsen lassen sich derartige Taschenfräsungen recht einfach ausführen. Einmalig ein Programm erstellt und mit allen Bearbeitungsparametern versehen kann dieses jederzeit aufgerufen und abgearbeitet werden. Sollte sich so eine Fräsung mit dem vorhandenen Bearbeitungszen­trum nicht umsetzten lassen, kann man als Zusatzaggregat einen Winkelkopf einsetzten. Die Firma Benz beispielsweise ist auf die Umsetzung nicht alltäglicher Anwendungen auf dem Bearbeitungszentrum spezialisiert. Unter anderem bietet der Hersteller für die CNC ein spezielles Schlosskastenaggregat mit Platz für zwei Werkzeuge an. So kann neben einem Schlosskastenfräser etwa ein Stulpfräser zum Einsatz kommen. Ist die Maschine mit einem steuerbaren Luftanschluss ausgestattet, können während des Fräsens der Schlosstasche gleichzeitig die Späne ausgeblasen werden. 

Als Werkzeug für das Bearbeitungszen­trum empfiehlt beispielsweise der Werkzeughersteller Leitz für derartige Anwendungen seine Spiral-Schruppschlichtoberfräser Marathon. Diese sind in den Durchmessern 8, 10, 12, 14, 16, 17 und 18 mm und in Arbeitslängen von 51–135 mm erhältlich. Beachtet werden sollte, dass solche Fräsungen im mehreren Hüben ausgeführt werden. Für Vollholz wird ein Hub von 4–8 mm bei einem Vorschub von 10–16 m/min und eine Drehzahl von 12.000–18.000 Umdrehungen in der Minute empfohlen. Für Türen aus Spanplatte sollte ein Hub von 8–15 mm mit einem Vorschub von 12–18 m/min und eine Drehzahl von 12.000–18.000 Umdrehungen pro Minute gewählt werden.  

Frästaschen mit der Langlochbohrmaschine erstellen

Der Klassiker zum Fräsen von Schlosstaschen ist die Langlochbohrmaschine. Diese Maschinen sind immer noch in vielen Tischlereien zu finden. Auch wenn bereits der Altmeister mit dieser Technologie seine Schloss­taschen gefertigt hat, ist sie durchaus auch heutzutage nicht überholt. Entsprechende Werkzeuge sind immer noch in unterschiedlichsten Dimensionierungen relativ preiswert zu bekommen. Der Langlochbohrer ist ähnlich wie viele Oberfräser sowohl stirn- als auch flankenschneidend. Auch mit der Langlochbohrmaschine wird in mehreren Hüben gearbeitet. Hier entscheidet das Geschick des Maschinenbedieners über die Qualität der Fräsung, da oft mit Handvorschub gearbeitet wird. Ähnlich wie beim Bearbeitungszentrum muss die Tür auf dem Maschinentisch abgelegt werden. Dabei ist durch das Gewicht der Türen und die oft horizontale Bearbeitung auf der Maschine ein Helfer erforderlich.

Handarbeit mit dem Mafell-Schloss­kastenstemmer

Als Handmaschine zum Fräsen von Schloss­taschen bietet beispielsweise der Schlosskastenstemmer SKS 130 von Mafell eine mobile Alternative zum Fräsen von Schloss­taschen. Damit kann, egal ob in der Werkstatt oder mobil auf der Baustelle gearbeitet wird, die passende Schlosstasche gefräst werden. Die Maschine wird auf Wusch mit einer Stemmbreite von 14, 16 und 18 mm geliefert. Ein Austausch der Ketten gegen eine andere Kettenbreite ist möglich. Die Ritzel und Führungen müssen hierfür nicht ausgetauscht werden. Die maximale Stemmtiefe beträgt 145 mm und die Stemmlänge 78 mm. Für längere Schlosstaschen wird mehrfach gefräst. Ein 1600 Watt-Motor treibt zwei Ketten gegenläufig so an, dass Ausrisse vermieden werden.  

Bohren und Fräsen mit dem Stemm­werkzeug

Mit dem DBB Stemmwerkzeug bietet auch das Unternehmen Souber Tools eine Vorrichtung zum einfachen und sauberen Bohren bzw. Fräsen von Schlosstaschen an. Die Vorrichtung wird auf der Tür in Opposition gebracht. Es lassen sich gefalzte Türen bis zu einer Dicke von 100 mm bearbeiten. Mithilfe spezieller, wechselbarer Fräser, die an einem über Messingbuchsen geführten Schaft austauschbar befestigt werden, kann man die Schlosstasche nach Bedarf ausarbeiten. Eine Tiefenbegrenzung ist möglich. Erhältlich sind unterschiedliche Fräserdurchmesser – 16, 18, 20 und 24 mm. Als Antrieb dient die Bohrmaschine. Diese Vorrichtung bietet eine preiswerte Möglichkeit, Schlosstaschen einfach und präzise auszuarbeiten. Zusätzlich ist es möglich, auch den Stulp, an dem das Schloss in der Tür befestigt wird, passgenau einzulassen.

Frässchablonen für Schliessbleche

Die zum Schließen einer Tür erforderlichen Schließbleche können ganz nach Wahl mit dem Bearbeitungszentrum oder der Oberfräse gefräst werden. Entsprechende Frässchablonen der Hersteller sind erhältlich. Diese werden sogar für die im Betrieb am häufigsten eingesetzten Mehrfachverriegelungen vorkonfiguriert angeboten. Durch wechselbare Einleger kann man die gewünschte Schablone für das Schließblech, die Schließzapfen oder einen E-Öffner auswählen und passgenau fräsen. Dies ist erst dann wirtschaftlich, wenn mehrere Haustüren im Jahr die Werkstatt verlassen. Für gelegentliche Fräsungen eignet sich beispielsweise die Frässchablone Lock/JIG/B von Trend. Damit können sowohl der Stulp des Schlosses als auch Fräsungen für einige Schließbleche ausgeführt werden. Verstellbar auf einem Aluminiumwinkel befestigt bietet diese Schablone mit ihren Anschlägen die Möglichkeit, passende Fräsungen auszuführen. 

Fazit

Mit handwerklich gefertigten Türen aus Holz, egal ob für den Innen- oder Außenbereich, kann sich der Tischler eine Nische am Markt sichern. Kunden schätzen die Individualität und die Vielseitigkeit des kreativen und solide arbeitenden Tischlers. Damit die Tür auch ein Aushängeschild des Betriebes wird, sollten die Türen wunschgemäß gefertigt sein und sehr präzise schließen. Egal ob das Schloss ganz klassisch „analog“ oder „smart“ gesteuert die Tür verschließt, die entsprechende Fräsung stellt nun kein Problem mehr dar. 

Links:
Benz Werkzeugsysteme
Leitz
Mafell

 

Autor/in:
Stefan Böning
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