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Perfekte Profile für feine Fenster

09.03.2015

Der Fensterspezialist Weinzetl hat seine Holzfensterproduktion komplett neu aufgestellt. Bei der Einzelteilefertigung auf einer Weinig Conturex 124 setzt man dabei auf eine neue Werkzeugtechnologie von Oertli.

Im niederösterreichischen Fensterbauunternehmen Weinzetl stehen hektische Tage an: Heuer feiert die Firma ihr 50-jähriges Bestandsjubiläum; kurz vor der traditionellen Hausmesse im März wird noch der Schauraum neu gestaltet und so nebenher geht in der Produktionshalle nebenan gerade die neu konzipierte Holzfensterfertigung in Betrieb. 
1965 wurde Weinzetl als Möbeltischlerei gegründet. Mitte der 1970er-Jahre stieg der Betrieb in die Herstellung von Kunststofffenstern ein. Anfang der Achtziger schloss man sich mit anderen Betrieben zur Produktionsgemeinschaft „waku“ zusammen, an der Weinzetl heute noch als Hauptgesellschafter beteiligt ist. Mit der Herstellung von Möbeln hat das Unternehmen längst nichts mehr zu tun, stattdessen gilt Weinzetl heute als ausgewiesener Fensterspezialist, der ebenso individuelle Produkte für Privatkunden fertigt wie Großaufträge für Projekte von Bauträgern. Am Standort in Heidenreichstein im Waldviertel befindet sich die Produktion der Kunststofffenster, am Firmensitz in Wiener Neustadt sind neben der Verwaltung und dem Schauraum auch die Holz- bzw. Holz-Alufenster-Fertigung untergebracht. 
„Wir sind mit Kunststoff-Fenstern groß geworden“, sagt Barbara Weinzetl, die zusammen mit Friedrich Pichler die Geschäfte bei Weinzetl führt. Rund 85 Prozent der Fenster entfallen im Unternehmen noch heute auf den Kunststoff-Bereich, der Rest – rund 7.000 bis 10.000 Fenstereinheiten im Jahr – sind Holz- und Holz-Alu-Konstruktionen. 

FLEXIBILITÄT STATT MASSE
Die alte Holzfenster-Produktionsanlage stammte aus dem Jahr 1996, war damals technisch am neuesten Stand und leistete auch bis zuletzt gute Dienste. Allerdings haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Bedürfnisse am Markt stark geändert: „Unsere alte Anlage war sehr auf Menge ausgerichtet. Dabei ist gerade im Holzbereich immer mehr Flexibilität und Individualität gefragt. Wir machen in dem Segment auch viele Spezialanfertigungen“, sagt Friedrich Pichler. 
Im Oberflächenbereich seien heute etwa eine wesentlich feinere und genauere Verarbeitung üblich. Im Zuge der Neukonzeption der gesamten Fertigungsabläufe entschieden sich die Fensterspezialisten deshalb auch für die Anschaffung eines Lackierroboters. 
Flexibilität statt Masse, das war auch bei der Wahl der neuen Holzbearbeitungsmaschinen ein wichtiges Kriterium. Statt wie zuvor auf einer verketteten Fertigungslinie übernehmen jetzt zwei Maschinen von Weinig die Bearbeitung: Das Vorhobeln der Fensterkantel wird auf einem Powermat 1200 erledigt, die komplette weitere Bearbeitung mit allen Fräsungen und Bohrungen erfolgt dann in Einzelteilfertigung auf einem CNC-Bearbeitungszentrum, einem Weinig Conturex 124. 
Insgesamt zehn Holz- bzw. Holz-Alu-Fenstertypen – von IV 78 bis IV 92-Profilen – werden in Wiener Neustadt produziert. Gerade bei der Herstellung der Fensterprofile spielt dabei auch das Werkzeugsystem eine entscheidende Rolle. Bei Weinzetl entschied man sich nach einer ausführlichen Beratungsphase für den Einsatz von Bearbeitungswerkzeugen von Oertli.

ZWEI IN EINEM
Bei der stirn- und der längsseitigen Bearbeitung der Fensterhölzer kommen die Hybrid-Werkzeuge von Oertli zum Einsatz. Dabei werden zwei Schneidesysteme auf einem Werkzeug kombiniert: Einfache Wendeschneiden sorgen für das Vorfräsen, das Finish erfolgt mit Fertig- oder Profilschneiden. Auf diese Weise erhöhen sich die Standzeiten der Fertigschneiden, gleichzeitig hilft die Technologie, Zeit zu sparen, weil zwei Fräsvorgänge in einem Arbeitsschritt erledigt werden. 
Um die gewünschte hohe Präzision und Effizienz gewährleisten zu können, setzt Oertli bei den Werkzeugen außerdem auf ein neues Spannsystem namens SP-Technik. „Werkzeuge dürfen nur sehr enge Rundlauf- und Wuchtgüte-Toleranzen haben“, erklärt Oertli-Kundenbetreuer Roman Edelhofer . Bei der SP-Technologie wird dazu das Werkzeug auf den Aufnahmedornen verklebt. So lassen sich unerwünschte Vibrationen vermeiden und eine konstant hohe Wuchtgüte erreichen. Zudem können die Drehzahlen sowie die Vorschubgeschwindigkeit bei gleichbleibender Oberflächenqualität markant erhöht werden. Aufgrund der Verklebung wird für einen Werkzeugaustausch die ganze Spindel gewechselt, wobei bei Oertli auch einzelne Scheiben im Werk getauscht werden können. 
Die beiden Systeme – Hybrid-Technologie und SP-Technik – hat man bei Oertli im Zusammenspiel in der neuen HPC-Werkzeuggeneration (das Kürzel steht dabei für High Performance Cutting) zusammen­geführt.

STABILE VERBINDUNG
Auch für die Eckverbindungen der Holz-Alu-Fenster setzt man auf ein neues Oertli-System: Bei der „Connect“-Verbindung handelt es sich um eine Langloch-Zapfenverbindung, wie sie im Prinzip auch im Möbelbau schon lange zum Einsatz kommt. In der Fensterfertigung ermöglicht das System eine besonders stabile Eckverbindung, die auf Bearbeitungszentren effizient und kostengünstig gefertigt werden kann. „Wir haben diese Art der Verbindung ganz bewusst gewählt. Der eingestemmte Zapfen ist ja eigentlich eine klassische Tischlerverbindung“, sagt Weinzetl-Werkstättenleiter Georg Schweighofer. Auch wenn die Eckverbindung beim fertigen Fenster gar nicht sichtbar ist, so setzt man damit in der Herstellung doch ein Zeichen für handwerkliche Qualität.
Erst nach der Bearbeitung auf der Conturex werden die Kantel bei Weinzetl etikettiert, bevor sie in einem Flutungs-Tunnel grundiert, anschließend verleimt und zusammengebaut werden. Nach zweimaligem Lackieren (hier kommt der neue Lackierroboter zum Einsatz) und der Trocknung geht es weiter in die Endfertigung, wo dann die Beschläge und die Clips für die Aluprofile angebracht und die Fenster verglast werden. 
Mit der Umstellung auf die neue Fertigungslogistik baut man bei Weinzetl jetzt übrigens auch die Aluprofile selbst zusammen. Noch ein wichtiger Schritt, um sich weiterhin effizient und flexibel am Markt behaupten zu können. 
www.weinzetl.at, www.oertli.at

Autor/in:
Thomas Prlic

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