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Trends in der Küchenplanung: Tischler berichten aus der Praxis

01.09.2020

Die Küche mausert sich immer mehr zum Kommunikationszentrum für Familie und Freunde. Wir haben bei drei Tischlereien nachgefragt, worauf sie in der Küchenplanung und -umsetzung Wert legen.

Die Küche wird immer wichtiger, wenn es um die Realisierung des Lebens(t)raums geht. Gerade in Zeiten, wo die Bedeutung der eigenen vier Wände wieder ganz neu bewertet wird, zeigt sich, dass sie als gesellschaftliche Kommunikationsdrehscheibe für Familie, Partner und Freunde einen besonderen Fokus erhält. Design, Funktionalität und Qualität sind Merkmale, die dafür sorgen, dass die Freude am Brutzeln zuhause auch eine nachhaltige ist. Und die heimischen Tischlereibetriebe beweisen, dass sie genau das optimal umsetzen können – mit viel Liebe und dem Blick für das Besondere entstehen dabei gemeinsam mit dem Kunden veritable kulinarische Raumwunder. Apropos Raumwunder: Eine Küche, die alles kann, muss nicht notwendigerweise eine riesige sein. Schlau geplant, bringt man auch sonst alles unter, was man so braucht. In Sachen Design sind klare Linien, moderne Farben und Formen und – neben dem Alleskönner Holz – auch innovative Oberflächen im Einsatz. 

Tischlerei Mayerhofer: die Küche auf den Leib geschneidert

Dort, wo früher ein Bauernhof stand, führt Tischlerin Claudia Mayerhofer in mittlerweile vierter Generation einen Tischlereibetrieb. Handwerk und Design stehen bei „Die Hantel“ – auch bekannt als Tischlerei ­Mayerhofer – im Fokus, wenn es um die Umsetzung der passenden Küche geht. „Ich liebe es, gemeinsam mit dem Kunden den perfekten Platz zum Kochen und Leben zu planen und umzusetzen“, erzählt Mayer­hofer. Auch sie merkt, dass die Küche mittlerweile nicht mehr nur ein Ort zum Kochen ist, sondern auch als multifunktionaler Lebensraum einen echten Hype erlebt.

„Wir versuchen, dem Kunden in der Planungsphase viele Perspektiven aufzuzeigen, die die Küche zum ganz individuellen Lebensraum macht."
Claudia Mayerhofer/die Hantel

Sie selbst beschreibt sich als praktischen Typ und kocht am liebsten in ihrer Landhausküche auf, berät ihre Kunden aber auch, wenn es um den Einsatz von High-End-Geräten geht. „Dabei muss man schon auch sehr realistisch sein und in der Beratung sehr transparent, denn nicht jeder technische Schnickschnack, der möglich ist, macht in der Küche auch Sinn.“ Design ist dabei natürlich wichtig, die Praktikabilität darf dabei aber nicht auf der Strecke bleiben. Bei „die Hantel“ wird noch alles händisch geplant und umgesetzt – jede Küche wird dem Kunden dabei quasi auf den Leib geschneidert und ist hochindividuell.

Holztrends: Alternativen zur Eiche

Apropos individuell: Obwohl Eiche noch immer ganz oben auf der Liste der beliebtesten Küchenhölzer steht, gibt es mittlerweile Alternativen, die in Sachen Maserung und Stabilität dem Eichen-Allrounder um nichts nachstehen. „Buche, Erle oder Nuss sind im Küchenbau auch sehr robuste Hölzer“, so Mayerhofer. „Wir versuchen, dem Kunden in der Planungsphase viele Perspektiven aufzuzeigen, die die Küche zum ganz individuellen Lebensraum macht.“ Und damit man sich das auch bildlich gut vorstellen kann, arbeitet Claudia Mayerhofer auch – zusätzlich zu ihren Skizzen, die sie gemeinsam mit den Kunden erarbeitet – mit Renderings. Beim Einsatz der Materialien sind den Kundenwünschen fast keine Grenzen gesetzt: So kommt es schon mal vor, dass Mayerhofer in liebevoller Kleinstarbeit Blattgold auf Küchenfronten appliziert.

Aber es muss ja nicht gleich Gold sein: Ganz grundsätzlich setzt die Niederösterreicherin gerne auf lebendige Farben – das merkt man übrigens auch bei der Küche P05-zo. Bei der Umsetzung des Raums in einem Passivhaus mussten die Anforderungen einer vierköpfigen Familie mit hohem Designanspruch kombiniert werden. Das Ergebnis der gemeinsamen Planung und die hohe Kundenzufriedenheit beweisen, wie eng die Bindung der Tischlerin zu ihren Kunden ist. Und obwohl die zweifache Mama gemeinsam mit ihrem Mann selbst Betrieb und Familie unter einen Hut bringen muss, nimmt sie sich viel Zeit dafür: „Die persönliche Betreuung unserer Kunden ist für mich das Allerwichtigste.“ 

Tischlerei Prödl: in Szene gesetzt

Mit viel Freude am Design und Sinn für Ästhetik setzt die Tischlerei Prödl das kulinarische Zentrum so richtig gekonnt in Szene – zum Beispiel mit der Küche „Lin“, deren Kochinsel in Form eines Pentagons gestaltet wurde. In Kombination mit der multifunktionalen Rückwand mit Platz für Spüle, Kühlschrank, Backrohr und viel Stauraum wird sie zum kommunikativen Mittelpunkt einer Wohnung. Die einzelnen Elemente, Materialien und Oberflächentypen sind nur teilweise vordefiniert – damit ist die Lin keine Einzelanfertigung, aber auch kein echtes Serienprodukt. Gemeinsam mit Innenarchitekt Franz Polzhofer geplant können die Teile der Rückwand herausgeklappt werden und schaffen als Regale zusätzliche Ablageflächen. 

„Heimische Betriebe mit starkem Fokus auf Regionalität schaffen in Sachen Handwerkskunst eine Basis für nachhaltiges Wohndesign – gerade in Krisenzeiten lohnt es sich, auf diese hohe handwerkliche Kompetenz zu setzen.“
Matthias Prödl/Tischlerei Prödl

Küchenplanung in der Tischler-DNA

Küchenplanung ist bei der Tischlerei Prödl übrigens stark in der Unternehmensentwicklung verankert: „Für uns ist Küchenplanung Teil der Familiengeschichte“, erzählen Josef und Matthias Prödl im Gespräch mit dem Tischler Journal. „Schon mein Großvater hat sich in den 70er Jahren auf Küchen spezialisiert – eine Zeit, in der die Küche noch keinen so großen Stellenwert hatte wie heute“, ergänzt Matthias Prödl. So hat das Unternehmen früher auch unter „Prödl Küchen“ firmiert – daher ist sie auch tief in der DNA des Betriebs verankert. Und das merkt man auch heute noch: Bei den Partnerfirmen wird sehr großer Wert darauf gelegt, dass diese möglichst aus der Region kommen, etwa, wenn es um Steinoberflächen, Glas, Metall etc. geht. Darin spiegelt sich auch der hohe Qualitätsanspruch wider, dessen Bewusstsein sich Prödl auch vonseiten der Konsumenten wünscht: „Heimische Betriebe mit starkem Fokus auf Regionalität schaffen in Sachen Handwerkskunst eine Basis für nachhaltiges Wohndesign – gerade in Krisenzeiten lohnt es sich, auf diese hohe handwerkliche Kompetenz zu setzen.“

Apropos Handwerkskunst: Design und Küchenplanung gehen im Betrieb im oststeirischen Kirchberg an der Raab Hand in Hand. Dabei ist hochwertiges Design mittlerweile für den Kunden immer wichtiger: „Die Küche ist der Mittelpunkt der Einrichtung geworden“, erzählt Prödl. „Durch die hohe Bedeutung als Zentrum für Familie, Partner und Freunde sind Kunden auch bereit, deutlich mehr dafür auszugeben als früher.“ Auch in Sachen Planung beginnen Kunden in der Regel bei der Küche, wenn sie an die gesamte Einrichtung von Wohnung oder Haus denken. „Die Küche ist damit ein wunderbarer Start für eine schöne Einrichtung.“

Tischlerei Schober: Wohnraum mit Würze

„Die reine Arbeitsküche gibt’s heutzutage nur mehr ganz selten“, erzählt Karin ­Schober im Gespräch mit dem Tischler Journal. „Die Küche ist zum vielseitigen Lebensraum geworden, der inszeniert werden will.“ Die Geschäftsführerin und Innenraumplanerin im gleichnamigen Betrieb realisiert im salzburgerischen Lofer mit viel Leidenschaft und jahrelangem Know-how genau diese Lebensräume für ihre Kunden. Was ihr dabei besonders viel Spaß macht? „Das gemeinsame Tüfteln“, so Karin Schober. „Wir sind immer wieder auf der Suche nach zeitlosen individuellen Lösungen – die Küche soll auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sein und das Zentrum des Hauses bilden – ein Treffpunkt für die Familie aber auch funktional und gut durchdacht. Schließlich wird bei unseren Kunden richtig aufgekocht.“ Da kommt es schon mal vor, dass in einem alten Bauernhaus die Zwischenwand abgetragen wird und als Wandverkleidung wiederverwendet wird, damit die Kochinsel Zentrum der so neu entstandenen offenen Wohnküche wird. 

„Die Küche bietet in der Planung unheimlich viel Gesprächsstoff.“
Karin Schober, Tischlerei Schober

Materialvielfalt: Holz, Stein oder Keramik

In Sachen Material arbeitet das Team der Tischlerei viel mit hellen Farben und Eiche oder Fichte Altholz. „Aber auch was die Arbeitsplatte betrifft gibt’s heutzutage immer mehr Möglichkeiten“, so Schober. „Stein und Keramik werden bei uns genauso verarbeitet wie selbst hergestellte Platten mit klassischem Schichtstoff und massiver Holzkante. „Für den Kunden muss es passen, und da muss man schon gut zuhören und die richtigen Fragen stellen, um eine gute Lösung zu finden. Denn was gerade modern ist, macht nicht für jeden Sinn: „Die Küche bietet in der Planung unheimlich viel Gesprächsstoff – und da hilft es, den Kunden zu Hause zu besuchen und zu sehen, wie denn die momentane Küche aussieht und zu erfragen, was daran gut war und was besser sein könnte. Eine Computerplanung ist heute Standard, aber wir bemustern auch vor Ort und kümmern uns darum, dass beim Kücheneinbau auch Installationen und Elektrikerarbeiten gemacht werden.“

Darüber beginnt mit der Küchenplanung und Fertigung oft eine langjährige Kundenbeziehung, und weitere Wohnwünsche werden vom Tischler realisiert. „Wenn ich mit meiner Tischlerküche zufrieden bin, ist die Chance einfach groß, dass ich auch in anderen Bereichen auf individuelle Gestaltung und die Qualität des Tischlerhandwerks ­
vertraue.“ 

Autor/in:
Christina Mothwurf
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