Direkt zum Inhalt
Einfache Apps, die auf mobilen Endgeräten abrufbar sind, sollen die täglichen Produktionsabläufe vereinfachen.

Tapio: Ökosystem für die Holzindustrie

02.03.2018

Die Plattform tapio entwickelt mit Partnern aus der Maschinen- und Zulieferindustrie digitale Services und Lösungen für Tischler und Möbelhersteller. Tapio-Vertriebsleiter Julian Spöcker erklärt, was dahintersteckt.

"Tapio soll die Plattform für die Holzindustrie werden, in der sich Kunden und Partner verbinden – wie in einem Ökosystem", sagt Julian Spöcker, tapio Head of Sales.

Vor rund einem Dreivierteljahr, auf der Fachmesse Ligna in Hannover, hat der deutsche Maschinenhersteller Homag die digitale Plattform „tapio“ vorgestellt. Mittlerweile ist tapio ein eigenständiges Unternehmen, Homag ist – so wie eine Reihe weiterer Firmen aus der Maschinen- und Zulieferindustrie – weiterhin als wichtiger Partner mit dabei. Die Plattform soll künftig neutral agieren und auf diese Weise langfristig Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette im Holzbereich zusammenbringen. Für die Anwender – etwa Tischler und Möbelproduzenten – sollen so neue Services und durchgängig digitale Lösungen entwickelt werden. Im Interview spricht Julian ­Spöcker, Verantwortlicher für den Vertriebsbereich, darüber, wie tapio in der Praxis funktioniert und über die langfristigen Ziele der Plattform.

Tischler Journal: Herr Spöcker, was hat sich seit der Vorstellung von tapio auf der Ligna vor einem Dreivierteljahr getan?
Julian Spöcker: Auf der Ligna hat tapio einen Teil seiner Produkte noch als Vision präsentiert. Mittlerweile haben wir drei Applikationen für unsere Kunden verfügbar und mehr als 17 Partner. Die Apps sind das MachineBoard, das ServiceBoard und DataSave. 

Wie funktionieren diese Apps?
MachineBoard zeigt die Zustände der Maschinen, die damit verbunden sind, und informiert den Anwender etwa per Push-Notification auf seinem Handy oder Tablet, wenn es einen Fehler gibt oder die Maschine eine Interaktion benötigt. Das hat den Vorteil für den Maschinenbediener, dass er deutlich flexibler arbeiten kann. Er legt zum Beispiel ein CNC-Teil auf, lässt die Maschine laufen und kann in der Zwischenzeit etwas anderes erledigen. Dabei kann man immer beruhigt arbeiten, denn wenn es einen Fehler gäbe, würde sich die Maschine melden. 
Das zweite Produkt (App) ist das ServiceBoard. Das ermöglicht es, einfacher mit dem Service von Maschinenherstellern Kontakt aufzunehmen und bei Bedarf eine Live-Videodiagnose mit den Servicemitarbeitern zu erstellen. Das ServiceBoard beinhaltet außerdem eine Wartungsanzeige. Dazu gibt es dann noch einen Zugang zum Ersatzteilshop von Partnern, in dem man direkt auf die Ersatzteil­dokumentation oder die Dokumentation der Maschine zugreifen kann, sich Zeichnungen anschauen kann oder Teile direkt bestellen kann, die dann im Warenkorb des jeweiligen Herstellers landen. 

Und was bringt DataSave?
Gerade kleinere Kunden sichern oft noch zu selten ihre Maschinendaten – etwa Produktions- oder Konfigurationsdaten. Diesen bieten wir ein Backup der Maschine. Dabei werden die Daten anonymisiert in der Cloud bei tapio abgelegt und sind so später einfach wieder verfügbar. Gerade kleinere Kunden müssen sich so nicht selbst IT-Infrastruktur mit hohen Investitionskosten anschaffen. 

Wie gewährleisten Sie den notwendigen Datenschutz?
Das ist ein extrem wichtiges Thema. Wir waren z. B. in der Entwicklung zusammen mit Homag bei Iuno, einem nationalen Referenzprojekt für IT-Sicherheit in der Indus­trie 4.0, involviert. Da sind auch große Hersteller wie Bosch oder Nobilia dabei. Aktuell nutzen wir die höchsten verfügbaren Sicherheitsstandards in dem Bereich. Wir setzen vergleichbare Techniken wie im Online-Banking ein und weitere hoch sichere Standards. Und wir haben uns auch schon in Zusammenarbeit mit Microsoft den für die ab 25. 5. 2018 gültige EU-Datenschutz-Grundverordnung notwendigen Standard gesichert.

Als Partner sind derzeit 17 unterschiedliche Firmen quer durch die Zulieferindustrie an Bord – vom Werkzeughersteller Leuco bis zum Polymerspezialisten Rehau. Wie sind diese Partner eingebunden?
Die Partner wollen für ihre Produkte auf der Basis von und gemeinsam mit tapio Lösungen für ihre jeweiligen Bereiche entwickeln. Tapio versteht sich dabei als offenes Ökosystem, welches es allen Partnern gleichberechtigt ermöglicht, ihre Produkte zu entwickeln und anzubieten. Der Vorteil für die Partner ist dabei, dass sie einfach Lösungen der Plattform nutzen können und das Rad nicht neu erfinden müssen. Auf der Messe Holz-Handwerk im März in Nürnberg werden wir dazu schon erste Prototypen vorstellen. Gerade mit den Material- und Werkzeugherstellern entstehen hier viele neue Projekte. Eine zukünftige Richtung ist dabei die bessere Bedienbarkeit der Maschinen. Oder man kann genauere Wartungsvorhersagen machen, die nicht mehr nur von der Maschinenbetriebsstunden-Zahl, sondern von mehreren Einflussfaktoren bestimmt werden. 

Wie durchautomatisiert muss denn ein Betrieb sein, damit so ein System interessant ist?
Gar nicht. Wir versuchen mit tapio gerade dem Mittelstand und auch den kleinen Betrieben bessere Chancen zu bieten. Die Idee ist: Sie haben eine Maschine, die tapio-ready ist. Sie ziehen sich die App aus dem App-Store, kaufen sich die Lizenz im tapio-Shop dazu, die Apps verbinden Sie mit der Maschine und los geht’s. Wir wollen einfache Lösungen mit Applikationen, die den täglichen Prozess unterstützen – und eben nicht viele Monate Projektaufwand mit hohen Startkosten – wir wollen Software als Service mit unseren Partnern bereitstellen. Kunden brauchen ein Produkt, dann nutzen Sie es, wenn Sie es nicht brauchen, kündigen Sie es und haben auch keine Kosten. 

Welche weiteren Funktionen sind derzeit noch konkret in Planung?
Unsere Idee ist es, mit immer mehr Partnern immer mehr Bereiche im täglichen Produktionsprozess abzudecken – zum Beispiel auch in der Möbelindustrie. Ein weiteres Beispiel ist ein Produkt (das MESBoard), mit dem sich künftig der Fertigungsfortschritt darstellen lässt. Dazu kommt auch noch das Thema Energieoptimierung. Und natürlich sollen auch das Service und die Unterstützung des Kunden im täglichen Betrieb und bei der Wartung weiter ausgebaut werden. 

Was sind die langfristigen Ziele?
Tapio soll die Plattform für die Holzindustrie werden, in der sich Kunden und Partner verbinden – wie in einem Ökosystem. Es soll damit ein Netzwerk geschaffen werden, das es unseren Partnern ermöglicht, gemeinsam Applikationen für unsere Kunden bereitzustellen und mehrere 10.000 Maschinen zu verbinden. 

Wie viele Unternehmen wenden tapio jetzt schon an?
Derzeit sind rund 200 Maschinen angebunden. Das heißt, das System wächst extrem schnell. Wenn man bedenkt, dass wir nach der Ligna noch eine gewisse Zeit für den Aufbau der Plattform benötigt haben, in der Programmarchitektur nochmal einige Dinge verbessert haben und wir nach unserer Pilotphase ab September richtig losgelegt haben, dann ist das schon richtig viel. www.tapio.one

Autor/in:
Thomas Prlic
Werbung
Werbung