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Von der Antarktis in die Werkstatt

28.06.2012

Am 13. und 14. Juni ging in Wels der zweite Tischler Kongress mit einem breit gefächerten Vortragsreigen über die Bühne: von technischen Themen über Fragen der Lehrlingsausbildung bis zum kontroversen Referat zur Zukunft des Designs. Und man konnte erfahren, was man als Chef einer Tischlerei von einer gescheiterten Polarforschungsreise lernen kann.

Nach einer erfolgreichen Auftaktveranstaltung vor zwei Jahren in Gmunden fand am 13. und 14. Juni, diesmal im Messezentrum Wels, zum zweiten Mal der Tischler Kongress statt. Rund hundert Besucher waren der Einladung des Tischler Journals und der zum Wirtschaftsverlag gehörenden Veranstaltungsabteilung RedEd gefolgt. Als Gäste hatten sich im Publikum unter anderem auch Bundesinnungsmeister KommR. Ing. Josef Breiter, der Geschäftsführer der Bundesinnung Mag. Dietmar Schönfuß, Bundeslehrlingswart Alois Kitzberger sowie die Landesinnungsmeister KommR. Gottfried Wieland (Niederösterreich), KommR. Johann Burgstaller (Wien) und Walter Schadler (Steiermark) eingefunden.

Mit 37 ausstellenden Firmen gab es dazu im Rahmenprogramm eine umfangreiche und sehr ansprechend gestaltete Fachmesse. Wie schon bei der ersten Kongressausgabe stand auch diesmal ein breites Spektrum an Vorträgen am Programm: Von technischen Themen und Referaten aus dem Holzforschungsbereich über Fragen der Betriebsführung und der Lehrlingsausbildung bis hin zu Marketingtipps. 

Holzwerkstoff-Forschung
Nach der Eröffnung des Kongresses durch BIM Breiter machte Dr. Ulrich Müller vom Kompetenzzentrum Wood K Plus den Beginn des Vortragsreigens mit dem Thema „Holzwerkstoffe: Stetige Verbesserungen und radikale Innovationen“. Müller gab dabei einen Einblick in aktuelle Forschungsprojekte, erläuterte die Grundlagen der Forschungsarbeit und machte damit auch deutlich, wie lange und aufwendig der Weg von der Entwicklung eines neuen (Holzwerkstoff)Produkts bis zur Markteinführung mitunter ist.

Nach einer ersten Kaffeepause beschäftigte sich dann Ing. Anton Schwarz von CAD+T Consulting GmbH in seinem Vortrag mit dem strukturellen Wandel in den Tischlereien und thematisierte dabei auch den aktuellen Fachkräfte- und Lehrlingsmangel. Ein Aspekt, der auch im folgenden Referat von Gernot Schneebauer eine wesentliche Rolle spielte: Schneebauer ist Unternehmensberater und Trainer und hat sich mit seiner Firma Heartbeat auf eine ganzheitliche Form der Lehrlingsweiterbildung spezialisiert. Dabei begleiten Schneebauer und sein Team die Betriebe über mehrere Jahre hinweg, arbeiten in dieser Zeit mit den Lehrlingen in Sachen Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenz und beziehen darin vor allem auch die Firmenchefs und die Ausbildner mit ein.

Marketing und OnlineMedien
Das Mittagsbuffet bot anschließend allen Gästen Gelegenheit zur Stärkung. Das Nachmittagsprogramm eröffnete dann der deutsche Marketingfachmann Hans-Georg Pompe mit dem Thema „Marktmacht 50plus“. Pompe führte dabei aus, warum die sogenannten „Best Ager“ für Tischler so interessant sind, welche Bedürfnisse sie als Kunden haben und wie sie zielgruppengerecht umworben und begeistert werden können. Nach einem kurzen Vortrag von Franz Schweidler von der Consultingfirma Comfort4all zum Thema „Mit Wertschätzung zum Erfolg“ gab es weitere praktische Marketingtipps von Mag. Friedrich Fuhrmann (Fuhrmann & Fuhrmann OG). Mit Fokus aufs Thema Onlinemarketing und Social Media erläuterte Fuhrmann die Chancen und Risiken von E-Mail-Marketing im Betriebsalltag, gab einen Einblick in die Möglichkeiten von Facebook und zeigte auf, wie sich Online-Werbemaßnahmen von der Website über Newsletter bis zu sozialen Me­dien sinnvoll verknüpfen lassen.

Mit seinem aufrüttelnden, aber auch kontroversen Vortrag zur Zukunft des De­signs sorgte anschließend FH-Prof. Mag. Dr. Günther Grall für Diskussionen bei den versammelten Tischlern. Grall zeigte einige interessante Denkanstöße und mögliche Designtrends für die Zukunft auf, sparte aber im Rahmen des Vortrags nicht mit Kritik an der Tischlerbranche – was noch den ganzen weiteren Nachmittag für einigen Gesprächsstoff in den Pausen sorgte.

Highlight zum Tagesabschluss
Den abschließenden Höhepunkt eines auch sonst sehr anregenden Kongresstages bildete dann der Vortrag von Dipl.-Päd. Ing. Peter Baumgartner. Der Autor mehrerer Bücher erzählte dabei die mitreißende Geschichte des britischen Polarforschers Sir Ernest Shackleton und seiner dramatisch gescheiterten Südpol-Expedition: Nachdem sein Expeditionsschiff Endurance im Packeis zerdrückt worden war, gelang ihm trotzdem unter abenteuerlichsten Umständen die Rettung seiner gesamten Mannschaft – nach drei Jahren im Eis. Baumgartner leitete aus dieser Geschichte Anregungen und Ratschläge für Manager und Chefs für deren Führungsstil und besonders den Umgang und die Motivation ihrer Mitarbeiter ab. Der zweite Kongresstag begann dann wieder mit einem technischeren Thema: Ing. Hans Wiesinger, Sachverständiger für barrrierefreies Planen und Bauen, informierte dabei über Planungsgrundlagen und die Gestaltungsanforderungen bei der Einrichtung im Sinne eines „Design for all“. Aktuelle Forschungen zur Haptik von Holzoberflächen präsentierte danach Marie Louise Zukal, Bakk. tech. vom Institut für Holzforschung an der Boku Wien.

Nach einer Kaffeepause gab der Rechtsanwalt Dr. Stefan Trautmann dann praxisnah und unterhaltsam Rechtstipps für den unternehmerischen Alltag und ging dabei etwa auf den richtigen Umgang mit Kundenreklamationen oder die Haftungsfragen und mögliche Fallstricke bei der Zusammenarbeit mit anderen Gewerken am Bau ein. Den letzten Programmpunkt des Kongresses bildete schließlich der Vortrag von Hans-Peter Graf zum Thema Betriebskennzahlen, bevor beim abschließenden Mittagessen der zweite Tischler Kongress einen geselligen Ausklang fand.

Text: Thomas Prlic

Autor/in:
Redaktion Tischler Journal
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