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Rollenspiele

07.10.2014

Brennpunkt Welche Rolle spielt der Tischler in Sachen Wohnen? Dieser Frage ging  die Bundesinnung in einer aktuellen Studie nach. Die Ergebnisse zeigen Herausforderungen auf, erlauben aber auch einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft.

 

Ziel der Studie ist es, aufgrund der Ergebnisse die aktuelle Rolle des Tischlers zu analysieren und das zukünftige Handeln entsprechend anzupassen. „Wir wollten herausfinden, wo in Österreich Möbel gekauft werden und welche Rolle der Tischler dabei spielt. Mithilfe der Ergebnisse wollten wir zum einen den Konsumenten das Tischlerhandwerk in seiner modernen Form näherbringen, zum anderen die Tischler auf neue Trends aufmerksam und damit fit für die Zukunft machen“, fasst der Wiener Landesinnungsmeister Johann Burgstaller die Intentionen der Interessenvertretung zusammen. 
Für Helmut Mitsch, Landesinnungsmeister in Niederösterreich, ist – nicht erst aufgrund der Studienergebnisse – eines sonnenklar: „Der Trend zur Spezialisierung wird und muss sich fortsetzen. Hier gilt es, die Betriebe noch viel mehr in die Pflicht zu nehmen, sich nach außen ein klares Erscheinungsbild zu geben.“ Denn dann sind diese und ihr Angebot für den Konsumenten klar einzustufen. Es gilt, dem weiteren Vormarsch industriell gefertigter Möbel entgegenzuwirken. Der Weg ist aber nicht der, selbst auf den Zug der billigen Massenproduktion aufzuspringen. Die Devise heißt, „den Unterschied durch eine hochwertige Dienstleistung herausarbeiten“. Landesinnungsmeister Peter Pauschenwein aus dem Burgenland ergänzt: „Der Tischler wird von der Breite noch mehr in die Tiefe gehen, sich die für seine Expertise passende Nische suchen.“ 

Die Bedeutung des Wohnens

Wohnen hat in unserer Gesellschaft eine ganz besondere Bedeutung. Mit gutem Wohnen lassen sich Lebensqualität, Individualität und sichere Vorsorge schaffen. „Der Tischler erfüllt die Anforderungen des Marktes in diesen Kerndimensionen von allen Möbelanbietern am allerbesten“, sagt Werner Beutelmeyer, Geschäftsführer des Market Instituts. Folglich überrascht ein Ergebnis der Studie nicht: 80 Prozent der Kunden sind mit der Arbeit des Tischlers sehr zufrieden. Die positive Konsequenz daraus ist, dass 74 Prozent ihren Tischler mit Begeisterung weiterempfehlen. „Die hohe Weiterempfehlungsrate kann zu einem wichtigen Hebel für das zukünftige Geschäft des Tischlers werden“, folgert Beutelmeyer. Dieser Einschätzung stimmt Bundesinnungsmeister Josef Breiter zu. Er sieht einen entscheidenden Vorteil in der Nachkaufphase und pocht auf eine unbedingte Nutzung dieses Potenzials. „Bis dato empfehlen uns die Kunden ganz zufällig weiter, wenn wir aber diese Chance gezielt umsetzen, wissen wir, wo der einzelne Betrieb ansetzen kann.“ 

„Großfläche“ weiter im Aufwind

Neben vielen positiven Punkten – dazu später noch im Detail – zeigt die Studie aber auch, dass der Tischler Marktanteile verliert. Auf die Frage: „Wo habe Sie zuletzt Möbel gekauft?“, geben 58 Prozent die Großflächenhändler an, 31 Prozent gingen zum Möbeldiskonter oder investierten in Selbstbaumöbel. An dritter Stelle der Bezugsquellen rangiert der Tischler mit elf Prozent. Das bedeutet ein Minus von rund vier Prozent gegenüber der Trenderhebung (OÖ) im Jahr 2005 (siehe Kasten links). Obwohl, nach der nächsten Frage: „Welche Einkaufsquellen werden an Bedeutung gewinnen?“, wird den Tischlern von 33 Prozent der Befragten Aufholpotenzial bescheinigt. Auch die Bedeutung des Internetversandhandels in Sachen Möbel­einkauf wird zunehmen. Diese Tatsache ist für die Experten allerdings eine Parallelentwicklung. Dass Tischler selbst in den Onlinehandel einsteigen, sieht man für die Zukunft nicht. Helmut Mitsch dazu: „Für den Tischler ist es kontraproduktiv, über das Internet zu vertreiben, da das nur mit standardisierten Produkten funktioniert. Und genau da wollen wir nicht hin.“ Dass man sich allerdings in Sachen Informations- und Kommunikationsmedien umstellen muss, ist klar. Ebenso wie die gute Nutzung des Internets als Plattform für die Geschäftsanbahnung. Denn der Großteil der Konsumenten informiert sich bereits online über den Tischler, bevor er bei diesem konkret anfragt. Eine professionell gestaltete und gewartete Homepage ist also für jeden Pflicht – ob EPU, KMU oder Großbetrieb. In Sachen Ausgaben für Möbel bleiben die Österreicher übrigens zurückhaltend: Die Hälfte der Befragten plant 2014 weniger Geld auszugeben als im Jahr zuvor. Für Peter Pauschenwein sind hier die unterschiedlichen Antworten der Altersgruppen interessant: „Die Jüngeren wollen durchaus mehr für Möbel ausgeben, die Älteren sind vorsichtiger. Das ist auch ein Faktum, auf das man in der Werbeansprache eingehen könnte.“ 

Zuverlässig und langlebig

Zwar geistern immer wieder Geschichten von der Unzufriedenheit beim Möbelkauf herum. Fakt ist jedoch, dass die Zufriedenheit zugenommen hat. So erhält der Tischler bei der Freundlichkeit, der Lieferung und Abholung, beim Liefertermin und beim Preis-Leistungs-Verhältnis gute bis sehr gute Werte. Auch der Ökologietrend schlägt beim Möbelkauf durch. 
In Sachen Trends bleiben die Anteile bei Massivholz und den Materialien eher unverändert. Helles Holz ist nach wie vor in, bei den Oberflächen sind Natur und Matt weiter im Vormarsch, glänzende Optik bleibt auf gleichem Niveau beliebt. In der Preiskategorie fühlt sich der Österreicher eher zur mittleren Schiene hingezogen. „Das ist ein Wert, der uns Tischlern zugute kommt, da wir uns in diesem Segment zu Hause fühlen“, sagt Bundesinnungsmeister Josef Breiter. Die Top Vier der Erwartungen an den Möbellieferanten sind ein gute Betreuung, die Einhaltung der vereinbarten Lieferzeit, das Vorfinden einer großen Auswahl und die Verlässlichkeit. Der Tischler im Speziellen punktet in den Köpfen der Konsumenten bei perfekt ausgeführten, individuell gefertigten, langlebigen Qualitätsprodukten. Ebenso kann man sich auf ihn verlassen und er steht für eine fundierte Beratung und Planung. Der Preisvorteil spielt nur für 13 Prozent der Befragten eine Rolle. Dass Möbel sofort verfügbar sind, erwartet überhaupt nur ein Prozent. 

Hohe Zufriedenheit

Sieht man sich das Marktvolumen aus Konsumentensicht an, so haben 60 Prozent der Österreicher bereits einen Tischler beauftragt, 20 Prozent spielen mit dem Gedanken einer Anfertigung. Vor allem Küchen- und Einbaumöbel werden vom Tischler angefertigt. Diese Bereiche liegen nicht umsonst ganz vorne im Ranking, sagt Helmut Mitsch: „Küchen und Einbaumöbel sind besonders planungs-, beratungs- und montageintensiv. Und darum punktet dort ein Tischler mit Abstand am höchsten.“
Allgemein ist die Arbeit des Tischlers beim Konsumenten hoch geschätzt. Für den burgenländischen Landesinnungsmeister Peter Pauschenwein ist die eingangs schon erwähnte Zahl auch die beeindruckendste der Umfrage: Auf die Frage: „Wie zufrieden waren Sie mit dem Tischler?“, zeigen sich 80 Prozent sehr zufrieden, 18 Prozent zufrieden. Das ergibt die extrem hohe Zustimmung von 98 Prozent. Pauschenwein: „Dadurch kommt einiges zurück. So ist es verständlich, dass 74 Prozent der Kunden ihren Tischler weiterempfehlen, weil er eine tolle Arbeit macht.“ 

Die Botschaft ist klar

Folgendes Fazit lässt sich aus der Studie ziehen: Großflächenhändler, Diskonter und Selbstabholmärkte sind und bleiben die Marktleader, doch der Tischler hat seinen Fixplatz bei den Konsumenten. Er wird als kompetent wahrgenommen und weiterempfohlen. Ökologie, Nachhaltigkeit, die Rolle als Nahversorger, die Erhaltung der Wertschöpfungskette in der Region und die Lehrlingsausbildung stärken den Standort Österreich. 
Aber trotz des positiven Feedbacks ist Ausruhen nicht angesagt, denn „wir sind überzeugt, dass die Bevölkerung noch zu wenig über die Vielfalt an Tischlerprodukten und -dienstleistungen weiß“, sagt Johann Burgstaller. 
Um ein neues, modernes Tischlerbild hier wie dort zu verankern, soll die Kommunikation sowohl nach außen zu den Konsumenten als auch nach innen zu den Mitgliedern stärker in die Tiefe gehen, neue Trends und Fakten übermittelt werden. Welche Botschaften das sein sollen, ergibt sich aus den Umfrageergebnissen: Der Tischler arbeitet ökologisch, er hat kurze Anfahrtswege und er kalkuliert ehrlich. Die Tischlerware hat einen Wert, teuer erscheinen die Produkte nur auf den ersten Blick. Durch die Langlebigkeit einer Tischlerarbeit sind die Produkte wesentlich günstiger, als ihr Ruf es sagt. 
Dazu ist derzeit ein „Fair“-Partnerkonzept in Ausarbeitung, das all diese Pluspunkte zusammenfasst. „Wir wollen den Endkunden noch stärker die Vorteile des regionalen Anbieters vermitteln, der dadurch einen vergleichsweise kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlässt“, so der Wiener Landesinnungsmeister. 
In diese Richtung wird auch die neue Werbelinie gehen, die bis Ende des Jahres fertig sein soll.

Info

Studie: Wohnen in Österreich

Im Sommer 2014 führte das Market Institut im Auftrag der Bundesinnung eine repräsentative Studie unter dem Titel „Das Wohnen in Österreich und die Rolle des Tischlers“ durch. Ziel war es, zu erfahren, wie das Bild des Tischlers in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und wo sich daraus Chancen ergeben. Auch die Wohnvorlieben der Österreicher wurden untersucht. Im Rahmen der Onlineinterviews wurden 1000 Endverbraucher ab 15 Jahren befragt. Die Stichproben wurden so gewählt, dass Rückschlüsse auf die Situation in den einzelnen Bundesländern gezogen werden können. Als Vergleich wurde eine Basisstudie aus dem Jahr 2005 herangezogen. In der Auswertung wurden die Ergebnisse in der Gesamtheit angegeben, aber auch in Männer und Frauen sowie in drei Altersgruppen (15–29, 30–49 und 50 Jahre und älter) unterschieden.

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