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Smart Home: Zusperren ohne Schlüssel

19.12.2018

Auch Fenster, Türen und Beschattungsanlagen werden dank Vernetzung und digitaler Technik zu smarten Bauteilen, die dem Nutzer mehr Komfort im Alltag bieten können. 

Hersteller

Fensterbeschläge:

Siegenia, Maco, Winkhaus, Hautau, Gretsch-Unitas,

Türschlösser:

KFV, Maco, Winkhaus, Assa Abloy, Glutz, Gretsch-Unitas

Stromübertrager:

Assa Abloy

Energie-Haustürband:

Simonswerk

Türdrücker, Stoßgriffe mit Fingerscan:

FSB, Hoppe

Motorgetriebene Türöffner:

Geze, Hörmann

Fenstergriffe mit Smart Home-Anbindung:

Hoppe, Schellenberg

Schließzylinder mit smarten Funktionen:

Evva, Salto, Burg Wächter

Smarte Verglasungen:

SargeGlass

Rolläden und Zubehör:

Somfy, Warema

Smart Home hält Einzug in viele unserer Häuser und Wohnungen. Das gilt nicht nur für vernetzte Haushaltsgeräte, Möbel, Beleuchtungs- oder Soundanlagen. Auch für die Eingangstür und das Fenster nebst Zubehör gibt es smarte Anwendungen. So lassen sich viele Funktionen durch die digitale Vernetzung von unterwegs ausführen und abfragen. Auch die Verwaltung von Schließanlagen kann mit den entsprechenden Systemen vereinfacht und flexibler werden. Eine entscheidende Frage dabei ist: Wie soll das Gebäude später genutzt werden? Was für das Wohnhaus einer Familie ein unnötiger, auch finanzieller Aufwand wäre, kann für ein Mehrfamilienhaus oder einen Zweckbau eine durchaus sinnvolle Alternative sein.

Smarte Zutrittslösungen

Mit smarten Haus- und Eingangstüren ist technisch weitaus mehr möglich als die Kommunikation via Sprache und Bild von verschiedenen Orten mit der Türsprechstelle. Motorisch betriebene Schließsysteme ermöglichen das Öffnen und Schließen der Haus- und Eingangstür von unterwegs. Aber auch beim Annähern an die Tür mit vollen Händen lassen sich diese Schlösser motorisch öffnen oder verschließen. Die Tür ist nach dem Schließen wieder so verschlossen wie nach einer zweifachen Schlüsseldrehung an einem analog verschlossenen Haustürschloss. So wie es von vielen Versicherungen als verschlossene Tür gefordert wird.
Bei Haustüren von Mehrfamilienhäusern ergeben sich noch weitere Anwendungsmöglichkeiten. Hier sind unter anderem ein möglichst hoher Komfort mit der ganztägigen Öffnungsmöglichkeit über eine Türsprechstelle, ein hoher Einbruchschutz und ein sicherer Fluchtweg für die Bewohner oder Mieter gefragt.  
In einer weiteren Ausbaustufe kann mit Drehtürantrieben gearbeitet werden. Diese ermöglichen einen berührungslosen Zutritt. Was für Menschen mit Handicap ein sehr wertvolles Hilfsmittel ist, kann auch im privaten Alltag nützlich sein. Egal ob der Familieneinkauf, die Babyschale oder die Reisetasche in das Haus oder die Wohnung getragen wird, die Eingangstür öffnet, schließt und verschließt sich voll­automatisch. Hier sollten das Schloss und der Drehtürantrieb miteinander kommunizieren. Vor jedem Öffnen muss der jeweilige Schlosszustand abgefragt und die Öffnung des Schlosses veranlasst werden. Und nach dem Schließen der Tür sollte das Schloss wieder ordnungsgemäß verriegeln. Aber auch ein den gültigen Normen entsprechender Einklemmschutz sollte inte­griert sein und mögliche Unfälle vermeiden.

Öffnen ohne Schlüssel

Als Ersatz für den analogen Schlüssel zum Verschließen bzw. Öffnen kommen verschiedene Systeme zum Einsatz. Während sich ein Mensch im Rollstuhl mit einer Fernbedienung Zutritt verschafft, kommen bei Ein- oder Mehrfamilienhäusern weitere Systeme zur Anwendung. Hier wird oft mit Fingerprint-Scannern, Code-Tastaturen, Karten- bzw. Chiplesegeräten oder mit unterschiedlichen Signalempfängern wie Bluetooth oder Wlan gearbeitet. Alle Systeme haben Vor- und Nachteile. So ist zum Beispiel der Fingerabdruck eines Menschen einmalig, bei Kindern im Wachstum oder Menschen, deren Hände sehr häufig in Kontakt mit Wasser und Chemikalien kommen, kann es jedoch Probleme geben. Code-Tastaturen können sich nach einiger Zeit abgreifen und somit ihr Geheimnis preisgeben. Hier sollte der Code in regelmäßigen Abständen verändert werden. Auch Schließkarten, Chips oder Signalcodes von Smartphones sind auslesbar und hackbar. Man sollte deshalb darauf achten, dass nur Motorschlösser mit Notschlüssel zum Einsatz kommen. Solcherart ausgestattete Türen lassen sich auch bei einem Stromausfall oder einer Störung jederzeit öffnen und verschließen. Außerdem sollten diese, wenn gefordert, über eine Panikfunktion verfügen.

Komfort & Sicherheit

Der große Vorteil elektronischer Schließsysteme liegt darin, dass der Adminis­trator Berechtigungen entfernen und neu hinzufügen kann. So kann ein verloren gegangener Chip einfach aus dem System gelöscht und ein neuer erstellt werden. Auch Schließzeiten lassen sich hinterlegen und abfragen. Somit ist beispielsweise auch eine Einbindung in die Arbeitszeiterfassung von Firmen bei einigen Systemen möglich. Des Weiteren können z. B. auf dem Chip Mitarbeiterguthaben gespeichert und zur Zahlung am Kaffeeautomaten oder für die Kantine im Betrieb eingesetzt werden. 
Datenschutz beachten
Der Hallenzugang einer Turnhalle für einen Sportverein wird nur in dem Zeitfenster ermöglicht, in dem dieser berechtigt ist, die Halle zu nutzen. Natürlich können auch die Zeiten und die Personen erfasst werden. So lässt sich nachvollziehen, wann von wem und wie oft eine Tür geschlossen wurde. Gerade wenn an verschiedenen Standorten ständig wechselnde Zutrittsberechtigungen benötigt werden, wie zum Beispiel bei öffentlichen Gebäuden oder Firmen mit unterschiedlichen Standorten, dann können elektronische Schließsysteme ihre Vorteile voll ausspielen. Bei so vielen technischen Möglichkeiten kommt man jedoch am Thema Datenschutz nicht vorbei. Diesem sollte auch hier Beachtung geschenkt werden.
Einige dieser Funktionen können auch durch Nachrüsten erreicht werden. So lassen sich durch den Austausch des Schließzylinders einige Vorteile der elektronischen Schließsysteme nutzten. Hier wird die Energieversorgung mit entsprechend leistungsstarken Batterien gewährleistet. Auch wenn diese Systeme nicht an ein Smart Home-System gebunden bzw. in dieses eingebunden sind, bieten sie jedoch smarten Komfort.

Bedienkomfort beim Fenster

Smarte Fenster und Fenstertüren informieren in der Grundausstattung über den jeweiligen Schließzustand. In höheren Ausbaustufen sind auch motorische Anwendungen möglich. So können diverse Lüftungsszenarien programmiert und abgerufen werden. Eine entsprechende Planung und die Ausrüstung der Fenster mit motorgetriebenen Komponenten sind dafür eine Grundvoraussetzung.
Von den Beschlagherstellern werden diverse Schaltkontakte zum Einbau in den Fensterbeschlag angeboten. Diese sind sowohl mit Kabelanschluss als auch mit Funktechnik erhältlich. Die Sensoren lassen sich mit verschiedenen voreingestellten Szenarien in ein Smart Home-System einbinden, sodass sich zum Beispiel beim Kippen der Fenster automatisch das Licht einschaltet bzw. die Jalousie nach unten in eine vorab definierte Lüftungsposition fährt oder bei einem Einbruch durch Aufhebeln ein Alarm ausgelöst wird. Nachrüstvarianten sind ebenfalls zu bekommen. 
Mittlerweile sind Fenstergriffe erhältlich, die ebenfalls einige dieser Funktionen meistern und sich zur Überwachung des Schließzustandes in das Smart Home-System einbinden lassen. Über die Kommunikation mit dem Funkstandard EnOcean sind keinerlei Anschlussarbeiten erforderlich. Auch Batterien werden nicht benötigt. Die Informationen werden wartungsfrei, zuverlässig und ohne Elektrosmog über­tragen.
Gerade bei großen Elementen können automatisch gesteuerte Hebe-Schiebe-Anlagen für Bewohner mit Handicap die Nutzung erleichtern. Szenarien wie Spaltlüftung, Öffnen, Verriegeln auf Knopfdruck, aber auch eine einfache manuelle Bedienung bei Stromausfall sollten jederzeit leicht abrufbar und ausführbar sein. 

Dem Wetter angepasst

Rollläden und Beschattungen lassen sich frei nach den Wünschen der Nutzer und angepasst auf unterschiedliche Tageszeiten oder verschiedene Situationen in ein Smart Home-System einbinden. So kann etwa eingestellt werden, dass die Rolläden nur teilweise geschlossen sind, wenn sich die Fenster in der Lüftungsposition befinden, komplett geschlossen, wenn ein Einbruch erfasst wird – oder sich in Sekundenschnelle öffnen, sobald ein Rauchmelder auslöst. Mit einer langsam, sich Stück für Stück öffnenden Jalousie lässt sich ein Aufwachszenario für den Tagesbeginn programmieren. Oder es wird die Anwesenheit der Bewohner imitiert, während diese verreist sind. Technisch ist einiges möglich, jedoch abhängig von der Ausbaustufe der jeweiligen Smart Home-Anlage. Wettereinflüsse, Sonne, Temperatur, Regen und Wind müssen mit Sensoren erfasst werden. Bei einer individuellen Beschattung benötigt man dazu mindestens einem Sensor je Himmelsrichtung bzw. Gebäudeseite. Nur so sind morgens die Räume im Osten, mittags jene im Süden und in den Abendstunden die im Westen beschattet.   

Mehr als nur Glas

Sogar Fensterscheiben können mit smarten Funktionen ausgestattet werden. Dynamische Verglasungen sind elektrochrome Gläser, die das elektronisch gesteuerte Tönen bzw. „Dimmen“ der Glasscheibe ermöglichen. Dies kann in bestimmten Zonen aber auch nahtlos innerhalb einer Scheibe erfolgen. Ganz ohne Außenjalousie kann auf diese Weise jederzeit ein Sonnen- oder Hitzeschutz abgerufen oder voreingestellt werden. Dies passiert ganz ohne Beeinträchtigung der Aussicht. Gerade bei Bildschirmarbeitsplätzen, die einen blendfreien Standort benötigen, kann dies ein großer Vorteil sein. 
Außerdem lassen sich auch Gläser mit Glasbruchsensor in ein Smart Home-System einbinden. Erfassen die Sensoren die Zerstörung einer Fensterscheibe, meldet das System einen Einbruch auf das Smartphone. Gleichzeitig können verschiedene voreingestellte Reaktionen ausgelöst werden: alle Lichter im Haus schalten sich ein, Musik wird abgespielt, die Rollläden am Haus fahren nach unten, der Hausalarm schaltet sich ein oder die Polizei wird gerufen.   

Der Strom im Bauelement

Motorschlösser, Schaltkontakte, Fingerprint-Scanner, Sensoren und Antriebe benötigen häufig einen Kabelanschluss. Dieser sollte möglichst flexibel, langlebig und per „Plug & Play“ für den Tischler zu händeln sein. Auch Netzteile oder Kabel wollen möglichst unsichtbar verlegt und platziert sein. Entstehende Prozesswärme sollte abgeleitet werden und darf nicht zum Hitzestau führen. Dieser könnte die elek­tronischen Bauteile schädigen, unbrauchbar machen oder schlimmstenfalls zu einem Brand führen.  
Bei der Planung muss auch der Havariefall in Betracht gezogen werden. Sämtliche Bauteile sollten  einfach zu erreichen, zu überprüfen und im Bedarfsfall auszutauschen sein. Auch auf mögliche Feuchtigkeit ist zu achten. Diese kann sowohl von außen durch Regenwasser aber auch von innen als sogenanntes Schwitz- oder Tauwasser anfallen. Entsprechende Standards sollten eingehalten werden. Hier kann der Werkstoff Holz seine Vorteile ausspielen. Man ist nicht an vorgegebene Profile gebunden und kann individuell nach Bedarf fertigen. Statische Beeinträchtigungen durch Fräsungen für Netzteile, Kabelübergänge oder Antriebe können durch größere Rahmenbreiten oder entsprechende Füllstücke ausgeglichen bzw. kompensiert werden.

Es gibt je nach Hersteller unterschiedliche Systeme zur Übertragung von Energie und Informationen am Markt. So bietet ein spezielles Türband eine sichere und unsichtbare Kabelführung. Bei sogenannten Stößelkontakten, die zwei-, drei- oder mehrpolig zu bekommen sind, wird der Energie- und Informationsfluss beim Öffnen unterbrochen und erst beim Schließen wiederhergestellt. Einseitig federnd gelagerte Kontakte gleichen Toleranzen in der Falzluft der Elemente aus. Kabelübergänge, die verdeckt oder sichtbar verbaut werden, ermöglichen ähnlich wie das Türband eine dauerhafte Übertragung von Energie und Informationen ohne Unterbrechung. Für Bauelemente mit geringer Falzluft eignen sich verdeckte Kabelübergänge mit ein- oder beidseitig verdeckter Einbauwanne. Diese nehmen sowohl das hochwertige Spezialkabel nebst Schutzhülle auf, bieten Schutz vor Kollisionen und Kabelquetschungen, verhindern Verschleiß durch Scheuerstellen und ermöglichen durch einen Steckkontakt das Trennen von Rahmen und Flügelteil. Dieser Steckkontakt erlaubt auch den Anschluss von Wartungs- und Diagnosegeräten zur Erkennung und Beseitigung etwaiger Fehler sowie zum Aufspielen möglicher Software-Updates.  

Für den Tischler endet die Arbeit in der Regel jedoch am Anschlusskabel. Alles Weitere gilt es, den entsprechenden Gewerken zu überlassen. Tischler sind schließlich weder Elektriker noch Informatiker.  Wichtig ist aber, das Bauelement nach der Montage auf die volle Funktionstüchtigkeit zu prüfen, dies entsprechend zu dokumentieren und bei der Abnahme bestätigen zu lassen. Nur so kann der Beweis angetreten werden, dass das Bauelement voll funktionsfähig montiert wurde und eventuelle Fehler andere Ursachen haben. 

Autor/in:
Stefan Böning
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