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Simon Holzknecht, Geschäftsführer von „Holzfenster – natürlich aus Tirol“Window to the world: Holzfenster sind nicht nur beständig, sondern stärken auch die regionale Wertschöpfung. Foto: Tischlerei KlausnerSimon Trixl/Tischlerei Trixl, Foto: defrancescoFokus Natürlichkeit: Holzfenster geben den Blick auf die Charakteristik des Werkstoffs frei. Foto: René MarschallChristian Prantl/Westholz LamellierwerkDie Mitglieder des Vereins Holzfenster – natürlich aus Tirol. Foto: Holzfenster – natürlich aus Tirol

Tiroler Holzfenster-Hersteller: Die Zukunft im Blick

06.04.2020

Eine Kooperation von Tiroler Meisterbetrieben zeigt, wie sinnvoll ein gemeinsames Netzwerk sein kann – vor allem, wenn es um den Erhalt und die Förderung des traditionellen Fensterbaus geht.

Der Fenstermarkt ist heiß umkämpft – klassische Handwerksbetriebe müssen sich immer besser positionieren, um mit der Industrie mithalten zu können. Wie man mit einer schlauen Struktur helfen kann, die regionale Wertschöpfung wieder mehr in den Fokus zu rücken, zeigt die Initiative „Holzfenster – natürlich aus Tirol“. Ziel ist es, das Bewusstsein für Material und Handarbeit wieder zu stärken – sowohl bei den Endkunden als auch in der Politik. 

Initiiert und begleitet wurde die Kooperation von proHolz Tirol/Holzcluster. „Aufbauend auf unsere Cluster-Tätigkeiten haben wir schon 2005 mit Impulsworkshops zum Thema Zukunft Holzfenster begonnen“, erklärt Simon Holzknecht, Geschäftsführer des Vereins und stellvertretender Geschäftsführer von proHolz Tirol, im Gespräch mit dem Tischler Journal. „Wir haben schon damals im Rahmen einer Netzwerkgruppe den Blick über den Tellerrand gewagt, um das Thema zu pushen.“ 

Starke Strukturen

Im Laufe der Zeit wurden die Treffen intensiviert, um Kontakte zu Planern und Architekten zu knüpfen – und natürlich, um Lobby­arbeit auf Seiten der Politik zu betreiben. 2009 wurde eine eigene Website aufgesetzt, um als Plattform nach außen die Regionalität im Bereich Holzfenster zu transportieren. „Da haben wir gemerkt, die Firmen nehmen das sehr ernst und wollen gemeinsam etwas weiterbringen. Die Website war schließlich der Startschuss, um auch operativ enger zusammenzuarbeiten“, so Holzknecht weiter.

„Durch den Verein werden Synergieeffekte geschaffen, die für die Betriebe enorm wichtig sind.“

Simon Holzknecht, Geschäftsführer „Holzfenster – natürlich aus Tirol“

Immer mehr Mitglieder haben sich der Initiative angeschlossen und so geholfen, die starke Struktur weiter auszubauen. Nach der Intensivierung der Kommunikation nach außen, wie durch Social Media und gemeinsame Holzfensterausstellungen, wurden Ende 2014 die bereits sehr regen Aktivitäten in eine Vereinsstruktur gegossen. „Uns war klar, dass es das braucht, um nachhaltig einen wichtigen Beitrag zu leisten und Mitglieder noch stärker einbinden zu können. Und dass es einen offiziellen Sprecher braucht, um uns in der Außenwahrnehmung noch klarer zu positionieren."

Traditionelle Handwerksbetriebe stärken

Das bestätigt auch Vorstandsmitglied und Tischlermeister Simon Trixl: „Der Gedanke war, die Tiroler Fenstertischler zu unterstützen, weil die Industrie als Mitbewerber sehr stark ist“, erläutert der Fieberbrunner Bau- und Möbeltischler. „In unseren Gefilden sind gerade im Wohnungsbereich Plastikfenster immer stärker im Vormarsch – um den Fokus wieder auf die Wertigkeit von Holzfenstern zu legen, war uns klar: Wir müssen die traditionellen Handwerksbetriebe stärken“. Gerade deshalb sei die gemeinsame Initiative so wesentlich, weil durch den Verein gemeinsame Maßnahmen umgesetzt werden, die man als Einzelbetrieb einfach nicht stemmen könne, egal, ob es der gemeinsame Messe- oder Werbeauftritt ist oder der Wissenstransfer in Form von Impulsvorträgen und Qualifizierungsmaßnahmen. 

Eines unserer Ziele ist es, zumindest wieder die Möglichkeit zu haben, bei öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt zu werden."

Simon Trixl, Tischlerei Trixl

Synergieeffekte für Tischlerbetriebe

Auch gemeinsame Einkaufsvorteile bei Beschlägen, Oberflächen oder Fensterkanteln schaffen mehr Transparenz in Sachen Zukunftsplanung. Das brauche es auch, denn die Rahmenbedingungen sind deutlich schwieriger geworden: „Früher konnten wir bei Siedlungsbauten noch mithalten, weil wir noch in den Ausschreibungsprozess mit eingebunden wurden. In Zeiten, wo sich vermehrt der Generalunternehmer die Fenster dort holt, wo sie am günstigsten sind, ist das für traditionelle Betriebe von vornherein unmöglich, hier im Boot zu sein. Eines unserer Ziele ist es, zumindest wieder die Möglichkeit zu haben, bei öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt zu werden“, fordert Trixl. Bei allen Vorteilen den Interessensausgleich als Wettbewerb unter­einander zu verstehen, sei dabei der falsche Ansatz: „Für uns alle ergeben sich einfach enorme Synergieeffekte. Dabei nehmen sich die Betriebe untereinander ja auch kein Geschäft weg – im Gegenteil. Wir alle profitieren voneinander und können gemeinsam etwas erreichen“, konstatiert der Tischlermeister. „Wir müssen unsere Produkte so verkaufen, dass wir neben der Industrie bestehen können. Dass das nicht einfach wird, ist klar, aber wir blicken positiv in die Zukunft“. Lobby­arbeit ist dabei ein zentraler Punkt, um die Themen Regionalität und Kreislaufwirtschaft im Bewusstsein zu verankern. „Wir müssen dem Holzfenster als Qualitätsprodukt wieder mehr Gewicht geben. Und damit regionale Betriebe deutlich stärken.“ 

Austausch im Netzwerk

Apropos Regionalität: Inzwischen sind viele der Tischlereibetriebe, die in Tirol Fenster herstellen, beim Verein dabei. Aber auch für die Zulieferer ist der Verein wichtig, so etwa für Christian Prantl, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer von Westholz Lamellierwerk. Er liefert für die Handwerksbetriebe die klassischen Fensterkanteln zur Weiterverarbeitung. Auch für ihn ist oberstes Ziel die Erhöhung des Marktanteils von Holz- und Holz-Alu-Fenstern. „Anfänglich waren die Fenstertischler noch skeptisch – teilweise haben sich die Betriebe aus dem Tiroler Ober- und Unterland gar nicht gekannt.“ Das habe sich geändert, gemeinsam mit dem Vorteil der betrieblichen Vernetzung. „Wenn man ein Problem hat, verständigt man sich, wenn man Kooperationsmöglichkeiten sucht oder Kapazitätsprobleme hat, weiß man, an wen man sich wenden kann. Wir beobachten, dass dieser Austausch extrem wichtig ist“, bringt es Prantl auf den Punkt. 

„Wir wollen die Tiroler Holzfenster so positionieren, dass der Fokus aufs Handwerk und die Originalität des Produkts in den Vordergrund rückt.“

Christian Prantl, GF Westholz Lamellierwerk

„Als Zulieferer kann ich die Probleme der Betriebe viel besser einschätzen, denn das sind schließlich alles Kunden von uns. Und das hat in der Zusammenarbeit enorme Vorteile.“ Auch für Prantl ist das Hauptanliegen, die Vorzüge des Werkstoffes Holz für das Fenster wieder hervorzukehren. Ein besonderes Anliegen ist ihm, dass bei der Bearbeitung und Sortierung die besondere Charakteristik von Holz nicht verlorengeht. „Individuelle Maserung, kleine gesunde Äste und Farbunterschiede sind natürliche Merkmale von Holz und sollten als Abgrenzung zu Plastikfenstern angesehen werden. Das kommt auch bei den Kunden gut an und passt oft perfekt zu Holzboden und Inneneinrichtung.“ Als kleiner, regionaler Hersteller ist es auch für Prantl wichtig, Ursprünglichkeit und Herkunftsqualität vor den Vorhang zu holen. „Wir wollen die Tiroler Holzfenster so positionieren, dass der Fokus aufs Handwerk und die Originalität des Produkts in den Vordergrund rückt.“

Fokus auf regionaler Wertschöpfung

Eine Initiative nach dem Vorbild des Tiroler Vereins wäre durchaus für andere Bundesländer ein Projekt, das zum Nachahmen anregen könnte. Aber im Osten des Landes sucht man bislang vergeblich nach ähnlichen Zusammenschlüssen. Für Simon Holzknecht spielt hier vor allem die Nähe zu bestimmten Nachbarländern und die damit zusammenhängende Verfügbarkeit von günstigen Fachkräften eine Rolle. „Mittlerweile haben sich Produkte aus den Nachbarländern auch hierzulande etabliert – mit starkem Einfluss. Auch die große Fensterindustrie in Österreich nimmt diesen Druck wahr – und gibt ihn schließlich auch an die traditionellen Betriebe weiter.“ Umso wichtiger sei es, den Fokus auf regionale Wertschöpfung zu legen – denn vor allem in Vorarlberg, aber auch in Tirol gibt es noch zahlreiche Tischlereibetriebe, die Fenster produzieren. 

In Tirol profitieren Betriebe mitunter vom Export nach Deutschland, in die Schweiz oder nach Südtirol – hier vor allem im kleinen und exklusiven Bereich. „Wenn ich als Bau- und Möbeltischler personell schlau plane und Synergien mit anderen Betrieben nutze, ergeben sich einfach mehr Möglichkeiten“, so Holzknecht. Individualität und Flexibilität in Planung und Umsetzung sind dabei die Schlüsselkompetenzen – vom Holzfenster bis zum Verbund- oder Kastenfenster. Und das gepaart mit einem hohen Anspruch an Service und Kundenorientierung. Zusätzlich liege die Zukunft in der Förderung von Nachwuchstalenten, auch hier ist der Verein stark tätig. „Alle unsere Mitglieder sind Lehrbetriebe. Weil uns klar ist: Wir müssen dort ansetzen, wo die Zukunft liegt und neue Fachkräfte in den eigenen Betrieben aufbauen.“ 

Autor/in:
Christina Mothwurf
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