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Bernhard Dettelbacher an der neuen Tempora 60.12 von Format-4: Die  Kante ist an einem Möbel ein Zeichen für Perfektion, sagt der Tischlermeister.

Produzieren wie die Großen

09.01.2018

Die Tischlerei Dettelbacher fertigt als drei-Personen-Unternehmen dank einer Hightechausstattung fast wie ein Industriebetrieb.

Die Kantenanleimmaschine lässt sich dank E-Motion-Ausführung komplett per Touchdisplay steuern.
Erst nach dem Bekanten kommen die ­Werkstücke für Fräsungen und Bohrungen auf die CNC.
Im Überblick

Betrieb: Tischlerei Dettelbacher, 
9470 St. Paul
Mitarbeiter: 3
Produkte: Möbel und Türen
Maschinenpark
Felder FW 1100 Breitbandschleifmaschine
Format 4 H 20 CNC-Maschine
Format 4 KA 3200 liegende Plattensäge
Format 4 K 40 Formatkreissäge
Format 4 Tempora 60.12 E- Motion ­Kantenanleimmaschine

Als sich Bernhard Dettelbacher vor rund zehn Jahren mit seiner eigenen Tischlerei in St. Paul im Kärntner Lavanttal an den Start wagte, stand er vor einer wichtigen Entscheidung: „Ich habe mich gefragt: Will ich eine moderne Tischlerei gründen oder eine traditionelle?“ Der junge Tischlermeister hatte zuvor bei einem ehemaligen Arbeitgeber bereits an einer CNC gearbeitet. „Das war wirklich inspirierend“, erzählt er. „Man braucht heutzutage außerdem einfach eine gewisse Schnelligkeit in der Fertigung – und das funktioniert nur mit modernen Maschinen.“ Und so fiel ihm die Richtungsentscheidung nicht schwer.  Nach den Anfängen mit einigen Hand- und Standard­maschinen kaufte er 2010 die erste CNC-Maschine, dazu eine Plattensäge, eine Kreissäge und eine Breitbandschleifmaschine – allesamt von Format 4. 2013 folgte dann die erste Kantenanleimmaschine, ebenfalls von der Tiroler Felder-Gruppe. 

Schneller und genauer

Ein Hightechmaschinenpark und insgesamt eine große Investition für den kleinen Dreipersonenbetrieb. Neben Bernhard Dettelbacher arbeitet noch seine Lebensgefährtin Sabrina Sumper und der Facharbeiter Philipp Kaimbacher im Unternehmen. „Man muss sich so etwas gut durchrechnen“, sagt Dettelbacher, der in den vergangenen Jahren eine Menge Arbeitszeit und viel Herzblut in den Aufbau seiner Firma gesteckt hat. Dabei war für ihn ein hoher Automatisierungsgrad in der Werkstatt praktisch eine Selbstverständlichkeit: „Eine Maschine bringt einfach eine Arbeitserleichterung. Man kann damit schneller produzieren, ist genauer und die Ware kann einfach rascher zum Kunden raus“, sagt Dettelbacher über seine Arbeitsphilosophie und nennt ein praktisches Beispiel: Rund sieben Minuten dauere die Bearbeitung einer Innentüre auf der CNC. „Mit der Hand bräuchte man ein Vielfaches davon.“ David Hochleitner, der zuständige Außendienst­mitarbeiter der Felder-Gruppe ergänzt: „Aus meiner Sicht ist es fast verpflichtend, auch als kleine Tischlerei in die Automatisierung zu investieren, wenn man ganz oben mitspielen will.“

Vielseitigkeit gefragt

Dettelbacher und sein kleines Team arbeiten vor allem im Privatsegment, produzieren vor allem Möbel, aber eben auch Haus- und Innentüren. „Ein Tischler muss heute vielseitig sein, vom Boden bis zur Küche alles machen und sich als kompletter Inneneinrichter positionieren“, ist der Tischlermeister überzeugt. Die Tischlerei beliefert vor allem Kunden in Kärnten und der Steiermark und arbeitet häufig mit einem Architekten in Klagenfurt zusammen. Dank guter Mundpropaganda ist der Betrieb insgesamt so gut ausgelastet, dass er – angesichts der sonst modernen Ausstattung eigentlich erstaunlich – immer noch ganz ohne Website auskommt. 
Es sei ein häufiges Vorurteil unter Kollegen, dass die CNC rund um die Uhr laufen müsse, um sich zu rechnen, sagt Dettelbacher. Bei ihm ist die Maschine rund zwei Stunden am Tag im Einsatz. Freilich gehören dazu auch gut geplante Abläufe. Sabrina Sumper ist vor allem für die Planung im Büro zuständig – gearbeitet wird mit dem CAD-System von Imos –, er selber sei „eher der Praktische“, sagt Dettelbacher. Auch Philipp Kaimbacher ist in der Werkstatt viel an den Maschinen im Einsatz. 

Maßgeschneidert produzieren

 „Wir haben in der Produktion Prozesse wie bei den Großen, können aber als kleiner Betrieb viel individueller arbeiten und vor allem komplett maßgeschneiderte Lösungen anbieten“, sagt Bernhard Dettelbacher. Nach der Planung und Arbeitsvorbereitung im Büro erfolgt der Zuschnitt auf der Plattensäge, anschließend die Kantenbearbeitung, dann erst kommt das Werkstück für Fräsungen und Bohrungen auf die Profit H20-CNC  von Format 4. 

Kantentechnik am letzten Stand

Im Frühjahr hat der innovationsfreudige Tischlermeister wieder in seinen Maschinenpark investiert – und sich eine neue Kantenanleimmaschine am letzten Stand der Technik zugelegt – eine Tempora 60.12 in der „E-Motion“-Ausstattung, die sich komplett über das große Touchpanel steuern lässt. 
Je nach Einsatzbereich arbeitet man in der Tischlerei wahlweise mit EVA oder PU-Leim. Das  Wechselleimbecken an der Maschine lässt sich mit exakt drei Handgriffen austauschen und bringt so ebenfalls viel Zeitersparnis, dank der Teflonbeschichtung des Leimbeckens ist auch die Reinigung unproblematisch. Der PU-Leim kommt vor allem bei Möbeln für Feuchträume oder auch in Küchen – etwa an Arbeitsplatten oberhalb des Geschirrspülers – zum Einsatz. Bernhard Dettelbacher verwendet für die Möbelfertigung fast ausschließlich 2-mm-ABS-Kanten – diese böten einfach den besseren Schutz, sagt er überzeugt. Bei Innentüren wiederum sind Massivholzanleimer gefragt. Dank der E-Motion-Steuerung sind auch bei Materialänderungen alle Einstellungen immer rasch erledigt. 

Hightech-Ausstattung

Auch im Inneren verfügt die Tempora 60.12 (die erste Zahl steht für die Plattenhöhe, die zweite für die maximale Kantenstärke in mm) über modernste Technik: So lässt sich etwa die Leimauftragsrichtung der Leimwalze bei Bedarf umkehren, was beispielsweise bei Massivholz und Schichtstoff für bessere Ergebnisse und eine höhere Haftfähigkeit sorgt. Das Kappsäge-Aggregat ermöglicht präzise Schnitte bei allen Anwendungen, der Multifräser zum Bündig- und Radienfräsen, das Eckenrundungsaggregat sowie die Radien- und Flächenziehklingen sorgen für sauber bearbeitete Kanten. Ein eigenes Polieraggregat ermöglicht ein perfektes Finish. Die Maschine ist außerdem mit einem Nesting-Paket ausgestattet, das auch die präzise Bearbeitung von Werkstücken mit Topfbohrungen oder Flächen mit spitzem Winkel zulässt. 
„Im Prinzip machen wir an der Maschine eine Komplettbearbeitung“, sagt Dettelbacher. Die  Kante ist an einem Möbel für ihn auch ein Zeichen für Perfektion. „Und als Tischler muss man ja auch in Sachen Qualität an der Industrie dranbleiben“, sagt der Tischlermeister.  
Um die hohe Auslastung noch besser bewältigen zu können, sucht die kleine Tischlerei derzeit allerdings dringend nach zusätzlichem Personal. Dass dieses immer schwieriger zu finden sei, liege auch daran, dass das Handwerk keinen hohen Stellenwert in der Gesellschaft habe, findet Bernhard Dettelbacher. Die Branche könnte – etwa mit Fokus auf Qualität und individuelle Maßarbeit – selbst ihren Beitrag dazu leisten, diesen Trend zu ändern, ist er überzeugt: „Die Tischler müssten sich dazu einfach wieder mehr auf ihre Stärken besinnen.“ 

Autor/in:
Thomas Prlic
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