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Frauenpower in der Werk-Stadt: Alma van den Donk und Marie Janitschek

Tischlerei Cibulka: die Werkstatt ist weiblich

04.12.2019

Tischlermeister Philipp Cibulka bildet ausschließlich Frauen als Lehrlinge aus und setzt damit ein wichtiges Zeichen für mehr Gleichstellung im Handwerksalltag.

Marie Janitschek, Alma van den Donk, Philipp Cibulka und Martina Denich-Kobula (Landesvorsitzende Frau in der Wirtschaft Wien).

Eigentlich mühsam, dass man 2019 noch immer darüber reden muss. Aber gerade im Handwerk sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert. Dass es auch anders geht, zeigt die Initiative von Philipp Cibulka, der seit mehr als 15 Jahren Lehrlinge ausbildet. Nicht nur das: Seit knapp zehn Jahren bildet der Tischlermeister in seinem Betrieb Werk-Stadt im 5. Wiener Gemeindebezirk ausschließlich Frauen zu Tischlerinnen aus. „Ich wollte eigentlich immer eine Handwerksschule gründen“, erzählt er im Gespräch mit dem Tischler Journal. „Durch den Fokus auf die Lehrlingsausbildung konnte ich das zumindest in der kleinen Form durchsetzen“, sagt er lachend. Was er an der Zusammenarbeit mit Tischlerinnen besonders schätzt? Großes Interesse und volle Aufmerksamkeit. „Frauen sind achtsamer im Umgang mit dem Grundmaterial, sind extrem vielschichtig in der Art, Dinge anzugehen und umzusetzen. Und das bei absoluter Verlässlichkeit.“ 

Quote mit Bonus

Das hat Cibulka schließlich motiviert, laufend zwei Frauen im Betrieb auszubilden, die um ein Jahr versetzt ihre Lehrzeit beginnen. „Lernen durch die Weitergabe von Wissen betrachte ich als die beste Variante von Lernen. So entwickelt sich die Werk-Stadt mit jedem Lehrling weiter“, erzählt er. Der Betrieb im 5. Wiener Gemeindebezirk setzt noch voll und ganz auf das traditionelle Handwerk. So wird in der 100 m2 großen Werkstatt der Fokus auf Planung und Design in Kombination mit bodenständiger Umsetzung von Einzelmöbeln gesetzt. Das schätzen auch die weiblichen Lehrlinge, so wie Marie Janitschek, die derzeit gemeinsam mit ihrer Kollegin Alma van den Donk im Betrieb arbeitet. Vor Kurzem hat sie mit Auszeichnung ihre Lehrabschlussprüfung geschafft – und erzählt, warum sie Feuer und Flamme für das Tischlerhandwerk ist: „Ich wollte immer mit Massivholz arbeiten. Und in einem kleinen Betrieb ist die Verschränkung zwischen dem künstlerisch-kreativen Anspruch und dem hohen Wert der handwerklichen Umsetzung möglich“, so Janitschek. Sie selbst hat eine Zeit gebraucht, um zu erkennen, welchen Berufsweg sie einschlagen will – jetzt ist sie so richtig gelandet. 

Vorurteilsbeladen

Dabei ist es manchmal gar nicht so leicht, sich im Umgang mit Schulkollegen, Kunden und Baustellenkollegen durchzusetzen. „Wenn wir gemeinsam mit unserem Chef zu Kunden fahren, werden wir oft gefragt, ob wir die Töchter sind. Oder warum wir uns entschieden haben, Tischlerinnen zu werden“, so Janitschek. „Das ist nicht immer leicht und nervt, aber wir merken auch, dass es besser wird und viele Kunden und Partner den weiblichen Support sehr positiv aufnehmen.“ Apropos nehmen: Das Vorurteil, der Beruf sei körperlich zu anstrengend, lösen Janitschek und Cibulka sofort in Luft auf: „Das stimmt einfach nicht. Ich kann im Betrieb alles umsetzen, was ein Mann auch machen würde“, erklärt ­Janitschek. Und Cibulka ergänzt: „Frauen sind zu schwach für den Tischlerberuf? Absoluter Blödsinn.“ Auch die Ausrede, die betrieblichen Vorgaben für die Ausbildung von weiblichen Kolleginnen wären zu mühsam, lässt er nicht gelten. „Diese Ängste sind wirklich obsolet. Ich rate Betrieben, sich zu trauen, endlich mehr Frauen aufzunehmen. Weil es sich lohnt – und nicht nur in professioneller Hinsicht. Wir merken, dass sich auch das soziale Gefüge deutlich bessert, sobald eine Frau auf der Baustelle ist. Da reißen sich die männlichen Kollegen am Riemen“, sagt er schmunzelnd.

Mehr Frauen? Ausgezeichnet!

Marie Janitscheks Rat an zukünftige Kolleginnen? „Sich drüber trauen, einfach machen – und die Berufsschule durchhalten“, erzählt sie. „Meistens ist man die einzige Frau in der Klasse, das ist nicht immer leicht. Aber man wird belohnt: Mit der tollen Arbeit an einem vielseitigen Werkstoff mit hohem Anspruch ans Handwerk und viel kreativem Potenzial.“ Einfach machen – das wünscht sich auch Cibulka von seinen Berufskollegen: „Zum einen brauchen wir natürlich mehr Lehrstellen“, erläutert er. „Die Investition in junge Kolleginnen zahlt sich doppelt aus. Wir müssen aus den gängigen Klischeebildern aussteigen und gemeinsam mit der Gesellschaft zeigen, dass wir das schaffen können.“ So viel Engagement will gewürdigt werden – deshalb hat der Betrieb erst kürzlich den amaZone-Award erhalten, der sich für die Sichtbarmachung von Erfolgsgeschichten und gelungener Frauenförderung stark macht. Sichtbar sind sie, die Frauen in der Werk-Stadt. Und stark sowieso. www.werk-stadt.at

Autor/in:
Christina Mothwurf
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