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Stein des Erkennens

27.07.2020

Corona zeigt Charakter.

Niemand hat die Pandemie kommen sehen. (Fast) alle sind von ihr betroffen. Es gibt zwar Hilfen, aber sie werden sicher nicht jeden erreichen, wir können uns also nicht darauf verlassen. Wir sind im Wesentlichen auf uns selbst gestellt, und in dieser Situation wird klar: „Wer bin ich, wenn mir niemand zuschaut?“

Vier Wanderer sind auf einem komfortablen Weg im Wald unterwegs. Plötzlich hindert sie ein großer und seltener Stein namens lapis coronatus (lat. der gekrönte Stein) am Weiterkommen.

Der Erste sieht den Stein und nützt das Hindernis für ein kleines und erholsames Päuschen. Er macht dann einen Bogen um den Stein herum und geht gemütlich seines Weges weiter. Das ist der Phlegmatiker.

Der Zweite sieht den Stein, lacht und denkt sich: „Eine Chance, meine Sprungkraft zu testen“, hüpft drüber weg und pfeift ein Liedchen. Das ist der Sanguiniker.

Der Dritte bemerkt den Stein und zieht ein Gesicht: „Typisch … das passt genau zur Situation! Gerade jetzt ein Hindernis! So ein Pech kann auch nur mich treffen in diesem blöden Wald.“ Er ist von seinem Schicksal beleidigt und geht bedrückt um den Stein herum. Das ist der Melancholiker.

Der Vierte hat den Stein schon von Weitem bemerkt, geht schnaubend auf ihn zu und wuchtet ihn mit großem Kraftaufwand und hochrotem Kopf zur Seite. Er hat eine kraftvolle Tat vollbracht und ist mit sich zufrieden. Das ist der Choleriker.

Und wer sind Sie?
In allen Überlebens-Ratgebern lautet die Empfehlung: 
„Stay put!“, bleib’, wo Du bist, und schone Deine Kräfte!

Zwar wird der bedächtig Abwägende in einer kritischen Situation keine Lorbeeren für seine heroische Kühnheit ernten. Aber er wird Fehlentscheidungen und auch jenen konfusen Hyperaktivismus vermeiden, der oft sehr viel mehr (zusätzlichen) Schaden anrichtet. Das soll nicht der Aufschieberitis das Wort reden und auch kein Lob der Faulheit sein, sehr wohl aber eine Ermutigung, gerade jetzt bewusst auf innere Beständigkeit und Selbstdisziplin zu setzen, Eigensinn und Gelassenheit erfolgreich zu kombinieren und Beharrlichkeit und Geschehenlassen zu praktizieren. 

Weniger tun, aber das Wenige mit durchschlagender Wirksamkeit: Corona ist kein Hindernis, sondern ein Prüfstein für jede(n) von uns.

Autor/in:
Harald Jeschke

Harald Jeschke ist geschäftsführender Gesellschafter der softnomics marketing-kommunikation kg in Leon­ding.

softnomics kg, 4052 Ansfelden, Haider Straße 21, Tel.: +43 (0)732/797310,
E-Mail: h.jeschke@softnomics.at,
www.softnomics.at

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