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Sturschädel vs. Pfiffig

03.10.2018

Meister Sturschädel und Meister Pfiffig über Vorbildungsdefizite und deren Folgen.

Meister Sturschädel sagt:

Was da heute als Schulabgänger in unseren Betrieben zu Facharbeitern herangebildet werden sollte, ist schlichtweg ungeeignet. Was lernen die Jugendlichen überhaupt in neun Schuljahren? Die Neue Mittelschule haben sie besucht, aber die Grundsätze des Lesens, Schreibens und Rechnens sind für viele beinahe ein „spanisches Dorf“. Dabei wurden in den letzten Jahren nichts als Reformen und Reformen der Reformen durchgeführt, aber gebessert hat sich überhaupt nichts. Mir kommt vor, es wird in der Schule nur mehr gelehrt und nicht mehr gelernt.
Ein gewisses Grundbildungsniveau ist für einen Fachmann das Fundament, auf dem aufgebaut werden sollte, aber was tun, wenn fast nichts vorhanden ist?

Meister Pfiffig sagt:

Jammern ist natürlich auch eine Methode, um einen gewissen Unmut loszuwerden, nur weiterbringen tut es uns nicht. Ebenso wenig die Tatsache, dass das Thema Bildung oft als politischer Spielball herhalten muss.
Natürlich haben sich in den letzten Jahren die Anforderungen an die Jugend geändert, natürlich haben Eltern und Erzieher versucht, die Jugend vor allzu viel Leistungsstress zu schützen. Verschiedenste Technologien in beinahe allen Bildungsnischen wurden übernommen, und natürlich wurden unzählige schulische Versuche gestartet, deren Sinnhaftigkeit mitunter zu wenig hinterfragt wurde.
Ein weiteres riesiges Problem sehe ich auch in der Bildungstiefe, welche immer zu Lasten der Bildungsbreite leidet. Auch das allgemeine Bildungsniveau muss einem breiten Bildungsangebot gerecht werden. Dazu kommt, dass sich die Jugend kaum noch handwerklich betätigt.
All diese Faktoren, welche natürlich noch um einige ergänzt werden könnten, dienen nicht der verbesserten Bildungs- oder Leistungsförderung.
Auch der sogenannte Hausverstand kommt in unserem Bildungssystem zu kurz. Dazu gibt es zwar schon sehr gute Ansätze der Verbesserung mit viel Engagement von Schülern und Lehrern, allerdings noch viel zu wenige. Auch die sogenannte Teilqualifizierung ist eigentlich nur eine Reduzierung des Leistungsniveaus – auch wenn diese natürlich eine große Hilfe für Jugendliche mit Bildungsdefiziten darstellt, welche früher ganz einfach als Hilfsarbeiter bezeichnet wurden.
Die Ausbildungskosten sind ebenfalls ein gewisser Hemmschuh – immerhin übernimmt ja für alle Ausbildungsrichtungen der Staat die Kosten, nur nicht bei den Lehrlingen. Sicher könnte ein sogenanntes Berufsfindungsjahr (ein Schuljahr mit Schwerpunkt auf Handwerk, Technik oder Handel) eine Variante sein, um besser für die Facharbeiterausbildung vorbereitet zu sein. Auch ein gewisser Leistungsanreiz in den Betrieben kann eine fördernde Maßnahme sein. Vieles ließe sich da anführen, nur: Es muss sich etwas ändern und das in absehbarer Zeit. Dabei gilt es, nicht zu vergessen: Auch den Jugendlichen darf etwas zugetraut werden. Die Sinnhaftigkeit wird ausschlaggebend sein.

Autor/in:
Michael Fischler
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